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Stadt Offenbach

Offenbacher Stadtbibliotheken setzen auf Leseförderung

11.08.2026 – Die Zahl der jungen Leserinnen und Leser zwischen zehn und 15 Jahren ging im vergangenen Jahr stark zurück – laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels um rund 30 Prozent. Das Team der Offenbacher Stadtbibliotheken beobachtet das Leseverhalten von Jugendlichen täglich und gibt Einblicke in aktuelle Entwicklungen.

Eintauchen in andere Welten: Der Sommer lädt zu Musestunden zwischen Buchdeckeln ein.

„Lesekompetenz sinkt, Handlungsbedarf wächst“ titelt der Börsenverein in seiner Pressemitteilung. Dieser Ansicht ist auch die Leiterin der Offenbacher Kinderbibliothek Swantje Marschhäuser. „Auf Leseförderung liegt bei uns schon immer ein starker Fokus“, sagt sie, denn die Lesekompetenz von Jugendlichen nehme seit Jahren ab. „Viele Schulkinder können beim Übergang in die weiterführende Schule altersgerechte Texte nicht flüssig lesen.“ Eltern, die ihren Kindern nicht vorlesen und die Digitalisierung haben dazu geführt, dass vielen Jugendlichen Lesevorbilder sowie die Konzentrationsfähigkeit und das Durchhaltevermögen fehlen. Um diesem Trend entgegenzuwirken bietet die Offenbacher Kinderbibliothek Angebote für alle Altersgruppen an – von den „Bücherbärchen“ für Babys über Manga Zeichen-Workshops bis zum Sommerleseclub Buchdurst, der noch bis zum 23. August läuft.

Die sinkende Lesekompetenz spiegelt sich auch in der Art der ausgeliehenen Bücher wider: Mangas, Comics und Medien mit geringem Textanteil sind bei Offenbacher Jugendlichen besonders beliebt. Darunter sind Reihen wie „Gregs Tagebuch“, „Avatar: Der Herr der Elemente“ oder „Naruto“. Marschhäuser beobachte zudem, dass sich diese Altersgruppe bei ihrer Buchauswahl nicht nur an Filmen und Serien orientiere, sondern auch an Videospielen: „Zu dem Spiel ‚Minecraft‘ haben wir Romane oder Sachbücher darüber, wie man etwas konstruiert“, so Marschhäuser.

Viellesende Jugendliche lassen sich oftmals in den sozialen Medien inspirieren. „In TikToks und Reels kommen Bücher mit einem schön gezeichneten Cover besonders gut an“, sagt Lara-Celine Heinl, die für die Offenbacher Stadtbibliothek Jugendbücher einkauft. Eine Gefahr sieht sie besonders in der Sparte Romance, die zwar zu dem Genre „Young Adult“ für 12 bis 18-jährige gehöre, aber eigentlich für Erwachsene geschrieben sei: „Was aussieht, als wäre es eine wunderbare Geschichte, ist in vielen Fällen deutlich expliziter, als ich es mir für einen Teenie wünschen würde. Toxische Handlungen werden nicht altersgerecht aufgeschlüsselt und erklärt.“ Viele Eltern seien sich nicht darüber im Klaren, ob das ausgeliehene Buch jugendfrei sei oder nicht.

Heinl beobachte zudem, dass Erwachsene wieder zu den Teenie-Büchern greifen und Teenies zu den Erwachsenenbüchern. „Das ist eine ganz komische Verschiebung.“ Während Jugendliche Jugendbücher teilweise sogar überspringen und nach den Kinderbüchern direkt Erwachsenenbücher ausleihen, würden Erwachsene gerne seichte Lektüre lesen und sich für Folgebücher der ihnen bekannten Autorinnen und Autoren interessieren. Im vergangenen Jahr war möglicherweise aus diesem Grund „Tribute von Panem – Der Tag bricht an“ das am meisten ausgeliehene Jugendbuch. Es ist der fünfte Band aus der Panem-Reihe von Suzanne Collins. 

Trotz sinkender Ausleihzahlen gebe es immer noch Jugendliche, die viel lesen. Beliebt seien nach wie vor Reihen wie „Die drei ???“ sowie die Genres Fantasy und Romance. Action-, Thriller- und Kriminalgeschichten kommen laut Heinl bei Jugendlichen ebenfalls gut an. „Oft verlaufen die Geschichten ähnlich: In der Kleinstadt stirbt jemand und eine Schülerin möchte herausfinden, was passiert ist“. „A Good Girl’s Guide to Murder“ sei dafür ein gutes Beispiel. 

In Offenbacher Bibliotheken liege ein besonderer Fokus auf vielfältige und diskriminierungssensible Perspektiven, so Swantje Marschhäuser. Bücher sollen zum Beispiel auch aus Sicht von Schwarzen Menschen oder Transpersonen geschrieben sein. In Bilderbüchern sollen auch Frauen mit Hijab und Kinder im Rollstuhl gezeigt werden. „Offenbach ist eine vielfältige Gesellschaft und da soll sich jede und jeder wiederfinden“, sagt Marschhäuser.

Die Angebote zur Leseförderung zeigen immer wieder kleine Erfolgsgeschichten. Marschhäuser erzählt von einem Jugendlichen, der auch als Teenager noch gerne in die Kinderbibliothek gehe. „Er kommt mit seinen Freunden hierher, um die Formulare für den Sommerleseclub Buchdurst auszufüllen. Und ich bin mir sicher, dass er am Ende wieder mit seiner ganzen Familie zur Abschlussfeier kommt. Das ist nachhaltige Leseförderung.“

Sommerleseclub Buchdurst für Schülerinnen und Schüler der Klassen 4 bis 9

Lesen, bewerten, gewinnen – während der Sommerferien können sich Kinder und Jugendliche der Klassen 4 bis 9 drei Bücher, Comics oder Mangas ausleihen und bewerten. Am 23. August um 11 Uhr ist die Abschlussparty, auf der die Schülerinnen und Schüler Preise fürs Lesen gewinnen können.

Interessierte füllen zunächst ein Anmeldeformular aus und werden Clubmitglied. In der Stadtbibliothek oder am Bücherbus kann dann die Lese-Log-Karte abgeholt werden, in der für jedes gelesene Buch ein Stempel gesammelt wird. Zum Lesen und Bewerten der drei Bücher haben die Teilnehmenden Zeit bis Samstag, den 15. August.

Der Sommerleseclub Buchdurst steht in Kooperation mit dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm und Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

  • 10.06.2026 Sommerleseclub Buchdurst 2026 startet

    Sommerleseclub Buchdurst 2026

    Der Sommerleseclub Buchdurst ist im Juni gestartet. Bis 23. August könnt Ihr Euch lesend tolle Preise gewinnen!

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