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Einleitung


Auf einer Pressekonferenz am 14.06.2011 stellten Prof. Dr. Lutz Katzschner von der Uni Kassel und Bürgermeisterin Birgit Simon die im Auftrag des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz erstellte Klimafunktionskarte für Offenbach der Öffentlichkeit vor. Diese Analyse soll dazu beitragen, künftig lokalklimatische Aspekte stärker in den räumlichen Planungen der Stadt zu berücksichtigen.

Angesichts des stattfindenden Klimawandels spielen Fragen zur thermischen Aufent­haltsqualität und der Versorgung mit Frischluft in unseren Städten eine zunehmende Bedeutung. Mit der vorliegenden Klimafunktionskarte wurde eine Grundlage geschaffen, auf aktueller Datenbasis den Themenkomplex Lokalklima frühzeitig in stadtplane­rische Überlegungen einzubinden. Diese dient auf einer großräumigen Maßstabs­ebene als erste Orientierung, um Problem- und Gunsträume zu identi­fizieren.

Für eine Entwicklung hin zur zukunftsfähigen Stadt müssen im Hinblick auf das Lokalklima folgende Fragestellungen beantwortet werden:

  • Wie können Planer und Architekten Klimaaspekte in ihre räumliche Planung integri­eren?
  • Welche Maßnahmen sind wo sinnvoll?
  • Welche "Luftleitbahnen" sollten unbedingt freigehalten werden, damit in den stark verdichteten Stadtteilen nachts noch ausreichende Abkühlung stattfindet?

In dicht bebauten Städten wird sich der Klimawandel stärker auswirken als auf dem freien Land. Die Zahl der heißen Tage mit Höchstwerten über 30 Grad und der sogenannten Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad absinkt, wird zunehmen. Die vorliegende Klimafunktionskarte identifiziert u.a. die besonders vom städtischen Wärmeinseleffekt betroffenen Teile des Stadtgebietes und zeigt somit auf, wo besonderer Handlungsbedarf besteht. Neben diesen als „Überwär­mungs­zonen“ bezeichneten Bereichen sind wichtige Luftleitbahnen für den Luftaus­tausch dargestellt. Die Bewertung bezieht sich auf den Menschen vor dem Hintergrund seines Wärmeempfindens. So lassen sich belastende und entlastende Faktoren trennen.

Datengrundlage waren neben Informationen aus vorangegangenen Untersuchungen die aktuellen Gebäude- und Landnutzungsdaten der Stadt Offenbach, die mit Hilfe eines geographischen Informationssystems rechnerisch miteinander in Beziehung gesetzt wurden. Als Ergebnis wird der thermische (Hitze) und dynamische (Belüftung) Aspekt des Stadtklimas bestimmt und bewertet.

Die Analyse berücksichtigt neben dem aktuellen Bebauungsstand und den Nutzungs­­strukturen auch wichtige geplante bauliche Veränderungen. Die digitale Aufarbeitung ermöglicht es, den neuesten Stand der Stadtklimaforschung zu integrieren und in Zukunft die Veränderungen im Stadtgebiet immer zeitnah einzuarbeiten. In der Bewertung wurden die aktuellen Erkenntnisse rund um den Themenbereich „Klimawandel“ (Hitzestress) mit berücksichtigt. Somit verfügen die Stadtverwaltung und die mit ihr in den Planungsprozessen in Verbindung stehenden Planungs- und Architekturbüros jetzt über eine aktuelle Planungsgrundlage zum Stadtklima. Der gewählte Betrachtungsmaßstab entspricht dem der vorbereitenden Bauleitplanung, also dem Flächennutzungsplan.

Ergebnisse

Überwärmungsgebiete

Überwärmungsgebiete weisen thermisch und lufthygienisch hohe bis sehr hohe Defizite auf und stellen somit Gefährdungsbereiche für Hitzestress dar. In Offenbach sind hiervon die dichtbesiedelten inner­städti­schen Bereiche nördlich und südlich der Bahnlinie sowie die mit großflächigen Gebäu­den bebauten Gewerbegebiete im Kaiserlei, entlang der Sprendlinger Land­straße, Mühlheimer Straße und in Waldhof betroffen.

Ein hoher Versiegelungsgrad und Bebauungsstrukturen mit großen Baumassen führen zu einer verstärk­ten Aufheizung am Tag und einer reduzierten nächtli­chen Abkühlung, einhergehend mit einer beschränkten Durchlüftung aufgrund der erhöhten Rauigkeit.

Während im Einflussbereich des Mains nördlich der Bahnlinie (Teilbereich A, s. Karte) bei Schwachwindlagen noch eine regionale Strömung aus nordöstlicher Richtung (Wetterauwind, Maintalwind) zum Tragen kommt, welche die Überwärmung abschwächt, fehlt im Bereich südwestlich der Bahnlinie (Teilbereich B) ein solcher wirksamer Regionalwindeinfluss. Hier ist es also besonders wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, die die Überwärmung verringern.

Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete

Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete sind Flächen mit hoher nächtlicher Abkühlung – vornehmlich Grünland, aber auch Ackerflächen und Brachen – sowie frischluftpro­du­zie­rende Flächen, wozu große, zusammenhängende Waldflächen zählen.

In Offenbach befinden sich die wichtigen Kaltluftentstehungsgebiete in den Offen­land­­bereichen des Bürgel-Rumpenheimer Mainbogens sowie den Offenlandberei­chen nördlich und südlich des Ortsteils Bieber. Die großen Waldflächen im Süden Offenbachs bilden ein wichtiges Frischluft­ent­stehungs­gebiet. Die nächtliche Abkühlung ist hier zwar nicht so groß wie in den Offenlandbereichen, trotzdem stellen die Waldgebiete aufgrund ihrer geringen Aufheizung tagsüber und der Produktion emissionsarmer Luft bedeutende Aus­gleichs­­­räume dar. Die südwestliche Anströmungsrichtung begünstigt einen Luftaustausch in den nördlich angrenzenden, bebauten Bereichen (Teilbereich D).

Kleinere Bereiche mit Bedeutung für die kleinräumige Versorgung der Umfelds mit Frischluft befinden sich auf der Achse Schneckenberg – Leonhardt-Eißnert-Park – Amerikawäldchen – Buchhügel.

Misch- und Übergangsklimate

Bei den Flächen mit Misch- und Übergangsklimaten handelt es sich i.d.R. um gering bebaute Bereiche mit hohem Vegetationsanteil wie z.B. Kleingartengebiete und Fried­höfe (z.B. Alter Friedhof), aber auch innerstädtische Parks wie der Büsingpark, Dreieichpark, Martin-Luther-Park, Friedrichsweiher und der Park am Hessenring. In den größeren Arealen wie den Kleingartengebieten kann eine lokale Zirkulation in Gang gesetzt werden, die auch zur Durchlüftung der Nachbarbereiche beiträgt. Innerstädtische Parks sind zwar meist zu klein, um eine Luftzirkulation zu bewirken, die bis in die benachbarten Wohngebiete hineinreicht, stellen jedoch für die Bevölke­rung wichtige wohnortnahe Flächen dar, die an Hitzetagen als relativ kühle Aufent­halts­bereiche aufgesucht werden können.

Handlungsoptionen


In den Überwärmungsgebieten gilt es, zusätzliche Wärmefaktoren zu vermeiden und Maßnahmen einzuleiten, die der Überwärmung entgegenwirken. Dies sind u.a.:

  • Vermeidung weiterer baulicher Verdichtung
  • Verstärkung der Durchgrünung (Bäume pflanzen, begrünte Freiflächen schaffen)
  • Installation künstlicher Verschattungselemente, falls Bäume nicht möglich sind
  • Freihalten vorhandener Luftleitbah­nen auch im Zuge von Neubauten durch Beachtung von Geschoss­höhen, Gebäudeausrichtung und Gebäudedichte 

Die Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiete sollen grundsätzlich von jeglicher Bebauung freigehalten werden.

In den anschließenden Bereichen mit Übergangs­klimaten sind Aufwertungsmaß­nahmen empfehlenswert, z.B. durch

  • Schaffung offener Grünlandflächen, die vorhandene Grünflächen vernetzen und somit das klimatische Ausgleichspotenzial vergrößern
  • Offenhalten von Austauschbeziehungen zwischen Frischluft- und Überwärmungs­ge­­bie­­ten
  • Anpassung von Bebauungen an die Ventilationsrichtung sowie Einhaltung einer porösen Bebauungsstruktur mit niedrigen Geschosszahlen  

Für die genauere Betrachtung von Teilräumen und der Ermittlung konkreter Maßnah­men zur Verbesserung des Stadtklimas ist es aufgrund der Komplexität des Stadtkli­mas notwendig, im Bedarfsfall Detailuntersuchungen zu erstellen. Aktuell hat das Amt für Umwelt, Energie und Mobilität eine mikroklimatische Analyse des Stadthofs beauftragt, deren Ergebnisse in die Planungen zum Umbau des Stadthofs einfließen.

Kosten


Das Auftragsvolumen für die vorliegende Untersuchung beläuft sich auf knapp 15.000,00 € und wurde aus dem Haushalt des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz gedeckt.

Die Klimafunktionskarte als Download

Klimafunktionskarte Offenbach
© Stadt Offenbach