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60 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Infrastruktur, Unternehmen, Handwerk, Verkehr und Umwelt, Kommunen, Planungsbüros, Gewerbe, Öffentlichkeitsarbeit sowie aus Politik und Forschung stellten sich am Dienstag, 22.09.2015 in der Klimakonferenz 2015 den Herausforderungen des Klimawandels.

Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Schneider: “Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf Gewässer, Böden, Atmosphäre, Menschen und Tiere ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Klimaschutz und Klimaanpassungsstrategien beginnen lokal in der Stadt, in der wir leben, hier können wir Einfluss nehmen und unserer Zukunft gestalten. Der Förderbescheid zur Umsetzung einer Klimaanpassungsstrategie ist als Zuwendungsbescheides da! Wir werden im nächsten Jahr eine solche Strategie unter Beteiligung möglichst vieler relevanter Akteure erarbeiten. Fördergeber ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Förderzeitraum ist von Februar 2016 bis Januar 2017, die Projektkosten betragen gesamt: 67.116 €. Mit einer Förderquote von 70% trägt die Stadt noch einen Eigenanteil von 20.135 €.“

Heike Hollerbach: “In diesem Jahr legt das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz den Schwerpunkt der Klimakonferenz 2015 auf das Thema Klimawandel, da die Herausforderungen hier interdisziplinär bearbeitet werden müssen. Im Mittelpunkt steht der Austausch über Strategien, notwendige Rahmenbedingungen und die erfolgreiche Umsetzung möglicher Maßnahmenschritte, damit wir im nächsten Jahr, gemäß Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung rechtzeitig mit dem Projekt starten können.“

Zur Konferenz eingeladen waren Führungs- und Fachkräfte zum gemeinsamen Dialog und zur Entwicklung von Handlungsfeldern und - strukturen.

Klimaschutz und Klimaanpassung sind keine alternativen Handlungsoptionen, sondern gleichermaßen zur Gestaltung unserer Zukunftsfähigkeit erforderlich, wie das Umweltbundesamt in seinem Monitoringbericht 2015 herausstellt:

„Die Notwendigkeit zur Anpassung an die sich ändernden klimatischen Bedingungen ist selbst dann erforderlich, wenn es gelingen sollte, das EU-Ziel einer Beschränkung der globalen Erwärmung auf 2 °C zu erreichen. „Die Treibhausgase, die jetzt bereits in der Atmosphäre sind, werden das Klima der nächsten Jahrzehnte beeinflussen, sodass nicht mehr alle Veränderungen aufzuhalten sind. Anpassungsbemühungen dürfen allerdings auch nicht dazu führen, dass Maßnahmen zur Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen vernachlässigt werden. Weder Anpassung noch Minderung allein können die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels verhindern. Vielmehr ergänzen sie sich sinnvoll und helfen so, die Risiken des Klimawandels zu verringern.“

Als Referenten konnten hochkarätige Experten aus dem Bereich der Klimaanpassung gewonnen werden.

Im Eingangsvortrag legt Dr. Ralf Schüle vom Wuppertalinstitut u. Koordinator des Forschungsschwerpunkts für Klimaschutz u. Anpassung in der nachhaltigen Stadt- u. Regionalentwicklung die Bedeutung der Verstetigung der Klimaanpassung in allen kommunalen Handlungsfeldern vor:

„Es liegt nahe, mit der Entwicklung eines Anpassungskonzeptes und dem Aufbau von Verantwortlichkeiten in der Verwaltung das Thema der Klimafolgenanpassung als „behandelt“ in einer Kommune zu betrachten. Alle Erfahrung zeigt jedoch, dass ohne die wirksame Integration des Themas in andere Handlungsfelder, also in die Handlungsfelder Bauen und Wohnen, Wirtschaftsförderung, Hochwasserschutz, Abwassermanagement, Gesundheitsschutz etc. die Anfälligkeit einer Stadt gegenüber Klimawandelfolgen kaum gemildert werden kann. Wie der Klimaschutz ist auch die Anpassung an den Klimawandel eine dauerhafte Integrationsaufgabe für die Verwaltung - und vor allen Dingen eine dauerhafte Gestaltungsanforderung für die Stadtgesellschaft.“ (Dr. Ralf Schüle)

Einen Überblick über die Klimaanpassungsstrategie der Stadt Frankfurt und die wesentlichen, darin zu bearbeitenden Handlungsfelder präsentiert Hans-Georg Dannert von der städtischen Koordinierungsgruppe Klimawandel vom Umweltamt der Stadt Frankfurt. Dabei zog Dannert folgende Schlussfolgerung: "Die Anpassung an den Klimawandel ist neben vielen anderen aktuellen und zukünftigen Themen sicherlich eine der größten kommunalen Herausforderungen. Meines Erachtens wird es darauf ankommen, das Thema in geeigneter Weise in die städtischen Verwaltungsabläufe zu integrieren und neben einer breiten kontinuierlichen Berücksichtigung auch mutig unkonventionelle und innovative Wege zu beschreiten. Neben der ressortübergreifenden Akzeptanz in der Kommunalverwaltung ist hierfür aber auch eine breite politische und gesellschaftliche Unterstützung die Basis."

In der Stadt Stuttgart bildet der Themenbereich Stadtklima/Klimaanpassung seit vielen Jahren einen wichtigen Baustein bei der Planung bzw. Umplanung von Stadtvierteln, so dass sich über die Arbeitsgemeinschaft Klimawandel u. Klimafolgenanpassung beim Städtetag Baden-Württemberg deutschlandweit anerkannte Expertisen nutzen lassen. Dr. Ulrich Reuter, Leiter der Abteilung Stadtklimatologie u. der Arbeitsgemeinschaft Klimawandel u. Klimafolgenanpassung beim Städtetag Baden-Württembergbetont: „Wir müssen uns an den unvermeidbaren Anteil des Klimawandels anpassen. Ein Schlüssel zum Erfolg sind eine gute Begrünung und Belüftung der Städte.“

Die Stadt Bottrop stellt als Gewinner des Wettbewerbs „InnovationCity Ruhr“ einen Vorreiter auf dem Feld der umfassenden, integrierten Berücksichtigung aller Themenfelder des Klimaschutzes dar. Im Masterplan klimagerechter Stadtumbau ist eine Vielzahl an Projekten gebündelt. Die Bottroper Innenstadt ist Untersuchungsraum einer Machbarkeitsstudie für Klimaanpassungspotenziale. Aus der umfangreichen Beteiligung verschiedener Akteure zieht Stefan Beckmann, Fachbereichsleiter Umwelt und Grün der Stadt Bottrop, folgendes Resümee: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass den BürgerInnen die Lebensqualität in ihrem persönlichen Umfeld (Stadtquartier) ganz besonders am Herzen liegt. Gerade in diesem Zusammenhang sind auch der Klimaschutz und die Klimaanpassung von besonderer Bedeutung und erfordern die Integration in alle städtischen Planungen und Vorhaben.“

Nach diesem umfangreichen Überblick über die verschiedenen Herangehensweisen anderer Städte steigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihren eigenen Ideen und Vorschlägen, aber auch mit ihren offenen Fragen, in interaktiven Workshops die konkrete Arbeit ein.

Drei parallele Workshops beschäftigten sich mit den Handlungsfeldern Wasser, Flächennutzung und Verkehr/Infrastruktur. Die Themen wurden aus den verschiedenen Perspektiven der räumlichen Planungsebenen Region, Kommune und Objekt/Nutzer zu betrachtet, dabei können alle Teilnehmer in die unterschiedlichen Rollen und Funktionen von mindestens zwei Planungsebenen schlüpfen.

Über alle Etagen des Klingspormuseums verteilt war eine intensive Arbeit und ein spannender Dialog der Experten angesagt.

Peter Schneider: „Im Mittelpunkt steht jetzt der Austausch über Strategien, notwendige Rahmenbedingungen und die erfolgreiche Umsetzung möglicher Maßnahmenschritte. Die Synergien aus regionalen und lokalen Expertisen werden uns hier für unsere eigene Anpassungsstrategie, die gemäß Beschluss der Stadtverordnetenversammlung erstellt werden soll, viele Anregungen bringen. Besonders erfreulich ist es, dass wir inzwischen auch die Fördermittel genehmigt bekommen haben.“

Für die Anpassungsstrategie geht es mit der Projektarbeit im Februar 2016 los, bis dahin werden die Ergebnisse der Klimakonferenz ausgewertet und die Beteiligungsstrukturen für die Konzeptarbeit vorbereitet.

Schon 2013 hat die Gemeinschaft der Umweltamtsleitungen der deutschen Mittelstädte ein Grundlagenpapier verfasst, das die Eckpunkte des Handelns für die Klimaanpassung formuliert hat. Wir benötigen dringend strategische Planungen in Kommunen zur Reduzierung von belastenden Umweltbedingungen ( z.B. auch in den Masterplänen), Folgenvoraussicht zu den Auswirkungen des Klimawandels und die Entwicklung von Klimaanpassungsstrategien, für den Schutz von Natur- und Landschaftsräumen und für eine Reduzierung des Flächenneuverbrauchs. Die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr betrug im Zeitraum 2001–2004 durchschnittlich 115 Hektar pro Tag. Zur Erreichung des Ziels der Nachhaltigkeitsstrategie von 30 Hektar pro Tag sind erhebliche Anstrengungen notwendig. Die Aufgaben sind groß, deshalb ist es höchste Zeit, sie anzugehen.

Im Fazit:

Die Herausforderungen sind – nach Erkenntnis aller Beteiligten - nur gemeinsam, in der integrativen Bearbeitungen mit allen Fachgebieten lösen. Die Industrie sollte mehr gefordert und tagtäglich an die Notwendigkeit des Klimaschutzes erinnert werden. Die Kommunen stellten übereinstimmend fest, wir haben die notwendigen Instrumente, wir müssen die konsequente Umsetzung intensiver verfolgen. Der Start für die Klimaanpassungsstrategie in Offenbach ist erfolgt. Es gab einige Teilnehmer, die bereits ihre Mitarbeit an der Entwicklung der Anpassungsstrategie signalisiert haben, damit Städte u. Region gemeinsam agieren können.