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Paul Stein Run Paint Run Run
© Martina Helffenstein

Paul Stein (1949 bis 2004) ist mit 90 SkizzBüchern im Klingspor Museum zugegen – einer der wichtigsten Erwerbungen des Museums für Buch und Schrift der vergangenen Jahre. 90 Bücher, in denen er ein Künstlerleben lang alles aufnotierte und veranschaulichte, das ihn bewegte. Zu diesem außergewöhnlichen und vielseitigen Künstler ist nun ein neues Textbuch erschienen, das Martina Helffenstein mit Auszügen aus den SkizzBüchern bestückt hat:
148 Seiten, Preis: 100 Euro, Bestellungen bei MartinaHelffenSTEINde

Jezz Awwa! Das etwas andere Angebot

100 Euro, hundert? Für ein Buch, 1?? Jezz awwa!, wie der Autor eben dieses Buches heftigen Einspruch schriftlich niederzulegen pflegte. Um eine Lieblingsbeschäftigung dieses Autors herbeizuzitieren: Mal anders gedacht. Was würde eine abenteuerliche Entdeckungsreise kosten? Gewiss das Zehnfache, mindestens. Oder noch sehr viel mehr, angesichts der auf 200 begrenzten Anzahl erster Teilnehmer. Transportmittel der Reise ist: 1 Buch.

Sofort zu entdecken ist ein Bändchen von 148 Seiten, offenbar in die Gegenwart herübergeweht aus einer Zeit, als (auch) die Herstellung von Büchern noch nicht den Alles beherrschenden Marktgesetzen zu gehorchen hatte, sondern Liebe und Sorgfalt in sie investiert werden durften, sodass kleine Kunstwerke entstehen konnten – wie in diesem Fall.

Vor allem aber ist zu entdecken der viel zu wenig bekannte Künstler und nahezu völlig unbekannte Autor PAUL Stein, der einmal befürchtete, „eine Doppelbegabung“ werde ihm wohl „nicht abgenommen“, sie aber dennoch mit selbstironischer Distanz akzeptierend: „Ich mag mir mein Leben nicht anders vorstellen, als am Tisch zu sitzen und allerhand Unsinn in Bücher zu zeichnen und zu schreiben.“

Was er denn auch seit dem (laut eigenhändiger Eintragung) 15. April 1974 mit geradezu unfassbarer Konsequenz betrieb. Die Seite mit der letzten seiner Aufzeichnungen vom 5. August 2004 zeigt in seiner peniblen Paginierung die Ziffern 018875: nahezu 20.000 Seiten voller Wortwitz und Geistesblitze, Aphorismen und Epigramme, fabulierfreudigen Fantasien und fantastischen Alltäglichkeiten – eine wahre „Bibliothek des Labilismus“, mit einer von PAUL Stein ersonnenen Bezeichnung, die er sich sogar des Wiederholungsbedarfs wegen als Stempel schneiden ließ.

So waren es am Ende 90 Bände, vom Produzenten selbst gern niedrig als „SKIZZ-Bücher“ eingestuft, die nunmehr im Klingspor Museum zu Offenbach prunken. Dessen Leiter, Dr. Stefan Soltek, notiert, aus der „Überfülle“ des in diesen Bänden ausgebreiteten Materials habe das hier angepriesene Buch „ein Konzentrat destilliert, von dem der Leser nicht besoffen, sondern (hoffentlich) berauscht wird und angeregt, die Lektüre immer neu aufzunehmen.“ Mal anders gedacht und gesagt: Diese unglaublich preiswerte Entdeckungsreise geht erst zu Ende, wenn Sie selbst es beschließen.

Martina Helffenstein