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Im 18. Jahrhundert hat sich im gesellschaftlichen Leben Offenbachs viel getan. Im Jahre 1700 zählte die Stadt 800 Einwohner und 100 Jahre später (1800) waren es bereits etwa 6.000 Einwohner. Neben der ursprünglich bäuerlichen Bevölkerung hatte sich langsam ein Bürgertum entwickelt.
Die Herrnstraße im 19. Jahrhundert
Die Herrnstraße im 19. Jahrhundert © Stadt Offenbach

Handwerker und Unternehmer bildeten eine neue Bevölkerungsstruktur. Die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs ging einher mit einer kulturellen Blütezeit in Offenbach. An dieser Entwicklung waren die befreundeten Häuser der André, Bernard und d’Orville, die ein gebildetes, musisch hervortretendes Bürgertum vertraten, maßgeblich beteiligt.

Peter Bernard, Mitinhaber der Firma Gebrüder Bernard, unterhielt sogar eine eigene Musikkapelle. Vierzehn Maskenbälle in jedem Winter betonten das Offenbacher Lebensgefühl.

Offenbachs Ruf als Ort der Musik wurde durch den Notenverlag Johann Andrés unterstrichen, aber auch den Dichter und Schriftsteller Johann Wolfgang Goethe verbanden zahlreiche freundschaftliche Bände mit Offenbach. So begehrte der vierzehnjährige, frühreife Dichterjüngling 1764 seine Aufnahme in den literarischen Geheimclub »Arcadische Gesellschaft zu Phylandria«, dem der siebzehnjährige Ernst Carl Ludwig Ysenburg von Buri vorstand. Goethes Aufnahme wurde jedoch durch Intrigen vereitelt, in welchen auch der spätere Offenbacher Musikverleger Johann André eine Rolle spielte.

Im Jahre 1775 kam Goethe oft nach Offenbach, um der 17jährigen Bankierstochter Elisabeth »Lili« Schönemann ungezwungen nahe zu sein. In der Sommerzeit lebte sie bei ihren Verwandten, ihre Mutter war eine geborene d’Orville, in der Offenbacher Herrnstraße. Goethe nahm die Gastfreundschaft des im Haus gegenüber wohnenden Johann André in Anspruch und quartierte sich bei ihm ein. Die Liebesgeschichte zwischen Goethe und Lili fand jedoch ein jähes Ende, denn Goethe reiste überraschend und ohne Abschied zu nehmen in die Schweiz ab. Nach seiner Rückkehr im Herbst ging das Verlöbnis zu Bruch.

Goethe, der seit 1775 in Weimar lebte, kam im August 1797 wieder nach Offenbach und besuchte die Schriftstellerin Sophie von La Roche in der Domstraße. Offenbachs Wesen als liberale und kultivierte Stadt tratt in dieser Epoche klar zutage.

Die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert brachte das Ende der »klassischen Epoche« Offenbachs. Ursache hierfür waren einerseits die Napoleonischen Kriege, die sich auf Handel und Gewerbe negativ auswirkten, andererseits veränderte Offenbach seinen Charakter. Für viele Unternehmer war Offenbach im Vergleich zur industriefeindlichen Handelsstadt Frankfurt der attraktivere Standort. Die ehemals fürstliche Residenz entwickelte sich zur Industriestadt.