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Das Freiwilligenzentrum lädt monatlich ein zu einem Spaziergang oder einer Fahrradtour. Mit „Ich zeig dir meine Stadt“ sollen die Teilnehmer Offenbach aus neuen Blickwinkeln kennen lernen, die ihnen Offenbacher verschiedener Herkunft und Alter zeigen und zwar ganz persönlich. Es ist keine klassische Stadtführung, die Spazierführer wählen drei bis vier für sie besondere Orte aus, mit denen sie eine besondere Geschichte verbindet.

Oh là là, haben sich sicher einige der Teilnehmer des dritten Spaziergangs unter dem Motto „Ich zeig dir meine Stadt“ gedacht: es gibt ganz schön viel Französisches in Offenbach zu entdecken. Gezeigt hat dies Elisabeth Knösel, Französin, 1983 wegen der Liebe nach Deutschland gekommen und seit ihrem Ruhestand 2009 überzeugte Offenbacherin. „Ich wollte in der Großstadt leben und Kontakt zu Menschen haben, das habe ich hier gefunden“, sagt sie.
Der Treffpunkt von Elisabeth Knösels zweistündiger Tour war die Veteranenwerkstadt von Hannes Fischer an der Berliner Straße. Nur noch bis März wird er an dieser Stelle vor allem alte französische Autos reparieren und aufbereiten. Über eine Anzeige lernten sich Elisabeth Knösel und Hannes Fischer kennen, denn er wollte Französischunterricht nehmen, um es leichter bei telefonischen Bestellungen von Ersatzteilen zu haben. Seitdem gibt sie ihm Unterricht, aber auch ihren Renault vertrauensvoll in seine Hände.

Veteranenwerkstadt von Hannes Fischer
Die Veteranenwerkstadt von Hannes Fischer © Katja Lenz

In der Werkstatt waren zwei „Enten“ zu bewundern, eine solche war auch das erste Auto von Hannes Fischer zu seiner Studentenzeit. Nachdem er mit seinem zweiten Wagen, einem Käfer, in einen Straßengraben gelandet war, war er auf französische Autos abonniert. An den alten Autos musste aber immer geschraubt und Ersatzteile besorgt werden. Bald versorgte er auch Freunde und Bekannte mit Teilen, machte dies zu seinem Beruf und bis zur Eröffnung einer Werkstatt war es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Ehrenamtliches Engagement

Das nächste Ziel des Spaziergangs war das Freiwilligenzentrum in der Domstraße. Hier hatte sich Elisabeth Knösel bereits 2009 gemeldet auf der Suche nach Kontakten und Beschäftigung, vermittelt das Zentrum doch interessierte Menschen in bürgerschaftliches Engagement. Nach zwei Einsätzen in Projekten hat Elisabeth Knösel jedoch ihre Berufung als Beraterin gefunden. Sie ist regelmäßig im Freiwilligenzentrum erreichbar, um die vielfältigen Möglichkeiten des Engagements aufzuzeigen und für Interessierte das Richtige zu finden. „Man kommt mit vielen Menschen in Kontakt und in Offenbach läuft man sich auch immer wieder über den Weg“, sagt sie.

Das Freiwilligenzentrum Offenbach
Die Räume des Freiwilligenzentrums Offenbach © Katja Lenz

Durch die Bernardstraße und den Büsingpark ging dann vorbei am Büsing Palais in die Herrnstraße und überall sind französische Spuren zu entdecken. Peter Bernard und sein Schwiegersohn Johann Georg d´Orville ließen Mitte des 18. Jahrhunderts ein Herrenhaus errichten, Vorläufer des heutigen Büsing Palais. Die Schnupftabak-Fabrikanten entstammten Hugenottenfamilien, die seit 1699 in die Stadt kamen und dazu beitrugen, Offenbach von einem Fischerdorf zu einem Industrieort zu entwickeln.

Das Gemeindehaus der Französisch-reformierten-Gemeinde
Gemeindehaus und Garten der Französisch-reformierten-Gemeinde © Katja Lenz

Das Gemeindehaus der Französisch-reformierten-Gemeinde, eines der ältesten Gebäude der Stadt mit einem sehr idyllischen Garten, war das nächste Ziel. Diakon Joachim Becker-Bergemann empfing die Gruppe, zeigte den Gemeindesaal und die nahe gelegene Kirche. Etwa 300 Mitglieder hat die Gemeinde, um dazu zu gehören, muss man aktiv beitreten. Elisabeth Knösel ist selber kein Gemeindemitglied, hat aber Ehrenamtliche zur Pflege des Gartens vermittelt. Das Zentrum hat auch mehrfach Feiern im Gemeindehaus abhalten können und Elisabeth Knösel genießt es, mit Pfarrer Schneider-Trotier auf Französisch zu sprechen.

Zum Abschluss genoss die Gruppe in der Weinhandlung „Tour des Vins“ in der Domstraße einen prickelnden Crémant und einen wunderbaren Rotwein. Beides bevorzugte Produkte von Elisabeth Knösel, sie ist hier seit 2009 Stammkundin. Doch Inhaber Josef Zorn verriet, dass sie auch spanische Rotweine gerne mag.  

Weinhandlung „Tour des Vins“
© Katja Lenz