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Ute Steinmeyer, Horst Schad v.d. Theodor-Heuss-Schule und Hibba Kauser
© Katja Lenz
Seit 1999 zeichnet die Stadt Offenbach das besondere Engagement von Initiativen oder Einzelpersonen für die Integration und beim Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung mit dem Integrationspreis – dotiert mit 1.000 Euro aus. Am Donnerstag, 12. April, nahmen Hibba Kauser, die sich seit langem in der Schülervertretung und als Schulsprecherin der Theodor-Heuss-Schule engagiert, sowie die Schulleitung der Theodor-Heuss-Schule die Auszeichnung im Stadtverordnetensitzungsaal entgegen.

Lernen und Verstehen

Rund 70 Prozent der 2056 Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Schule (THS) haben einen Migrationshintergrund. Die Schule versteht sich als interkulturelle Bildungsinstitution, die Fach- und Sprachkompetenz vermittelt und sich für ein demokratisches und tolerantes Miteinander einsetzt. So bietet die Schule seit über zehn Jahren eine Migrationsberatung im Zuge des interkulturellen Lernens, bei Schüler mit Migrationshintergrund ihre Andersartigkeit als Bereicherung und Ergänzung ihrer eigenen kulturellen Werte schätzen und gleichzeitig andere Ethnien und Wertesysteme respektieren lernen. Außerdem führt die THS gemeinsam mit der Volkshochschule im Rahmen von Hessen Campus Sprachstandserhebungen sowie seit 2006 zahlreiche Projekte unter dem Motto „Interkulturelles Lernen – damit Bildung gelingt“ durch. „Ich bedanke mich ausdrücklich bei meinem Kollegium, das mit seiner innovativen pädagogischen Arbeit die Grundlage für diese Auszeichnung legte“, erklärte Horst Schad, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule bei der Übergabe des Preises. Er sieht den Integrationspreis „als Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit eines hochmotivierten und engagierten Kollegiums“

Die Welt ein bisschen besser machen

Kausers Familie stammt aus Pakistan. Weil sie einer religiösen Minderheit angehören, mussten sie das Land wegen der zunehmenden Diskriminierung Ende der 1990er Jahre verlassen. Hibba Kauser wurde in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Schwedt an der Oder geboren, seit ihrem achten Lebensjahr lebt sie in Offenbach. Ab und zu werde sie gefragt, wofür sie sich denn überhaupt engagiere, berichtete sie 18jährige in ihrer Rede, die Welt sei wegen der vielen Kriege, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit ohnehin nicht mehr zu retten: „Aber warum denn ständig rummeckern, wenn ich doch selbst die Veränderung sein kann, die ich mir für diese Welt wünsche?!“ Schließlich könne doch jeder etwas zur Veränderung beitragen. Daher nehme sie gemeinsam mit Ute Steinmeyer, stellvertretende Schulleiterin, und Horst Schad, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule den Preis „stellvertretend für jede Person entgegen, die sich in unserer Gesellschaft für ein friedliches Miteinander, für Solidarität, für Gerechtigkeit und Menschlichkeit stark macht und somit Stück für Stück diese Welt verbessert!“

Integration ist eine Kraftanstrengung

Offenbach kann Integration, das hat die Stadt in den vergangenen Jahren hinlänglich bewiesen und gilt daher als Integrationsmaschine und „Arrival City“. Aber: „Integration kann nicht verordnet werden, sondern muss gemeinsam mit den Menschen zusammen geschehen,“ betonte Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß in seiner Laudatio. Menschen und Institutionen wie Kauser und die Theodor-Heuss-Schule, die das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen mit ihrem Engagement und ihrer täglichen Arbeit positiv beeinflussen. „Alltagshelden“, über die man sonst nicht viel höre, die aber Vorbilder für viele andere sein sollen und können – schließlich, so Weiß weiter, „geht uns Integration alle an und ist deshalb eine Gemeinschaftsaufgabe.“ Mit dem Integrationspreis sei die Stadt Offenbach auf einem wichtigen und auch richtigen Weg, aber, so Weiß weiter: „Unsere Vision ist, dass wir irgendwann niemanden mehr für gelungene Integrationsprojekte auszeichnen, weil Integration in unserer Gesellschaft selbstverständlich geworden ist.“