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Grafik der Treibhausgasemissionen in der Stadt Offenbach am Main
Grafik der Treibhausgasemissionen in der Stadt Offenbach am Main © Stadt Offenbach

Die Ergebnisse der dritten Fortschreibung der Offenbacher Energie- und Treibhausgasbilanz für die Jahre 2014-2016 liegen vor. „Sie sind wie bereits die Ergebnisse des Vorgängerberichtes zugleich positiv wie auch ernüchternd“, berichtete Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß in einer Pressekonferenz am 31. Juli im Rathaus. „Das Ziel, die Treibhausgas-Emissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu senken, hat die Stadt Offenbach zwar erneut erreicht. Dies ist aber im Wesentlichen der Schließung von Produktionsanlagen auf dem Allessa-Gelände zu verdanken.“ Betrachte man nur die Entwicklung ab 2012, also nach Stilllegung der Chemieproduktion, wurde das Ziel 2016 knapp verfehlt, so Weiß weiter. Die Stadt Offenbach hatte sich mit dem Beitritt zum Klima-Bündnis im Jahr 1998 verpflichtet, den CO2-Ausstoß alle 5 Jahre um 10 % zu senken.

„Die Herausforderungen sind seit der ersten Energiebilanz 2005 aufgrund der rasanten Stadtentwicklung und der damit einhergehenden Zunahme von Wohn- und Gewerbeflächen gewachsen und eine Abschwächung dieses Trends nicht in Sicht“, sagte Weiß. Erfolge konnten indes bei der Senkung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen unter anderem bei den privaten Haushalten, bei den städtischen Liegenschaften und der Straßenbeleuchtung verzeichnet werden. „Diese reichen jedoch nicht aus, um langfristig dem gesamtstädtischen Klimaschutzziel zu genügen“, so Weiß. „Wir alle, die Stadt und ihre Unternehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger, müssen uns deshalb noch mehr anstrengen, die Treibhausgasemissionen weiter zu senken, um unseren lokalen Beitrag gegen die Klimaerwärmung zu leisten.“

Die wichtigsten Ergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse stellte Sabine Swoboda, verantwortliche Fachreferentin für die Treibhausgasbilanzierung, vor:

Das Ziel, innerhalb des Zeitraums 2005-2016 die CO2-Emissionen um gut 20 Prozent zu senken, wurde deutlich übererfüllt. Die Emissionen haben sich um 30 Prozent absolut (von 1.313.717 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr auf 923.117 Tonnen/Jahr), die Pro-Kopf-Emissionen aufgrund gestiegener Einwohnerzahlen sogar um 38 Prozent reduziert (von 11,1 t/a auf 6,9 t/a je Einwohner).

Rechnet man jedoch den Effekt der Schließung chemischer Produktionsanlagen auf dem Allessa-Gelände heraus – hier hat zwischen 2005 und 2010 der Energieverbrauch um 96 Prozent abgenommen – wurde das Minderungsziel seit 2012 knapp verfehlt. Die Treibhausgasreduktion beträgt seitdem nur noch 7 Prozent.

„Wir haben insbesondere zwei große Handlungsfelder zu bearbeiten: den Mischungsfaktor in den Heizkraftwerken bei den Brennmaterialien verändern und die kommunalen Mobilitätsleistungen auf die gestiegenen Anforderungen einstellen und umstellen“, lautete die Schlussfolgerung von Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz. „Der von 40 % auf 46 % gestiegene Anteil des Stromverbrauchs aus lokal erzeugtem Strom wirkt sich negativ auf die Emissionsbilanz aus. Der lokale Emissionsfaktor der beiden Heizkraftwerke benötigt eine Optimierung der Zusammensetzung des zu verbrennenden Materials, das ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Zukunft. Die kommunale Klimaschutzpolitik muss hier zur Einhaltung des CO2-Senkungszieles dringend Maßnahmen zur Dekarbonisierung und Optimierung der Wirkungsgrade ergreifen.“

Die verkehrsbedingten Emissionen stagnieren insgesamt und sind vor allem auf den motorisierten Individualverkehr (MIV) zurückzuführen. „Bei keiner Kategorie sind in den vergangenen zehn Jahren deutliche Trends zu erkennen, die über zufällige jährliche Schwankungen hinausgehen“, so Hollerbach. „Hier müssen in Offenbach aufgrund des zu erwartenden Anstieges des Verkehrsaufkommens durch die Bevölkerungszunahme – zwischenzeitlich hat Offenbach rund 136.000 Einwohner – erhebliche Herausforderungen gemeistert werden.“

Hollerbach geht davon aus, dass die Maßnahmen zur Luftreinhaltung und Lärmaktionsplanung einen positiven Effekt auf das Ziel, die CO2-Emissionen zu senken, haben werden. Sie denkt an Maßnahmen zur Reduzierung des Individualverkehrs, den Ausbau der Elektromobilität und das Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehre. „Richtungsweisend ist auch die Verknüpfung mit den Maßnahmen aus einem anderen Handlungskonzept, der Klimaanpassungsstrategie. Diese sind hilfreich, weil zum Beispiel eine Sanierung von Gebäuden nur einmal finanziert werden muss, etwa durch die Kombination von Hitzeschutz mit Wärmeschutz“, so Hollerbach. „Der Erfolg ist eine bessere Lebensqualität für die Bewohner der Stadt, die auch von geringeren Energiekosten im Winter profitieren.“

Insgesamt ist bis 2016 eine Entwicklung hin zu mehr Energieeffizienz nur in Teilsegmenten zu erkennen, wie Sabine Swoboda darlegte:

  • Im Bereich der privaten Haushalte ist der witterungsbereinigte Heizenergieverbrauch im Vergleich zu 2005 zwar lediglich um 2 % und der Prozess-Stromverbrauch um 6 % zurückgegangen. Dies ist insofern als Erfolg zu werten, als dem eine Steigerung der Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum um 13 % gegenüber steht. Vor diesem Hintergrund beträgt der Rückgang des spezifischen Gesamtverbrauchs von 2005 bis 2016 etwa 13 % (je Einwohner) bzw. 9 % (je m² Wohnfläche).
  • Bei den städtischen Gebäuden zeigen die in den vergangenen Jahren durchgeführten Sanierungsmaßnahmen Wirkung: Die Emissionen insgesamt (Strom und Heizenergie) sind von 2005-2016 um gut ein Viertel gesunken. Verantwortlich hierfür sind der stark gesunkene Heizenergieverbrauch und die Umstellung einzelner Heizsysteme, zum Beispiel auf Holzpellets. Der Stromverbrauch jedoch ist seit 2005 insgesamt um gut 20 % gestiegen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren dieser Trend umgekehrt hat, zwischen 2013 und 2016 sank der Stromverbrauch insgesamt um 8 %, besteht dringender Handlungsbedarf für Stromsparmaßnahmen im kommunalen Gebäudesektor.
  • Bei der Straßenbeleuchtung ist ab 2011 deutlich die Wirkung der Umrüstung auf energiesparende LED-Beleuchtung feststellbar: Der Stromverbrauch ist zwischen 2010 und 2016 um 30 % zurückgegangen.
  • Der in Offenbach erzeugte Strom produziert deutlich mehr Treibhausgasemissionen als im deutschen Durchschnitt (im Jahr 2016 1070 g/kWh gegenüber 600 g/kWh im Bundesmix). Ähnlich sieht es mit der Fernwärme aus, die mit 317 g/kWh über dem deutschen Durchschnitt von 266 g/kWh liegt und in Bezug auf die Treibhausgasemissionen schlechter abschneidet als ein moderner Erdgaskessel. Ursächlich hierfür sind vor allem der hohe Anteil der Kohleverbrennung im EVO-Kraftwerk und geringe Anteile erneuerbarer Energien an der Erzeugungsstruktur.

Schlussfolgerungen

Die aktuell vorliegende Treibhausgasbilanz hat den Trend, der sich mit der vorherigen Bilanz bis 2013 abzeichnete, bestätigt, so Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß: „Die auf Basis des Integrierten Klimaschutzkonzepts eingeleiteten Maßnahmen müssen konsequent fortgeführt und weiter ausgebaut werden, um zukünftig die gesetzten Klimaschutzziele erreichen zu können.“ Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund des geplanten weiteren Wachstums der Stadt, der zusätzliche Wohn- und Gewerbeflächen und damit auch einen Anstieg des Verkehrs bringen wird. „Unser Engagement für die nächsten Jahre gilt daher den stadteigenen Liegenschaften, der klimaeffizienten Energieerzeugung in den EVO-Kraftwerken, der energieeffizienten Stadtentwicklung und Altbausanierung sowie verkehrsreduzierenden und -vermeidenden Maßnahmen, damit wir unserem selbstgesteckten Ziel wieder näher kommen.“

Treibhausgasemissionen Offenbacher Grundschulen
Treibhausgasemissionen Offenbacher Grundschulen © Stadt Offenbach

Hintergrund

Als Klimabündnismitglied hat sich die Stadt Offenbach dazu verpflichtet, alle fünf Jahre 10 % der CO2-Emissionen einzusparen. Mit der Verabschiedung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes durch die Stadtverordnetenversammlung im Jahr 2010 wurden messbare Klimaschutzziele, ein handlungsorientierter Maßnahmenplan sowie die Fortschreibung und Evaluierung des Klimaschutzprogramms verbindlich festgelegt.

Anhand der vorgelegten Bilanzierung der Energieverbräuche und Treibhausgas-Emissionen in Offenbach für den Zeitraum 2005-2016 werden Entwicklungstendenzen aufgezeigt, durchgeführte Maßnahmen mit direkter Energieeinsparwirkung auf ihre Wirksamkeit überprüft (in der Regel bauliche Maßnahmen) sowie akute Handlungsnotwendigkeiten definiert.

Methodik

Basis der kommunalen Treibhausgas-Bilanzierung in Offenbach ist die Erhebung der Energieverbräuche innerhalb der Kommune. Die Daten stammen im Wesentlichen vom Energieversorger beziehungsweise Netzbetreiber, was die leitungsgebundenen Energieträger Strom, Gas und Fernwärme angeht, sowie aus der Anlagenstatistik der Schornsteinfeger für Heizöl und feste Brennstoffe wie Holz. Ergänzend dazu erfolgt eine Auswertung der Energieverbräuche der städtischen Liegenschaften sowie der kommunalen Infrastruktur wie Straßenbeleuchtung und Abwasserpumpen.

Die Bilanzierung des Verkehrssektors wurde im Vergleich zu den Vorgängerbilanzen vollständig auf das Territorialprinzip umgestellt, das heißt es werden die verkehrsbedingten Emissionen berücksichtigt, die auf dem Stadtgebiet Offenbachs entstehen. Hierzu stellt das Bilanzierungstool ECORegion entsprechende fertig aufbereitete Daten bereit, die für Offenbach mit Daten des städtischen Verkehrsmodells sowie dem tatsächlichen Treibstoffverbrauch der Busflotte modifiziert wurden. Emissionen des Flugverkehrs sind damit im Gegensatz zu früheren Bilanzen, die den Verkehr überwiegend „verursacherbezogen“ ermittelt haben, nicht mehr enthalten.

Aus den Energieverbrauchszahlen werden mittels Treibhausgasemissionsfaktoren die energiebedingten Treibhausgasemissionen nach dem Primärenergieprinzip berechnet. In diese Emissionsfaktoren gehen bei Strom und Fernwärme auch die Produktionsbedingungen der lokalen Anlagen ein, insbesondere das Heizkraftwerk und das Müllheizkraftwerk der EVO AG sowie lokale Stromeinspeisungen aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaikanlagen und das Wasserkraftwerk der Staustufe.

Offenbach, 1. August 2018

Straßenverkehr
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