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Nachdem die europäischen Mächte vorerst beschwichtigend (Appeasement Policy) auf Hitlers aggressive Außenpolitik reagiert hatten, gaben England und Frankreich am 31. März 1939 eine Garantieerklärung für Polen ab. Polen war längst in Hitlers Visier geraten und bereits am 1. September 1939 marschierte die deutsche Armee in Polen ein. Der 2. Weltkrieg war begonnen.
Kriegsschäden in der Waldstraße
Kriegsschäden in der Waldstraße © Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach

Einige Wochen vorher hatten die »Offenbacher Nachrichten« unter der Überschrift »Wie im Ernstfall« für den 13. Juni 1939 einen großen Fliegeralarm angekündigt. Während dieses Probealarms durften unter anderem keine Fahrzeuge in die Stadt einfahren. Nur zehn Wochen später trat an anderer Stelle der Ernstfall ein: Während die »Heimatfront« zunächst von den Ereignissen in Polen kaum beeinträchtigt schien, fielen ein Jahr später bereits erste Bomben auf die Stadt.

Durch den Bombenangriff wurde auch ein für die Nachkriegszeit geplantes Großprojekt getroffen, welches auf der Rosenhöhe das »gesamte Sportleben Offenbachs in einer großen Gemeinschaftsanlage zusammenzufassen« sollte. Professor Werner March, Architekt der Berliner Olympia Anlagen, hätte dies verwirklichen sollen.

Von den unmittelbaren Folgen der Blitzkrieg Siege über Frankreich, Dänemark, Norwegen und Jugoslawien, sowie dem Beginn des Angriffs auf die verbündete Sowjetunion im Juni 1941 blieb die deutsche Zivilbevölkerung bis zur Ausweitung des Luftkriegs weitestgehend verschont.

Bombenangriffe auf die Stadt, unter anderem im Dezember 1943, am 18., 20. und 22. März 1944, am 5. November und 11. Dezember 1944, am 8. Januar und 17. Februar 1945, hatten einen hohen Tribut an Menschenleben und Gebäudeschäden gefordert. Weite Teile der Innenstadt, das Schloss, das Büsingpalais, Kirchen, Schulen und auch Fabriken lagen in Trümmern.

Neben der Kernstadt war auch die Peripherie zunehmend in Mitleidenschaft gezogen worden. Fast eine Million Kubikmeter Trümmerschutt fielen an: 467 Todesopfer, darunter 53 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, waren zu beklagen.

In der Offenbacher Industrie standen wegen des kriegsbedingten Arbeitskräftemangels insgesamt ungefähr sechs bis siebentausend Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter im Einsatz. Die vor allem aus Polen, der Ukraine, Frankreich und den Benelux Ländern stammenden Menschen waren in etwa 100 Lagern unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht.

Der alliierte Bombenkrieg, intensiviert nach der Ausrufung des »totalen Krieges« durch Goebbels (1943), brachte nur in geringem Umfang die gewünschten Ergebnisse. Statt des erhofften massiven Aufbegehrens gegen das Regime schweißten die Angriffe gegen zivile Ziele die Betroffenen eher zusammen. Die aus derlei Empfindungen (Angst, Überzeugung und Alternativlosigkeit) resultierende Entschlossenheit führte vor allem an der Ostfront zum deutschen Widerstand mit allen Mitteln, während die Alliierten im Westen – seit der erfolgreichen Landung in der Normandie (1944) – rasche Erfolge erzielen konnten.

Kriegsschaden in der Frankfurter Straße 1943
Kriegsschäden in der Frankfurter Straße (1943) © Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach

In Offenbach wurde am 7. März 1945 der Straßenbahnverkehr eingestellt, zwei Tage später wurde die Stadt ein letztes Mal bombardiert. Die regimetreuen »Offenbacher Nachrichten« erschienen am 24. März zum letzten Mal, am 25. März sprengten zurückgehende deutsche Truppen die bis dahin intakt gebliebene Mainbrücke: tags darauf, am 26. März 1945, marschierten amerikanische Truppen der 6. Panzerdivision und der 90. Infanteriedivision ein. Sie fanden eine zu fast 40 Prozent zerstörte Stadt vor. Endgültig beendet wurde der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation.