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In der letzten Sitzung des Jahres 2020 beschlossen die Stadtverordneten Offenbachs nahezu einstimmig das neue Klimakonzept Offenbach 2035.
Titelblatt Klimakonzept 2035
© Titelblatt: ZinCo GmbH, Stadt Offenbach

Paul-Gerhard Weiß, Umweltdezernent: „Damit orientiert sich die Stadt an einem klaren Fahrplan, um das übergeordnete Klimaziel des Pariser Abkommens, die Erderwärmung auf max. 2 Grad Celsius – besser 1,5 Grad Celsius – zu begrenzen, einzuhalten. In Offenbach heißt das, dass die lokalen Emissionen von derzeit ca. 7 Tonnen CO2- Äquivalente pro Person und pro Jahr alle 5 Jahre um eine Tonne verringert werden sollen. Gelingt das, liegen die Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2035 bereits unter 4 Tonnen pro Person und bis zum Jahr 2050 ist Offenbach klimaneutral. Es werden dann also maximal noch so viele Treibhausgase verursacht, wie bspw. durch Waldaufforstung, auch gebunden werden können.

Das Klimakonzept 2035 bündelt die Maßnahmen von Klimaschutz und Klimawandel. Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz: „Um auf die negativen Auswirkungen des Klimawandels, wie Hitze, Trockenheit und Starkregen präventiv gut vorbereitet zu sein, werden wir die Synergien ausschöpfen. Unser Geld können wir nur einmal ausgeben, also machen wir Klimaschutz und Klimaanpassung zusammen. Eine Dämmung gegen Kälte kann – wenn sie richtig gemacht ist – auch gegen Hitze schützen. Und unsere Infrastruktur muss sich gegen Überflutung schützen, dazu brauchen wir jeden Einzelnen beim Mitdenken, der hier betroffen ist.“

CO2-Absenkpfad für Offenbach am Main
© Stadt Offenbach

Der Begriff Klimaanpassung, lässt den Gedanken zu, dass sich die Menschheit bereits mit dem Schicksal des Klimawandels abgefunden hat und sich nun auf die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet. Ganz so einfach ist es jedoch nicht! Es wäre für den Klimaschutz fatal, die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels nicht mit in der Planung zu berücksichtigen. Neu gepflanzte Stadtbäume müssen bspw. resistenter gegenüber Hitze und Trockenheit sein als herkömmliche Arten damit sie überleben. Erst dann können sie Schatten spenden und CO2 speichern. Gebäude müssen so gebaut werden, dass sie nicht überhitzen und schließlich stromfressende Klimaanlagen benötigen. Klimaschutz und Klimaanpassung geht also häufig Hand in Hand.

Für den Klimaetat sind insgesamt bis 2035 6,7 Million Euro geplant, ohne investive Kosten für Gebäude.

Im Klimakonzept sind die Maßnahmen in 9 Handlungsfelder aufgeteilt:

  • Strategisches Management,
  • Öffentlichkeitsarbeit und Bildung,
  • Stadtentwicklung,
  • Gebäude und Infrastruktur,
  • Energie und Wirtschaft,
  • Mobilität,
  • Gesundheit und Soziales,
  • Wasser und Boden sowie
  • Biodiversität und Grünflächen.

Je nach den örtlichen Begebenheiten, wie der lokalen Energieerzeugung, dem Baubestand oder auch dem Verkehrssystem, ergeben sich verschiedene Möglichkeiten um Emissionen in Städten zu verringern. Zusammen mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren aus der Stadtverwaltung, dem Stadtkonzern, der Wissenschaft sowie mit den Offenbacher Bürgerinnen und Bürgern ist das Klimakonzept 2035 entstanden.

Das Konzept ebnet u.a. den Weg für eine nachhaltige Stärkung des ÖPNV, es sieht Sanierungen im Baubestand vor sowie Regelungen für Neubauten, es beinhaltet Maßnahmen zur Umweltbildung, einen Hitzeaktionsplan, um gut auf besonders heiße Tage vorbereitet zu sein sowie Maßnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien in Offenbach.

Wie haben sich die CO2-Emissionen bis zum jetzigen Zeitpunkt in Offenbach entwickelt?

Der Blick auf die Entwicklung der CO2- Emissionen der Stadt Offenbach in den letzten 10 Jahren, in denen das bisherige Klimaschutzkonzept umgesetzt wurde, sieht zunächst recht positiv aus. Die Emissionen haben sich seit dem Jahr 2005, in dem die erste Offenbacher CO2- Bilanz veröffentlicht wurde, bis zum Jahr 2019 von ca. 11,6 auf 6,4 Tonnen pro Jahr verringert. Ein großer Teil des Wegfalls der Emissionen ist u.a. auf die Schließung der Werke der Allessa GmbH (später Clariant) im Jahr 2009 zurückzuführen. Das enorme Bevölkerungswachstum der Stadt in den letzten Jahren hat auch dazu beigetragen, dass die Emissionen pro Kopf zunächst sinken. Bereits für dieses Jahr und auch für die kommenden Jahre, werden durch die Ansiedelung neuer Gewerbedienstleister und Rechenzentren jedoch bereits höhere CO2-Ausstöße erwartet. 

Was sind CO2- Äquivalente?

Neben dem Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) gibt es noch andere Gase, die schädlich für unser Klima sind, z.B. Methan, welches in der Landwirtschaft ausgestoßen wird. Methan ist sogar mehr als 20 mal klimaschädlicher als CO2. Es wird allerdings in wesentlich geringerem Maße ausgestoßen. Um alle Treibhausgasemissionen mit einem Wert erfassen zu können, wird die Wirkung der anderen Treibhausgase also mit der vergleichbaren Menge CO2 angegeben und die Gesamtheit der Treibhausgasemissionen werden schließlich in CO2- Äquivalente ausgedrückt.

Heike Hollerbach: „Wir werden nur dann klimaneutral, wenn wir unsere Lebensweise anpassen und verantwortungsvoll handeln. Das ist unser Ziel.“