Wiederentdeckung im Schatten der Geschichte: „Eine Frau wie Du“ (1939) und das tragische Schicksal des Ufa-Stars Joachim Gottschalk
Am Freitag, 23. Oktober 2026, um 15 Uhr, präsentiert Filmhistorikerin Dr. Rosemarie Killius im Haus der Stadtgeschichte ein besonderes Stück deutscher Filmgeschichte: Viktor Tourjanskys melodramatisches Werk „Eine Frau wie Du“ aus dem Jahr 1939.
In den Hauptrollen glänzen die Publikumslieblinge Brigitte Horney und Joachim Gottschalk. Doch hinter dem scheinbaren Glanz dieser Ufa-Romanze verbirgt sich eine der erschütterndsten menschlichen Tragödien der deutschen Kinogeschichte. Die Aufführung nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise, die untrennbar mit dem grausamen Verfolgungsapparat des Nationalsozialismus verknüpft ist.
In „Eine Frau wie Du“ spielt Brigitte Horney die emanzipierte Fabrik-Sozialarbeiterin Dr. Maria Pretorius, die sich ganz ihrer Karriere verschrieben hat, bis sie auf den beharrlichen Rechtsanwalt Dr. Manfred Thiele – gespielt von Joachim Gottschalk – trifft. Der Film, der im Oktober 1939 kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs seine Premiere feierte, besticht durch seine für damalige Verhältnisse moderne Inszenierung und die intensive Chemie des Leinwandpaares Horney/Gottschalk.
Joachim Gottschalk, geboren 1904, galt als einer der vielversprechendsten und beliebtesten romantischen Hauptdarsteller des deutschen Kinos der späten 1930er Jahre. Seine Karriere schien unaufhaltsam – bis die Rassenideologie der Nationalsozialisten sein Leben radikal bedrohte.
Bereits seit 1930 war Gottschalk mit der jüdischen Schauspielerin Meta Wolff verheiratet; 1933 wurde der gemeinsame Sohn Michael geboren. Trotz des enormen Drucks der Reichskulturkammer und expliziter Forderungen von Propagandaminister Joseph Goebbels weigerte sich Gottschalk standhaft, sich von seiner jüdischen Ehefrau scheiden zu lassen, um seine Karriere zu retten. Als er im April 1941 seine Frau trotz Verbots zu einer Filmpremiere ausführte, eskalierte der Konflikt mit dem Regime. Es folgte ein schrittweise verhängtes Berufs- und Auftrittsverbot.
Im Spätherbst 1941 zog sich die Schlinge endgültig zu: Die Deportation von Meta und dem achtjährigen Michael in ein Konzentrationslager stand unmittelbar bevor. Er selbst sollte zur Wehrmacht eingezogen werden. Da Joachim Gottschalk keinen Ausweg mehr sah, um seine Familie vor der Vernichtung zu schützen, traf das Paar im November 1941 eine verzweifelte Entscheidung.
In der Nacht vom 5. auf den 6. November 1941 nahmen Joachim und Meta Gottschalk gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Schlaftabletten und drehten in ihrer Berliner Wohnung im Grunewald den Gashahn auf. Goebbels ordnete unmittelbar danach ein striktes Totschweigen an; die Presse durfte nicht über den Suizid des gefeierten Stars berichten. Trotz des Verbots erschienen zur Beerdigung zahlreiche mutige Kollegen, darunter auch Gottschalks Filmpartnerin Brigitte Horney.
Die Aufführung von „Eine Frau wie Du“ ist daher weit mehr als ein historischer Kinobesuch. Sie ist ein Akt des Erinnerns an einen großen Künstler, der den moralischen Kompromiss mit einer mörderischen Diktatur verweigerte und die Liebe zu seiner Familie mit dem Leben bezahlte.
Im Anschluss an den Film, der durch einen Vortrag eingeleitet wird, lädt Dr. Rosemarie Killius zu einem Publikumsgespräch ein, um die zeithistorischen Hintergründe und das Schicksal der Familie Gottschalk tiefer zu beleuchten.
Für die Möglichkeit zur Aufführung danken wir der Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung.
