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Treffpunkt der jüngsten Stadtführung des Freiwilligenzentrums im Rahmen des Projekts „Ich zeig dir meine Stadt“ war Samstag vor der Theodor-Heuss-Schule. Tung Nam Dang, ein 23jähriger Wirtschaftsstudent mit vietnamesischen Wurzeln erklärte den Grund: Samstags ist die berufliche Schule der Ort der Vietnamesischen Schule, an der er selber zwei Jahre verbracht hatte.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch den vietnamesischen Kulturverein, stellte die Gruppe bei einem kleinen Einblick in den Unterricht fest, dass Vietnamesisch in lateinischer Schrift geschrieben wird, ein Überbleibsel aus der französischen Kolonialzeit. Zur Verdeutlichung dieser klangvollen Sprache, bei der es sehr auf die richtige Betonung der Buchstaben ankommt, hatten Schülerinnen einige Sätze an die Tafel geschrieben, so auch unter großem Gekicher „Ich esse gerne Hundefleisch“, was aber die junge Dame von sich wies. Auch erhielt die Gruppe einige Erläuterungen zu Tai Chi, denn parallel zum Sprach- und Kulturunterricht findet in der Schule ein für alle Interessierten offener Kurs statt.

Der Titel der Tour „Von Ost nach West“ hat auch mit der Familiengeschichte von Tung Nam Dang zu tun. Die Mutter stammt aus Nord-Vietnam, der Vater aus dem Süden, und kennen gelernt haben sie sich an der Universität in Moskau. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands ging das Paar nach Dresden, wo 1993 Tung Nam Dang in einem Asylbewerberheim zur Welt kam. Als Achtjähriger kam er dann mit seiner Familie nach Offenbach. 

Richtung Westen bewegte sich auch die Gruppe, indem sie per Bus in die Innenstadt fuhr. Der Citytower war für den kleinen Jungen das erste, was er von Offenbach zu sehen bekam. Noch einige Tage in der neuen Heimat glaubte er, wegen der Hochhäuser in Frankfurt zu sein, wie es der Vater zunächst angekündigt hatte. Mit den Namen hat es in der vietnamesischen Community seine Besonderheit: Nam ist der Rufname, die Eltern hatten besonders darauf geachtet, dass er für europäische Zungen leicht auszusprechen ist. Bei vielen Familien ist es inzwischen üblich, dass die Kinder europäische und vietnamesische Vornamen erhalten, die beide im Pass stehen.

Weiter ging es in die Herrnstraße zum SPD-Parteibüro. Denn Tung Nam Dang engagiert sich sowohl bei den Jungsozialisten als auch im Ortsverein Innenstadt. Seit dem Abitur ist er Mitglied in der SPD, ein politisches Vorbild war sein damaliger Politiklehrer Felix Schwenke. Einem weiteren Vorbild begegnete die Gruppe weiter westlich in der katholischen Kirche St. Paul, dem ehemaligen Pfarrer Sohns. Etwa sieben Prozent der vietnamesischen Bevölkerung ist katholisch, so wie Tung Nam Dang und sein Vater. Die Mutter ist eher spirituell orientiert, doch die klassische Ahnenverehrung spielt in der Familie nach wie vor eine große Rolle.

St. Paul ist die älteste katholische Kirche in der Stadt, sie musste allerdings nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut werden. Stolz ist die Gemeinde auf ihre restaurierte Orgel und die regelmäßigen Orgelkonzerte mit Kirchenmusiker Olaf Joksch. Den Abschluss fand die Tour im Allerweltscafé von St. Paul bei vietnamesischen Obst- und Krabbenchips sowie Litschisaft.