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Stolze Arbeiterschaft
»Stolze Arbeiterschaft« der Wagenfabrik Dick & Kirschten © Haus der Stadtgeschichte / Stadt Offenbach
Begonnen hat die Industrialisierung in Offenbach damit, dass in vielen Fabriken eine arbeitsteilige Arbeitsweise umgesetzt wurde. Beispielsweise arbeiteten zu Beginn des 19. Jahrhunderts folgende Handwerke für die Wagenfabrik Dick & Kirschten unter einem Dach: Schmiede, Schlosser, Stellmacher, Posamentierer, Kastenschreiner, Lackierer, Sattler, Riemer, Plattierer, Gürtler, Spengler, Dreher, Federmacher und Wagenspanner. Durch das zunftorientierte Denken in der Nachbarstadt Frankfurt war eine derartige Zusammenarbeit dort nicht umsetzbar.

Offenbachs Industrielle waren auch hinsichtlich des Einsatzes von Maschinen fortschrittsorientiert, und so erwarb die Baumwollspinnerei Hauff im Jahr 1832 eine Dampfmaschine und eröffnete damit die Warenproduktion durch Maschinenarbeit.

1849 gründeten die Gebrüder Schmaltz eine Maschinenbaufabrik, die als Wiege der Offenbacher Maschinenbauindustrie gilt. Die Firmengründer verfügten über umfangreiche Auslandserfahrungen und »importiertes Wissen«, denn diese Produktionszweige waren in England und Frankreich bereits hoch entwickelt.

Die aufstrebende Offenbacher Industrie lockte Techniker und bescherte den Maschinenbauern volle Auftragsbücher. Sie entwickelten Maschinen für die Tabak-, Achsen- oder Seifenfabrikation und für die chemische Industrie.

Weitere Offenbacher Unternehmen von Geltung waren beispielsweise die Maschinenfabrik Fredenhagen, die nach der Umstellung von Eisenkunst- auf Industrieguß aus dem Unternehmen von Alfred Richard Seebaß hervorgegangen war, die Firma Collet & Engelhard, die für den Schiffs- und Lokomotivbau produzierte, Faber & Schleicher (seit 1970 MAN) entwickelte sich zur größten deutschen Fabrik für Steindruck-Schnellpressen.

Auch die Zulieferer des Maschinenbaus gründeten erfolgreich eigene Betriebe, nämlich Feilenhauereien und Fabrikationen von Armaturen und Schrauben. Die Offenbacher Maschinenbau- und Metallwarenindustrie expandierte schnell und bei gleicher Anzahl der Betriebe verdoppelte sich zwischen 1882 und 1907 die Zahl der Beschäftigten auf insgesamt 4.375 Personen.

Neben der Metallindustrie etablierte sich auch der Eisenkunstguss. Eisenschmuck war damals Symbol für Freiheitsgeist und Patriotismus und sehr modern. In diesem Gewerbe stachen zwei Offenbacher Unternehmer hervor, Johann Conrad Geiß und Alfred Richard Seebaß. Johann Conrad Geiß wurde als »treibende Kraft, speziell bei der Einführung gußeisernen Schmuckes« gesehen.

Der Eisenkunstguss aus der Werkstatt Alfred Richard Seebaß gilt als gießereitechnische Höchstleistung. Trotzdem verdrängte der Wettbewerb Mitte des 19. Jahrhunderts den schlichten, patriotisch inspirierten Schmuck und ersetzte das Eisen durch die prunkvolleren Edelmetalle Gold und Silber.