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Biodiversität und die Folgen des Klimawandels in der Stadt auf die vorhandenen Ökosysteme waren die Schwerpunkte der Klimakonferenz 2016. Der Einladung des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz zur 8. Offenbacher Klimaschutzkonferenz kamen am 23.09.2016 zahlreiche kommunale und regionale Akteure und engagierte Bürgerinnen und Bürger nach.
Teilnehmer in der Diskussion
© georg-foto, offenbach

Die Veranstaltung fand im angenehmen Ambiente des Konferenzbereichs beim Deutschen Wetterdienst (DWD) Offenbach statt, der die Konferenz sowohl fachlich als auch technisch unterstützte. Neben Fachvorträgen aus der Wissenschaft, der urbanen Planung und der kommunalen Praxis gab es die Gelegenheit zum Austausch und zum Abschluss eine Podiumsdiskussion.

Hintergrund der Themenauswahl war der Beschluss der hessischen Landesregierung vom 01.02.2016, die Hessische Biodiversitätsstrategie weiter zu entwickeln, was in der Umsetzung kommunale Maßnahmen erfordern wird. Auch die Klimaanpassungsstrategie für die Stadt Offenbach, die ganz aktuell vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz in Kooperation mit einem Fachbüro unter Beteiligung vieler städtischer Akteure erarbeitet wird, formuliert Maßnahmen und Ziele zum Erhalt von Natur und Arten, daraus wird ein umfangreiches Handlungsportfolio für eine Vielzahl von Akteuren in der Stadt. Neben der Umsetzung dieser beiden Strategien liegen für die nächsten Jahre auch Maßnahmen zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sowie stadtplanerische Maßnahmen (z.B. der Masterplan der Stadt Offenbach) an.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf das Leben in der Stadt, aber auch auf den Naturhaushalt, ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit, der interdisziplinär bearbeitet werden muss. Die rund fünfzig Teilnehmer spürten gemeinsam mit den kundigen Referenten der Frage nach, wie es in Offenbach im Rahmen der rasanten Zukunftsentwicklung gelingen kann, Biodiversität und Klimaschutz zusammen zu bringen und gemeinsam Synergien zu schöpfen.

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Horst Schneider, erläuterte Marie Martin, zuständig für Klimaschutz und Klimawandel im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV)  den Zusammenhang der Biodiversität u. deren Bedeutung im Land Hessen. Die Wechselwirkungen mit den klimabedingten Einflüssen auf die Ökosysteme sind sehr vielfältig und schwierig vorauszusagen. Die genaue Beobachtung der Artenvielfalt kann wichtige Hinweise zum Zustand der Ökosysteme geben.

Aus den gesetzlichen Aufgaben zum Natur-, Arten- u. Gewässerschutz, ergeben sich Handlungsnotwendigkeiten für die Kommunen, dabei lobte Marie Martin die vorbildliche Vorgehensweise der Stadt Offenbach z.B. mit der Erstellung der Klimawandelanpassungsstrategie.

Fuchs in Berlin
© Florian Möllers

Den Einstieg ins Thema präsentierte durch einen der Naturfotograf und UN-Biodiversitätsbotschafter Florian Möllers aus Norddeutschland. Im Vortrag und im Film zeigte Möllers seinen Blickwinkel auf die natürliche Vielfalt, weltweit genauso wie in deutschen Städten. Was Biodiversität ist, was sie ausmacht, wo man sie findet und wie man sie schützen kann, auch zu ihrem unermesslichen Wert für uns Menschen, emotional aber auch ökonomisch. Mit Beginn der UN-Dekade für Biologische Vielfalt 2011 glaubten viele Menschen nach wie vor, Artenvielfalt könne man nur in fernen Ländern finden und schützen, etwa in einem Regenwald. Ganz im Gegenteil - Biodiversität kann man direkt vor der eigenen Haustür entdecken! In vielen Großstädten übertrifft allein die Zahl der Arten die im angeblich "wilden" Umland. Die Veränderung der Natur und deren Ursachen liegen maßgeblich in der Umweltveränderung durch Klimawandel und durch menschliches Verhalten.

Dr. Frank Kaspar vom Deutschen Wetterdienst erläuterte den wissenschaftlichen Einstieg in die Klimawandelforschung mit ihren komplexen Berechnungen und Modellierungen und den sich daraus ergebenden Trends.

Weiteren Wissenschaftlichen Input lieferte Dr. Mathias Kuemmerlen von der Senckenberg Forschungsgesellschaft für Naturschutz. Der Gewässerexperte beschrieb eindrucksvoll die Auswirkung der globalen Umweltveränderungen Landnutzung und Klimawandel auf Fließgewässer und deren Organismen.

Björn Weber vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) stellte drei kommunale Beispiele vor, in denen städtische Begrünungen als Maßnahmen zur Klimaanpassung und zum Naturschutz realisiert wurden.

Helmut Kern, Gartenamtsleiter in der Stadt Karlsruhe, machte bei der Vorstellung des Karlsruher Stadtbegrünungskonzepts deutlich, dass Grün in der Stadt einen wichtigen Beitrag nicht nur zur Steigerung der biologischen Vielfalt, sondern auch zur Anpassung an den Klimawandel leistet.

Die Stadt Offenbach erstellt derzeit sogar eine eigene Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, deren Maßnahmenkatalog selbstverständlich auch Grünflächen und Ökologie als Handlungsfelder definiert. Der Planungsstand in der Anpassungsstrategie sowie das Offenbacher „Konzept Mensch + Natur“ mit seinem Fokus auf die Biodiversität in Offenbach wurden von Dr. Anna-Christine Sander als Abschlussvortrag präsentiert.

Anschließend waren die Teilnehmer gefragt.

Gemeinsam diskutierten sie welche Maßnahmen nun anstehen und welche Möglichkeiten es gibt, die Stadt im Hinblick auf die Förderung der Biodiversität und die Anpassung an den Klimawandel zukunftsfähig zu machen.

Bei dem abschließenden Podiumsgespräch gaben die Referenten und zwei Teilnehmer ihre wichtigsten Erkenntnisse aus der Konferenz wieder.

Die Diskussion ergab eine große Vielfalt an Maßnahmenvorschlägen. Anhand der Häufigkeit ihrer Nennung sind jedoch zwei Maßnahmenbereiche als Ansatzpunkte herauszuheben:

  • Umweltbildung/Öffentlichkeitsarbeit und (politische wie öffentliche) Akzeptanz
  • Entsiegelung von Flächen, Erhöhung des Durchgrünungsgrades und der Qualität des städtischen Grüns (durch Vorbildfunktion sowie durch konzeptionelle und regulative Maßnahmen)

Des Weiteren wurden die Bedeutung von Vorzeigeprojekten und die Inanspruchnahme von Förderprogrammen hervorgehoben.