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Klingspor Museum Offenbach
© Klingspor Museum Offenbach
… und doch erst ab dem 20. April … hoffentlich!
Am Eingang des Museums beginnt die Begegnung mit einem Haus, das sich vom ersten Meter hinter der Eingangstür an kunstvoll an seine Besucherinnen und Besucher wendet. Von unten nach oben zu gelangen ist von besonderem Belang für diejenigen, die die auf drei Ebenen eingerichtete Dauerausstellung erreichen wollen.
Das elegante Treppenhaus – graues Schmiedeeisen unter schwarzem Holz für den Handlauf – schafft seine einladende Atmosphäre; eiserne Streben und Windungen, die im Ersteigen der Treppe erlebbar wird. Dieses Aufwärts – per se schon ein österliches Phänomen – erwächst aus der Tiefe des Bodens vor den ersten Stufen. Der kleine Raum unter ihnen wurde erst bei Renovierungsarbeiten 2003 zum 50. Geburtstag des Klingspor Museums wiederentdeckt; und der Entschluss gefasst, ihn durch die eingelegte Glasplatte als Aha-Moment zu erhalten. Aus der Tieflage dieses Fensters vor der Eingangstreppe steigt so leise wie lakonisch die Ansage von Zeit und Andauer. Dem Wesen eines Museums, unseres Museums, eine goldene Regel. Wo, wenn nicht hier, gilt, dass es um ein Verbleiben auf Dauer geht.
Zu Ostern mag sich an dieser Stelle für den einen und die andere BesucherIn gar die Assoziation zur Grablegung einstellen. Die unter dem Glas platzierte Schieferplatte tut das ihre: Benjamin Ritter, Steinmetz im hessischen Neukirchen, hat ihr den Satz eingraviert: „Es dauert genauso lange wie es dauert“. Zum eigentlichen Kontext an anderer Stelle. Hier sei nur erklärt, dass die Äußerung in den Ostertagen ihre spezielle Botschaft entfaltet: vom Tod zur Auferstehung, so erläutert uns die Passionsgeschichte, dauert es genauso lange wie sie dauert – nämlich drei Tage. Symbol für jede Phase eines besonderen, im Abwarten Akzent setzenden Übergangs. Gerade im Coronajahr 2020/21, da der Tod vermehrte Aufmerksamkeit einfordert, könnte Ostern als Hoffnung auf Überleben Zeichen setzen. Vielleicht sogar am Treppenaufgang in ein Museum. Aus der Tiefe der Dauer in die Höhe des Fortdauerns. Ein kleiner (Nach)Ostergang mag sich ergeben, im Klingspor Museum von der Aussicht begleitet: Vom Eise befreit sind Schrift und Bücher durch Frühlings aufsteigenden holden Blick …
Stefan Soltek, Ende März 2021