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Tarek Al-Wazir
© Stadt Offenbach
Vieles von dem, was der Technikmarkt heute bereithält, galt vor wenigen Jahren noch als Utopie. Nicht nur im Bereich der Mobilität haben sich wahre Quantensprünge vollzogen. So arbeiten Google & Co beispielsweise an selbstfahrenden Automobilen und schaffen damit freie Zeit für Anderes: Das „Internet der Dinge“ funktioniert auch ohne menschliches Zutun. Das Symposium webinale VISIONS am Donnerstag, 19. November im Capitol Offenbach näherte sich in acht Kurzvorträgen den Chancen und Risiken der sogenannten „Echtzeit“.

„Wir sind schon jetzt Hybride. Aber wer will schon mit Systemen kommunizieren?“ fragte Kommunikationsdesignerin Andrea Krajewsi. Die Professorin beschäftigt sich mit ihren Studenten an der Hochschule Darmstadt mit der Frage, wie sich die Beziehung zu Systemen gestalten lassen, die über mobile Geräte schon jetzt völlig autonom die Raumtemperatur regeln oder den Körper scannen. Der Chronometer am Armgelenk ist dabei nur noch reines Deko-Objekt, auch das Mobiltelefon ist genaugenommen überflüssig: mit der Smart Watch hat der moderne Mensch alle Systeme (noch) am Körper. Die Technik hilft bei der Optimierung des Alltags, aber auch des eigenen Körpers. Wie beispielsweise „Miro“, ein von den Studenten ersonnener „Companion für körperliches Bewusstsein“, der den Körper ständig vermisst und die Ergebnisse in Form eines Schwarms kleiner Spermien visualisiert. Sind diese schlaff und blass, hilft beispielsweise Sport, um die Lebensgeister wieder lebendiger zu machen.

Lorm Glove
© Stadt Offenbach

Tom Bieling von der Berliner Universität der Künste hingegen will taubblinde Menschen aus ihrer Isolation herausholen und hat einen Handschuh entwickelt, der die Kommunikation zwischen Menschen ohne dieses Handicap und Taubblinden ermöglicht. Der „Lorm Glove“ übersetzt die Eingaben in taktile Impulse, die von den Taubblinden verstanden werden. Ein Monitor zeigt den Sehenden ihre Eingabe und hilft Missverständnisse zu vermeiden. Beispiele wie dieses zeigen, dass die neue Technik dem Menschen umfassend dienstbar gemacht werden kann. Und auch sollte. Denn da liege die große Chance der Digitalen Revolution, betonte Prof. Wolfgang Henseler von sensory minds in seinem Vortrag: „Um im Internet of Things and Services erfolgreich zu sein, müssen alle Dienste auf den Menschen ausgerichtet sein!“. Daher sei Neues Denken vonnöten, um auch weiterhin. Nicht nur bei den Autobauern, bei denen er schon jetzt davon ausgeht, dass die wenigstens den Sprung in die neue Ära schaffen werden. „Wem trauen Sie 2025 das Thema Mobilität zu: Volkswagen oder Apple und Google“ fragte Henseler, wenn es nicht mehr um Autos, sondern um Mobilitätskonzepte geht. „Form follows realtime“, weshalb aus Produkten Services, aus Energie Information, aus Objekten Nutzen und aus der Organisation Nutzer werden. Er geht davon aus, dass der technologischen auch eine gestalterische Evolution folgen wird, dass „wir sukzessive mit Technologie verschmelzen. Dann werden wir weder ein Smart Phone noch eine Smart Watch am Körper tragen, sondern smart Pills zu uns nehmen.“

Noch aber bewegen wir uns fort, meist im Auto, mit der Bahn, selten mit dem Fahrrad. „Wie lässt sich Mobilität optimieren und wie lassen sich deren Folgen einschränken, wenn die Freiheit der Mobilität am nächsten Verkehrsknotenpunk endet“, fragte der Hessischer Staatsminster für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwickler Tarek Al-Wazir in seinem Vortrag. Schließlich sei letztlich jeder im Stau stehende nicht nur Opfer, sondern auch Verursacher. Für Al-Wazir ein klarer Zielkonflikt: „Die meisten Menschen sind sich der Folgen unserer Mobilität nicht bewusst“. Dabei hatte der Minister weniger Verkehrsstaus und die zunehmende Zahl der auszuliefernden Internetbestellungen im Sinn, sondern als Vertreter der Partei DIE GRÜNEN, auch die durch viele Dienstreisen eigene „schreckliche Ökobilanz.“ Daher gelte es, so Al-Wazir weiter, vor allem für den Standort Rhein-Main neue intelligente Mobilitätskonzepte wie die Initiative Mobiles Hessen 2020 voranzutreiben. Zu den Herausforderungen zwischen Frankfurt und Wiesbaden zählt der Minister den Flughafen und eines der vielbefahrensten Autobahnkreuze der Republik, aber mit dem angestrebten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und den technischen Möglichkeiten lasse sich durchaus eine andere Mobilitätskultur etablieren. „Schließlich“, so Al-Wazir, „beginnt Mobilität im Kopf“.

Die webinale VISIONS ist eine Veranstaltung der Software & Support Media, Frankfurt am Main und Sensory-Minds. Unterstützt wird die webinale VISIONS von der Wirtschaftsförderung Offenbach. „Wir freuen uns sehr, eine Plattform in Offenbach zu bieten“, sagte Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Horst Schneider bei der Eröffnung. „Denn das gemeinsame Entwickeln von neuen Ideen und Impulsen ist entscheidend für eine prosperierende, dynamische Kreativwirtschaft, wie wir sie hier in Offenbach leben.“

November 2015