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Hanna Marie und Hesham Al Jaboori berichten von ihren Erlebnissen
Hanna Marie und Hesham Al Jaboori berichten von ihren Erlebnissen. © Katja Lenz

An langen Bahnen hingen unzählige gemalte Bilder in der Galerie Artycon, die zwischen Dezember und März in der Erstaufnahmeeinrichtung vor allem von geflüchteten Kindern gemalt wurden. Im Zuge der Interkulturellen Woche fand am vergangenen Mittwoch für einen Tag eine bewegende Ausstellung statt, die auch Rahmen für das Erzählcafé mit dem gleichnamigen Titel „Ankunft und Ankommen“ war, organisiert von der Stabsstelle „Offenbach hilft“. Gezeigt wurden ebenfalls einige Plakate der Ausstellung „Flucht.punkt“ der Bildungsstätte Anne Frank.

Beim Erzählcafé lauschten etwa 15 Teilnehmer den Erfahrungen von Hanna Marie, die mit den Geflüchteten gemalt hatte, und von Hesham Al Jaboori, einem irakischen Physikstudenten. Er war vor acht Jahren mit seiner Mutter und den Brüdern nach Deutschland gekommen und hatte in der Erstaufnahmeeinrichtung gedolmetscht. Lachen und Weinen lagen bei beiden Erzählern ganz nahe, die Jörg Engelmann als Moderator behutsam durch den Abend führte. „Die Kommunikation ohne Sprache war kein so großes Problem, wie ich zunächst dachte“, erzählte Hanna Marie. Sie stellte fest, dass die Kinder das Malen der Bilder als Ventil nutzten. Teilweise entstanden ganz düstere Motive, aber auch sehr bunte Bilder, mal sehr abstrakt, mal ganz detailgenau. Über ihr ehrenamtliches Engagement hat sie nach wie vor enge Kontakte zu einer jungen Somali, deren Tochter nun Hanna heißt. „Ich habe zugleich viel Zuneigung, aber auch Trauer bei den Abschieden erfahren.“   

Ein Besucher betrachtet die Ausstellung "Ankunft und Ankommen"
Ein Besucher betrachtet die Ausstellung "Ankunft und Ankommen". © Katja Lenz

Physikstudent Hesham Al Jaboori hat in den vergangenen acht Jahren in Deutschland vor allem Hilfe, Zuspruch und Unterstützung erhalten und nach und nach alle Schulabschlüsse absolviert, um seinen Traum vom Studium wahr werden zu lassen. Bis es soweit war, floh die Familie – der Vater wurde im Irak ermordet – über Syrien nach Deutschland. Ziel war eigentlich Holland, doch der Zufall führte sie als erstes nach Dortmund. Dort war die Familie eine Station zu spät aus dem Zug gestiegen und dann kam ein großer gepiercter Mann in Lederkleidung auf sie zu. „Das war ein Engel“, sagte Al Jaboori zur allgemeinen Verwunderung. „Er hat uns geholfen, in die Erstaufnahme zu gelangen, indem er einen arabisch sprechenden Taxifahrer für uns aufgetrieben hat.“ Eine weitere sehr positive Erfahrung war die Frau auf dem Fahrrad, die freundlich „Guten Morgen“ rief. „Das hatten wir seit Jahren weder im Irak noch in Syrien erlebt, dort drohten immer Prügel und Verhaftung.“
Al Jaboori betont: „Offenbach ist wunderschön. Die herzlichen Menschen und das viele Grün haben mich gleich begeistert.“ Dem damals 21jährigen wurde nur in Offenbach die Möglichkeit geboten, das Fachabitur zu machen, denn er war eigentlich schon zu alt. „Das Wichtigste ist, das deutsche Schulsystem zu begreifen und Deutsch zu lernen“, das sind seine Erfahrungen. „Gleichberechtigte Wertschätzung erfolgt nur über Sprache“, sagt er im perfekten Deutsch und bezeichnet sich selber als ein Produkt des Landes. „Mir sind die deutschen Werte wichtig, deswegen möchte ich auch Deutscher werden.“ Und auch das wird ihm sicherlich gelingen.