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Beim Engagement Freiwilliger blickt die Bundespolitik zunehmend auf die lokalen Gegebenheiten. Wie der städtische Ehrenamtsbeauftragte Reinhard Knecht berichtet, wächst das Bewusstsein dafür, dass die lokale Infrastruktur und die sozialen Netzwerke im Internet die Lebensqualität in Städten und Gemeinden maßgeblich mitbestimmen. „Wir wissen heute, dass bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement durch passende Rahmenbedingungen und Strategien auf lokaler Ebene gefördert werden kann. Umgekehrt entfalten Freiwillige ihre Potenziale und positiven Wirkungen häufig gerade im Gemeinwesen an Ort und Stelle“, so Knecht.

Diese Erkenntnisse waren auch Thema der jährlichen Fachkonferenz unter dem Titel „Die Vielfalt gestalten! Engagementpolitische Herausforderungen vor Ort“ in Berlin. Knecht informierte sich dort neben rund 300 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland über den Zweiten Engagementbericht der Bundesregierung. Wie sich bei der Tagung herausstellte, engagieren sich in Deutschland insgesamt immer mehr Menschen ehrenamtlich. „Für den Zusammenhalt der Gesellschaft hat das eine hohe Bedeutung.“ Die Bundesregierung unterstützt das Ehrenamt mit zahlreichen Programmen.

Der vom Bundeskabinett erst kürzlich verabschiedete Zweite Engagementbericht unterstreicht die zentrale Botschaft, dass immer mehr Menschen in Deutschland bereit sind, anderen zu helfen – ob als Trainer im Fußballverein, als Vorlese-Oma in der Kita, als Unterstützung im Seniorenheim, in der Kleiderkammer oder in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe. Je nach Definition des Begriffes „Ehrenamtliches Engagement“ sind derzeit 44 Prozent der Menschen in Deutschland ehrenamtlich aktiv. Das sind gut zehn Prozent mehr als noch vor fünfzehn Jahren. 50 Prozent derjenigen, die sich noch nicht engagieren, sind dazu generell bereit, berichtet Knecht.

Das Engagement ist in seinen vielfältigen Formen sehr unterschiedlich verankert. „Generell engagieren sich Menschen auf dem Land stärker als jene in Städten. Insgesamt hat die Bereitschaft, sich für das direkte Wohnumfeld, die Nachbarschaft, einzusetzen seit Ende der 1990er Jahre deutlich zugenommen“, so Knecht weiter. Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind und den deutschen Pass haben, sind ähnlich häufig engagiert wie Menschen ohne Migrationshintergrund (43,2 Prozent). Bei jenen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren sind, aber keinen deutschen Pass haben, stellt sich das etwas anders dar: Ihr Anteil unter den Ehrenamtlichen beträgt nur 31,1 Prozent.

Der Sachverständigenbericht nimmt auch den demografischen Wandel in den Fokus mit allen Herausforderungen, die er für die Kommunen mit sich bringt. Er geht der Frage nach, wie ehrenamtliche Projekte das Zusammenleben vor Ort stärken können – und was notwendig ist, damit sich mehr Menschen engagieren. Die Sachverständigenkommission hat zudem Vorschläge und Empfehlungen entwickelt, die sich an alle Akteure richten. Demnach ist das Ehrenamt unerlässlich für individuelle Teilhabe, gesellschaftliche Integration, Wohlstand, kulturelles Leben sowie stabile demokratische Strukturen und damit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

In Zukunft ist es laut dem Bericht notwendig, Kommunen in ihrer Politik- und Gestaltungsfähigkeit zu stärken. Das gilt insbesondere für die Bedeutung des Engagements für die Grundversorgung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistung (beispielsweise Öffentlicher Nahverkehr, Lebensmittelgeschäfte). Kommunen sollten die Förderung des Engagements vorantreiben und sich gegenüber innovativen Ideen und Angebotsformen öffnen, um zunehmenden Engpässen entgegenzuwirken. In städtischen Gebieten mit komplexen sozialen Problemlagen sind quartiers- und sozialraumorientierte Ansätze und Konzepte zur Förderung des Engagements und des sozialen Zusammenhalts von hoher Bedeutung. Der vielfältige ehrenamtliche Einsatz von Menschen mit Migrationshintergrund sollte besser wahrgenommen werden, respektiert, einbezogen und gefördert. Dabei kann und sollte – so die Bundesregierung – bürgerschaftliches Engagement zu keinem Zeitpunkt die staatliche Daseinsvorsorge oder den Sozialstaat ersetzen.

Offenbach, so das Fazit Knechts, ist bislang bei der Koordination der Freiwilligen durch das Referat Ehrenamt, das Quartiersmanagement und das Freiwilligenzentrum gut aufgestellt. „Das wurde mir auch in Berlin deutlich gemacht.“ Jüngst erst hatte beispielsweise Kanzlerin Angela Merkel die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Offenbach ausgezeichnet. „Wir müssen diese hervorragende Arbeit aufrechterhalten und weiter ausbauen“, betont Knecht. „Das Ehrenamt genießt in Offenbach eine hohe Stellung. Es ist mir sehr wichtig, für die Menschen da zu sein und sie das auch spüren zu lassen.“

Hintergrund:

Der Bundestag hat die Bundesregierung 2009 beauftragt, einmal in jeder Legislaturperiode einen Bericht zum bürgerschaftlichen Engagement in Deutschland vorzulegen. Die Bundesregierung hat mit der Ausarbeitung des Berichts eine Sachverständigenkommission beauftragt. Der Zweite Engagementbericht ist im Internet zu finden auf: www.zweiterengagementbericht.de/