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Digitales Schriftarchiv
© Simon Malz

Das digitale Schriftarchiv von Otmar Hoefer und Hans Reichardt auf der Website www.klingspor-museum.de


Hier schreibt Otmar Hoefer, wie die Klingspor-Museum.de Website mit dem digitalem Schriftarchiv entstand:

"Die 10.000ste PDF-Datei zur Darstellung eines Schriftdesigners auf www.klingspor-museum.de gibt allen Grund zu feiern. Deshalb möchte ich einen kleinen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte dieser Website geben.

Als gebürtiger „Offebächer“ und durch den Beruf meines Vaters Karlgeorg Hoefer – lange Jahre Schriftlehrer an der Hochschule für Gestaltung HfG und 1987 Mitbegründer der Schreibwerkstatt Klingspor – bin ich seit meiner Kindheit mit Schriften und Schriftmustern aufgewachsen. Oft besuchte mein Vater mit mir Sonntagsvormittags, oder auch zu Ausstellungseröffnungen, das Klingspor Museum in die Herrnstraße. Der damalige Leiter Hans Halbey war ein guter Freund meiner Eltern.

Mein Interesse an diesem Museum und seiner Bibliothek blieb umso dauerhafter geweckt, als es ständig Neues aus dem Metier der Schriften und Büchern zu entdecken gab. Nach der Schule entschied ich mich eine Lehre als Schriftsetzer zu machen und mein Mitlehrling Klaus Göbel war noch ambitionierter als ich, denn er sammelte damals schon jedes Schriftmuster, welches von den Schriftgießereien herausgegeben wurde. Zum Studium bin ich dann drei Jahre an der FH Druck in Stuttgart gewesen und habe in den beiden letzten Jahren als Werksstudent in den Sommerferien bei der Schriftgießerei D. Stempel AG in Frankfurt am Main gejobbt.

Als ich dann 1978 bei Stempel fest angestellt wurde, traf ich meinen Freund Hans Reichardt, der dort seine Schriftsetzerlehre absolviert hatte. Sein Interessengebiet sind die Schriftkünstler, die Stempelschneider und Schriftmacher, die er damals in einem eigenen Archiv mit vielen historischen Schriftkatalogen bei sich zu Hause sammelte. Ein Teil seiner Sammlung befindet sich heute im Gutenberg Museum in Mainz.

Ich war in der Schriftenfertigung für das Schriftenmarketing verantwortlich und betreute diverse neue Schriftprojekte. Eins der ersten war die „neue Helvetica“, die 1983, gefördert von aufwendigen Marketingaktionen, in den Markt eingeführt wurde. Etwas später entstand durch die Zusammenarbeit mit Adobe wegen der PostScript Schriften eine eigene Produktion unserer Linotype Schriften, für deren Einführung als Linotype Library ich auch verantwortlich war.

1985 musste die D. Stempel AG auf Druck der Linotype und deren Muttergesellschaft Allied Chemical aufgelöst werden und die Schriftenfertigung wurde nach Eschborn ins Hauptwerk der deutschen Linotype GmbH umgesiedelt.

Als wir bei Linotype 1994 den ersten Shop für Fonts im Internet gebaut hatten, war vielen noch nicht klar, was das für eine Auswirkung für den eCommerce und Öffentlichkeitsarbeit bedeutet.

Ich bin schon lange Mitglied im Freundeskreis des Klingspor Museums, der als Verein das Museum unterstützt. 1999 – während der Jahresmitgliederversammlung – wurde vom damaligen Leiter des Museums Christian Scheffler berichtet, dass man an der Erstellung einer Website des Museums arbeite; aber es gab nie eine Klärung, wer und wie das realisieren sollte. Das brachte mich zu meinem eigenen Engagement. Eine kleine Publikation von Herrn Scheffler über das Klingspor Museum diente mir als erste Grundlage für den Inhalt der Website. Ich hatte etwas Zeit und setzte diese Texte in HTML-Seiten um. Da ich selbst keinen Website-Editor besaß, behalf ich mir mit einfachen HTLM Befehlen, um die Seiten zu programmieren. Daher rührt auch der einfache Aufbau der Struktur, bei der es mir mehr darum ging, die Besucher in das Museum zu locken, als dass sie alles auf der Website schon erfahren.

Eine Sektion dabei war die der Schriftkünstler und da waren von mir anfangs nur einige wenige gelistet (z.B. Hermann Zapf und Adrian Frutiger).

Als ich dies Hans Reichardt vorstellte, kam er auf die Idee, zu jedem der Designer eine eigene Datei zu erstellen, in der die wichtigsten Daten über Designer und dessen Schriften evtl. sogar mit Abbildung stehen sollten.

Er hatte zu Hause einen Mac mit PageMaker, damit konnte er die Dateien erstellen und mir als PDF liefern; und ich konnte sie dann auf der Website entsprechend hochladen und verlinken.

Das war Mitte 2001 und so kamen jeden Monat von Hans entweder Emails oder CDs mit der Post mit neuen PDF-Dateien. Wir alle hatten uns damals vorgestellt, dass die Liste bei rund 3.000 Schriftdesignern beendet wäre. Aber es kam anders.

Hans Reichardt ging in den Ruhestand und bis heute durchforstet er weiterhin Suchmaschinen und das Internet nach den neuesten Schriften und deren Designern und stößt dabei immer wieder auf noch weitere uns unbekannte Designer.

Der Index der Schriftdesigner ist somit monatlich um ca. 60 neue Einträge angewachsen, und wegen der Internationalität nennen wir auch bei den Designernamen – sofern bekannt – auch deren Nationalität. Weiterhin pflegt Hans die vorhandenen Designerdaten und liefert ständig Updates, die von mir auf den Server geladen werden.

Als Herr Stefan Soltek dann zum neuen Leiter des Museums wurde, war er von der Website und dem daraus entstandenen digitalen Besucherverkehr sehr positiv überrascht.

Plötzlich gab es in der Bibliothek des Museums Nachfragen von Interessierten nach weiterem Material zu speziellen Designern, zu denen es aber im analogen Archiv des Museums keine Unterlagen gab. Oft konnte hier Herr Reichardt weiterhelfen.

Vor einigen Jahren hat die Stadt Offenbach als seine Trägerin beschlossen, das Museum als Unterseite auf Website der Stadt zu annoncieren. Dort werden auch die aktuellen Inhalte direkt vom Museum eingepflegt und aktualisiert. Der Besucher, der www.klingspor-museum.de eingibt, landet jetzt auf einer Startseite, von der aus er entweder die offizielle Museumsseite der Stadt oder unser digitales Schriftenarchiv erreichen kann.

Im Laufe der Zeit hat Herr Reichardt noch einige andere Sachen zum Thema Bleischriften und Schriftgießereien als PDFs erstellt und mir geliefert, sodass zum Beispiel die Informationen über fast 50 Schriftgießereien dort abrufbar sind.

Weiterhin hat er das Buch „Chronik der Schriftgießereien“ aus 1928 von Friedrich Bauer aus der Frakturschrift in eine heute einfacher zu lesende Antiquaschrift umgesetzt und mit Nachträgen auf 148 Seiten erweitert. Hierzu sind weitere Nachträge erschienen. Das komplette „Handbuch der Schriften“ von 1926 (Albrecht Seemann Verlag), mit seinen 178 Seiten, ist komplett gescannt und auch mit allen Nachträgen bis 1939 als PDF aufrufbar. Herr Reichardt hat auch die drei Karteikästen des Vereins der Schriftgießereien (VdS) komplett digitalisiert und es stehen diese Scans zum Download auf der klingspor-museum.de Website zur Verfügung. Die Originalkästen hat er der Bibliothek des Klingspor-Museums in Offenbach am Main übergeben.

Was anfangs mal als ein kleines ehrenamtliches Unterstützungsprojekt für das Museum gestartet war, hat sich im Laufe der letzten 19 Jahren zu einer 4 GB großen Datensammlung mit 10.000 Schriftdesignernamen entwickelt. Wir beide leisten unsere Arbeit komplett freiwillig ehrenamtlich und tragen selbst alle Kosten. Alles erfolgt manuell mit einem Equipment, das selbst bald ins Museum gehört. Das Programm „PageMaker“, das Hans Reichardt zum Erstellen der Dateien verwendet, gibt es schon lange nicht mehr. Es läuft nur noch auf einem alten Apple Rechner mit überholter Betriebssoftware. Aber wenn es mal nicht mehr geht, dann war‘s das.

Aber es macht uns beiden der Gedanke Spaß und Freude, dass mit Hilfe von Suchmaschinen, wo auch immer auf der Welt, die Informationen zu den Schriftdesignern von der Schriftarchivseite des Klingspor-Museums gefunden und gelesen werden."

Otmar Hoefer

Wir gratulieren zum 10000. PDF und bedanken uns ganz herzlich bei Otmar Hoefer und Hans Reichardt für ihr ehrenamtliches Engagement!

Das Team des Klingspor Museums

Offenbach, den 16. September 2020