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Stadt Offenbach

Powerful Textures. Sprache in Textil. Ausstellung vom 9. Mai bis 16. August 2026.

08.05.2026

Wandteppiche haben eine lange Tradition. In der Textilgeschichte spielten Wandteppiche und textile Arbeiten im Raum häufig eine Rolle in der Vergewisserung von Werten und Identität. Textile Schrift kann dabei unterschiedliche Funktionen haben: Umgeben zu sein von Worten, sich körperlich darin einzuhüllen, sie kann trösten, anleiten oder vergewissern. 

Die Sammlung des Klingspor Museums enthält einen einzigartigen Bestand an modernen Schriftteppichen, in dessen Zentrum wandfüllende Arbeiten Rudolf Kochs und seiner Studierenden stehen, die um 1925 in der Offenbacher Werkstatt entstanden. Der tief religiöse Künstler, der zu den wichtigsten Schriftgestaltern seiner Zeit zählte, suchte nach flächendeckenden Ausdrucksmöglichkeiten für das Wort Gottes und schuf so ein neues Genre der Schriftkunst. Ab den 1950er Jahren kamen weitere Schriftteppiche ins Museum, von denen ein großer Teil in der Gobelin-Werkstatt von Inge Richter und Gret Mohrhardt gewebt wurden, die über Jahrzehnte in Offenbach bestand und heute fast vergessen ist. 

Weil sich textile Arbeit häufig mit Weiblichkeit assoziiert, wird textile Schrift in der zeitgenössischen Kunst daneben zunehmend stark in aktivistischen und feministischen Kontexten genutzt. Persönliche Geschichten verweben sich mit Politik und Gesellschaftskritik. Zahlreiche Leihgaben internationaler Künstlerinnen und Künstler zeigen die Bandbreite dieser kraftvollen Ausdrucksmöglichkeiten. So verarbeitet die New Yorker Künstlerin Erin M. Riley weibliche Gewalterfahrungen in ihren gewebten Teppichen, Lise Linnert hat für ihre große Textilinstallation zum Attentat von Utøya mit unterschiedlichen beteiligten Menschen zusammengearbeitet und damit aktiv Trauerarbeit geleistet. Die Schweizer Künstlerin Vreni Spieser bewältigt die Trennung von einem Partner in einer wandfüllenden textilen Arbeit und die aus dem Iran stammende Künstlerin Kani Kamil verarbeitet in Stickereien mit Haaren Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Einen ganz anderen Aspekt zeigen Leihgaben aus der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg, die von Patientinnen der Psychiatrie in den frühen 1920er Jahren als Ausdrucksform gewählt wurden. Komplexe Stickereien bezeugen die intensive, manchmal zwanghafte Auseinandersetzung mit der eigenen Gedankenwelt. 

Mit Kunstwerken von

Melina Braß, Daria Goncharova, Katya Dimova, Barbara Habermann, Sandra Heinz, Karlgeorg Hoefer, Anna Horváth, Eta Ingham Lawrie, Monika Jäger, Ems Kadenz, Kani Kamil, Rudolf Koch, Eike König, Lise Linnert, Petra Ober, Werner Poeschel, Allan Porter, Helga Portig-Sitka, Herbert Post, Fritz Riedl, Erin M. Riley, Maureen Ritter, Dieter Roth, Hans Schmidt, Vreni Spieser, Johanna Natalie Wintsch, Berthold Wolpe

Zu der Ausstellung wird ein Bestandskatalog der Wandteppiche des Museums erscheinen.

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm wird die Ausstellung begleiten.

Ein Dank für die Förderung gilt: 

Peter und Irene Ludwig Stiftung 
Vereinigung Freunde des Klingspor Museums
SOH Stadtwerke Offenbach Holding GmbH
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
KulturRegion FrankfurtRheinMain

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Bildnachweise