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Astronaut
Marshall Weber, Kurt Allerslev, Mark Wagner und Christopher Wild „Light from a Star“ © Stadt Offenbach
Landkarten mit Heines Wintermärchen beschriftet, ein Text der amerikanischen Band Public Enemy als Graffiti, ein losgelöster Astronaut oder Picassos Notationen zu den kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Text Pierre Reverdys - dass Schrift so viel mehr ist als einfache Informationsspeicherung und Weitergabe, beweist die Ausstellung, die vom 19.September bis 24. November im Klingspor Museum zu sehen ist. „Ausdrücklich Schrift. Schreiben im Spannungsfeld“ versammelt eine Auswahl aus der 80.000 Einheiten umfassenden Sammlung, die das international renommierte Museum für Schriftkunst seit seiner Gründung 1953 aufgebaut hat und gibt einen Einblick in Schriftkunst, Künstlerbuch und andere Ausdrucksformen auf Papier und im Buch von 1945 bis in die Gegenwart.

In Schrift visualisierte Gedanken

Ausstellungsstück
Pablo Picasso/ Piere Reverdy „Le Chant des Morts. Poems“ © Stadt Offenbach
Lieblingsstücke haben Mitkuratorin Martina Weiß und Museumsleiter Dr. Stefan Soltek ausgewählt, manche waren schon in Ausstellungen zu sehen und sind, so Soltek „eine abermalige Betrachtung mehr als wert.“ Die „Maximiliana“ (genauer: „Maximiliana ou l´exercice illégal de l´astronomie“) von Max Ernst ist so ein Werk. Ein opulentes Malerbuch, das er dem Astronomen Ernst Tempel widmete, dem aufgrund seines fehlenden akademischen Titels ebenfalls die Anerkennung versagt blieb. „Ernst hatte“, erläutert Soltek „Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte ohne Abschluss studiert und war als Maler Autodidakt.“ Zu sehen ist auch „Heines Reisejacke“ von Burgi Kühnemann, die dessen zahlreiche Reisen und das Pariser Exil des später steckbrieflich Gesuchten assoziiert. Gleich daneben, das sehr überformatige Buch von Marshall Weber, Kurt Allerslev, Mark Wagner und Christopher Wild „Light from a Star“, das mit dem Bild des losgelösten Astronauten von Bindung, Verlust und Liebe erzählt.
Afghanistan Fotobuch
Stephen Dupont und Marshall Webber „Kill them all“ © Stadt Offenbach
Gemeinsam mit Stephen Dupont ist Marshall Webber zudem mit der Arbeit „Kill them all“ vertreten, die Fotografien und Illustrationen aus Afghanistan 1993 bis 2012 versammelt. Dazu gesellen sich Arbeiten von Eva Aschoff, Corinna Krebber, Ottfried Zielke und anderen spannenden Künstlern, die Schrift als eigenständige Kunstform begreifen und, so Martina Weiß, nicht mehr dem klassischen Verständnis nach einfach nur schreiben, sondern „Gedanken visualisieren“. 

Im Rahmen der Eröffnung am Mittwoch, 18. September, wurde auch der Rudo Spemann-Preis für innovative Schriftkunst verliehen. Die Arbeiten der Preisträgerin Susanne Mader von der Hochschule Augsburg, der beiden zweiten Preise von Carolin Kasche und Sonja Schwab von der Hochschule RheinMain Wiesbaden sowie Junjian Wang von Hochschule für Gestaltung Offenbach sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Offenbach am Main, 18. September 2019