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Nazi Kundgebung
Nazi Kundgebung © Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach
Proteste begleiteten die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Offenbach. Doch bei den durch Verbote und Verfolgungen gekennzeichneten Wahlen im März 1933 wurde die NSDAP stärkste Kraft.

Hitlers Machtergreifung

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 durch Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde, trat er an die Spitze einer Koalitionsregierung der sogenannten »Nationalen Konzentration«.

Der Tag der Machtübernahme war in Offenbach durch eine Reihe von Demonstrationen gekennzeichnet. Um 17.00 Uhr versammelten sich ca. 300 Anhänger der KPD zu einer Protestdemonstration; etwa 150 Teilnehmer hatte ein Fackelzug der NSDAP, und auch die SAP (Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands), die sich im Herbst 1931 aus dem linken Flügel der SPD gegründet hatte, zog durch die Innenstadt. Die numerische Überlegenheit der NS Gegner und die sich in der Folgezeit immer wieder ereignenden Zusammenstöße zwischen Anhängern des neuen Regimes und oppositionellen Gruppierungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Offenbach eine »neue Zeit« begonnen hatte. So erzielten die Nationalsozialisten bei den letzten, durch Verbote und Verfolgungen gekennzeichneten »freien« Reichstagswahlen am 5. März 1933 17.838 Stimmen bzw. 30,5% der Offenbacher Wählerstimmen und lagen damit vor SPD (16.933/30,1%) und KPD (10.317/18,1%).

Noch am Wahlabend kam es zu einer heftigen und blutigen Auseinandersetzung zwischen SA Leuten und Anhängern der »Eisernen Front«, einer sozialdemokratisch orientierten Organisation zum Schutz der Republik und der demokratischen Verfassung.

Entscheidend für die stufenweise Eroberung der Macht durch die Nationalsozialisten war die hemmungslose (Aus )Nutzung legaler staatlicher Machtinstrumente. Hierzu gehörte auch die Positionierung von SA und SS Verbänden in den Reihen der Hilfspolizei, womit ein zuvor durch die Partei ausgeübter Terror zur Staatsangelegenheit wurde. Ziel dieses Terrors waren alle politischen Gegner.

Legalistische Grundlage dieser Strategie war in erster Linie Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung, das präsidiale Notverordnungsrecht, auf dessen Grundlage die politische Konkurrenz ausgeschaltet wurde. Daneben gab es von Anbeginn auch Neuschöpfungen von Gesetzen, die den Zwecken Hitlers dienten. Vor allem der Reichstagsbrand im Februar 1933, dessen Hintergründe bis heute nicht restlos erklärbar erscheinen, diente dazu, den Weg zur Entdemokratisierung Deutschlands voranzutreiben.

Nach und nach offenbarte sich die Machtlosigkeit der demokratischen Opposition und führte neben den Parteiverboten von KPD und SPD zur Gleichschaltung und damit Selbstauflösung der Weimarer Parteien. Zeitgleich erfolgten die »Selbstunterwerfung« der Beamtenschaft und die Gleichschaltung der Länder, womit die Weichen für den zentralistischen Einparteienstaat gestellt waren.

Werkshalle, Rede zu Arbeitern 1944
Werkshalle, Rede der Arbeitern (1944) © Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach

In Offenbach besetzten SA-Männer am 28. März 1933 das Rathaus und beendeten damit die demokratische Selbstverwaltung der Stadt. Aber auch ein weiteres, düsteres Kapitel wurde zu dieser Zeit eröffnet: Nachdem bereits am 11. März 1933 in Offenbach, Frankfurt und einigen Ruhrgebietsstädten Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte durchgeführt worden waren, wurde der 1. April 1933 zur Generalprobe für die nationalsozialistische Judenpolitik. Ein reichsweiter Boykott gegen jüdische Unternehmen wurde ausgerufen.

Regimegegner aus Stadt und Kreis Offenbach wurden in das bei Worms gelegene Konzentrationslager Osthofen verbracht und dort nicht nur inhaftiert, sondern auch gefoltert. Am 3. Mai 1933 musste das sozialdemokratische »Offenbacher Abendblatt« seiner Leserschaft das Verbot der Zeitung mitteilen.

Die nationalsozialistischen »Offenbacher Nachrichten« berichteten mit Genugtuung, das Abendblatt sei nunmehr »am Erscheinen gehindert«. Die Ent-Demokratisierung des Alltags schritt voran: Am 2. Mai 1933 konnten die regimetreuen »Offenbacher Nachrichten« über den Tag der Arbeit, den 1. Mai, vermelden:

»Der Kleine Biergrund, ehemals Domäne der Kommunisten, ließ vor lauter Fahnen keine Häuser mehr erkennen.«

Gemeint war die Hakenkreuzbeflaggung.

Am folgenden Tag wurden die Gewerkschaften reichsweit verboten, auch in Offen-bach fand die Besetzung des Gewerkschaftshauses durch SA Trupps statt. Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften wurden unter dem Motto »Gleichschaltung ist Aufbau« Polizeibehörden, Verwaltungsapparat, Wirtschafts und Sportverbände sowie kirchliche Vereinigungen im Sinne des NS System strukturiert, kommunistische und linksstehende Organisationen wurden verboten.

Einen hauchdünnen Anschein von Normalität behielten die Anfangstage der neuen Machthaber: An der Eröffnung der Stadtverordnetenversammlung in Offenbach am 23. Mai 1933 nahm die Fraktion der Sozialdemokraten noch teil - allerdings wurden wenig später, nach dem Parteiverbot, alle SPD Parlamentarier in das Konzentrationslager Osthofen gebracht.

Am 1. Juni 1933 war durch den damaligen Polizeidirektor Käß das Verbot des "Zusammenstehens von mehr als drei Personen" angeordnet worden, was einen wahrnehmbaren Einschnitt in die bürgerlichen Freiheiten darstellte. Wenige Tage zuvor, am 22. Mai 1933, hatte der »Kampfbund für Deutsche Kultur« eine »Richard Wagner-Feier« begangen, die mit einer »feierlichen Bücherverbrennung« im Hofe des Isenburger Schlosses endete. Ungefähr 5000 Personen waren denn auch der Einladung gefolgt, Bücher »undeutschen, gemeinen Inhalts« zu vernichten.