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Das Stadtklima ist ein gegenüber dem Umland verändertes Lokalklima. Hauptmerkmal ist eine höhere Durchschnittstemperatur, weshalb man Städte auch als „Wärmeinseln“ bezeich­net. Weitere Eigenschaften sind eine im Mittel geringere Windgeschwindigkeit (als Besonder­heit können jedoch gerade in Hochhausschluchten Düseneffekte mit starken Strömungen auftreten), eine geringere Luftfeuchtigkeit sowie höhere Schadstoffkonzentratio­nen der Luft.

Verantwortlich dafür sind in erster Linie die dichte Bebauung, der hohe Versiegelungs­grad,  ein geringerer Vegetationsbestand sowie eine höhere Zahl von Emissionsquellen, wie z.B. Automotoren, Hausbrand (Heizungen) und den Verbrennungsanlagen von Industrie und Gewerbebetrieben.

Gebäude, Straßen und Plätze heizen sich tagsüber stärker auf als z.B. Wiesen und Wälder, nachts kühlt es aufgrund der Wärmespeicherung der Steine weniger ab. Städte sind im Jahres­mittel um 1 bis 2 Grad wärmer als die sie umgebende Landschaft. Besonders groß können die Temperaturunter­schie­de in sog. „Strahlungsnächten“ (d.h. wolkenlos und windstill) sein. Vergleicht man die aktuelle Temperatur in- und außerhalb der Stadt an einem wolkenlosen, windstillen Sommertag oder -nacht, kann der Temperaturunterschied in Millionenstädten sogar über 10 Grad betragen.

Die verschiedenen Bodenoberflächen erwärmen sich bei windschwachem Wetter an wolkenlosen Sommertagen unterschiedlich. Während beispielsweise Asphalt 80% bis 90% der einfallenden Strahlung absorbiert, beträgt dieser Anteil bei einer weißen Mauer nur 20% bis 35%. Ergebnisse von Temperaturmessungen schwanken zwischen weniger als 30°C und fast 50°C [2].

In hochsommerlichen Hitzeperioden führt das Stadtklima zu einer besonderen Belastung und zum Teil gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Bewohner. Aber auch die Vegetation ist betroffen, und insbesondere Stadtbäume, die ohnehin meist wenig Wurzelraum und Zugang zu Wasser haben, leiden an Trockenstress.

Für die Stadtbewohner ist es umso wichtiger, kühle Aufenthaltsorte in erreichbarer Nähe zu haben, z.B. Parks mit großem Baumbestand, schattige Arkaden, größere Wasserflächen oder ein nahegelegener Wald.

Ein bedeutendes Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet für die Stadt Offenbach ist der Bürgel-Rumpenheimer Mainbogen. Auf den weitläufigen Wiesen- und Ackerflächen kann sich die tagsüber aufgewärmte Luft nachts gut abkühlen. Während wolkenfreier und windarmer Hochsommerperioden stellt sich östlich von Frankfurt typischerweise ein schwacher Regionalwind aus nordöstlicher Richtung ein, der nachts zur Abkühlung der Städte beiträgt. Der Main spielt dabei eine wichtige Rolle als Luftleitbahn.

Wie wirkt der Klimawandel auf das Stadtklima?

Wie im Umland auch, ist von einer Erhöhung der Durchschnittstemperaturen auszugehen. Sogenannte „Extremereignissen“, die zukünftig häufiger auftreten, wie z.B. langanhaltende Hitzeperioden und Trockenheit, Stürme und Starkregen stellen eine Herausforderung für Stadtbewohner und Infrastruktur dar. (Überflutung von Straßen, Überlastung Kanalnetz, Schäden an Bauwerken, …)

Was können wir tun, um die sich verschärfenden negativen Aspekte des Stadtklimas abzumildern?

Stadtplanung:

Bei der Entwicklung und Umstrukturierung von Städten Grünbestände generell schützen, Freiflächen wie z.B. Parks erhalten und zusätzliche herstellen, Straßenbäume pflanzen, in Bebauungsplänen auf für private Grundstücke Grünflächen und Bäume einfordern.

Jeder Hausbesitzer:

Dach und Fassaden begrünen, Innenhöfe und Gärten entsiegeln (z.B. Wiese statt Pflaster), Bäume pflanzen bzw. erhalten.

Quellen: 

[1] Städtebauliche Klimafibel Online, © Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz Stuttgart
[2] Lorenz D. (1973): Meteorologische Probleme bei der Stadtplanung. FBW Blätter, Folge 5, Stuttgart
[3] Kommunen im Klimawandel – Wege zur Anpassung. Handlungsleitfaden zur Klimaanpassung; entstanden im Rahmen des Modellvorhabens der Raumordnung zur Klimaanpassung in Mittel- und Südhessen (MORO KLAMIS) (2011)
[4] Wikipedia: Stadtklima (Stand 19.12.2011)