Inhalt anspringen

Stadt Offenbach

Gesundes auf die Ohren

Offen & vereint für unsere Stadt: Ehrenamt in Offenbacher Vereinen

An dieser Stelle präsentiert die vhs Gesichter und Geschichten aus Offenbacher Vereinen – die nicht jede/r kennt. So soll die oft ehrenamtliche Arbeit dieser Vereine und ihre große Bedeutung für die Stadtgemeinschaft sichtbar werden. Diesmal: Radio Brinkmann im Sana Klinikum.

Manchmal ändern sich Dinge plötzlich und unerwartet – auch wenn sie vorher sehr lange Bestand hatten. So wie bei „Radio  Brinkmann“ im Sana Klinikum, das in diesem Jahr 30 Jahre alt wird und das wir Ihnen hier vorstellen. Leider ist aus dem Porträt ein Nachruf geworden: Gerade traf bei den Verantwortlichen überraschend eine Mittei-lung der Klinikleitung über das Aus des Offenbacher Klinikradios ein.

Das Offenbacher Sana Klinikum ist eines der wenigen Krankenhäuser, die einen eigenen Radiosender haben: Radio Brinkmann sendet dreimal in der Woche live für die Patientinnen und Patienten. Wer will, kann in dieser Zeit auch persönlich im Senderaum im Klinik-Foyer vorbeischauen, sich Musik wünschen, Patientinnen und Patienten grüßen lassen. Oder ehrenamtlich mitmachen. 

Einmal kam eine junge Frau herein. Sie hatte ihren an Krebs erkrankten Vater besucht, mit ihm zusammen das Klinikradio gehört und wollte sich für das schöne Programm bedanken. „Du bist der beste Papa der Welt“, ließ sie ihren Vater über den Sender  wissen und suchte dann seine Lieblingsmusik aus. So erlebte der Kranke eine sehr glückliche Stunde – wenige Tage, bevor er starb.

Die beiden Moderatoren Rüdiger Eiermann (li.) und Werner Lapp vor der Studiotür.

Eine Sternstunde für Werner Lapp, der das Patientenradio 1995 – vor 30 Jahren – mit seinem Sohn Sascha zusammen gegründet hat. Er ist einer von 12 Moderatoren und Moderatorinnen zwischen 30 und 77 Jahren, die den Sender komplett ehrenamtlich betreiben. Ein Budget gibt es nicht. Neue Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen. Nach einer kurzen technischen Einführung kann jeder  loslegen, der frei reden kann und Spaß am Umgang mit Menschen hat. Je nachdem, wer gerade „Dienst“ hat, klingt die Musik anders – jede/r darf die eigenen Lieblingssongs spielen und nach eigenem Gusto plaudern. Mal sind es Oldies, Country, Beatles und Co., mal Schlager oder Deutschrock, mal Klassik, mal aktuelle Popmusik.

Eines aber eint sie alle: Ihre Musik soll melodisch sein und das Gefühl ansprechen, sie soll entspannen, beruhigen, unterhalten, ohne anstrengend zu sein. „Hardrock geht bei uns nicht“, sagt Rüdiger Eiermann – auch er schon seit vielen Jahren im Team. „Auch Spiel mir das Lied vom Tod wäre nicht so ideal.“ Ideal ist dagegen ein Song wie Helene Fischers „Ich geb nie auf“.

Die „Schaltzentrale“ des Radio Brinkmann.

Lachen ist Medizin

Auch die Geschichten dazwischen, die Anekdoten, Interviews und Gespräche mit Studiogästen sollen aufmuntern. „Ich würde es gern schaffen, die Patienten vor Lachen aus dem Bett fallen zu lassen“, sagt Rüdiger Eiermann. Natürlich nicht allzu hart, denn das Radioprogramm soll zur Heilung beitragen.

In den 2.584 bisherigen Livesendungen haben schon viele Promis für gute Laune gesorgt, Jörg Bombach etwa oder die Jacobs Sisters und die Amigos. Demnächst kommt  Ciro, der bekannte Pizzabäcker aus Eppertshausen, ins Studio. Und vielleicht Bodo Bach. „Wir sind ein Sender ohne Werbung, ohne Staumeldungen und ohne schlechte Nachrichten“, hebt Eiermann die Besonderheiten von Radio Brinkmann hervor. „Die Kickers-Ergebnisse geben wir aber durch“, fügt Lapp augenzwinkernd hinzu.

„Wenn wir nur einen am Abend glücklich machen können, lohnt sich der Sender!“

Rüdiger Eiermann und Werner Lapp

Und wer ist Herr Brinkmann, der Namensgeber? „Den kennt heute nicht mehr jeder, das war ein bekannter Fernseharzt aus der Schwarzwaldklinik.“ In früheren Jahren hat das Radio Brinkmann auch jährlich eine Weihnachtsfeier organisiert – im Kolpinghaus mit Fahrdienst, Essen, Trinken und Bühnenprogramm für alle: Alte, Bedürftige, Wohnsitzlose. Auf Spendenbasis, mit Unterstützung von Offenbacher Geschäften und Gastronomien. Irgendwann ließ das ehrenamtliche Engagement nach, die beteiligten Zivis traten ins Berufs-leben ein und das Radio beschränkte sich wieder auf sein „Kerngeschäft“. Einen anderen Rückschlag erlebte der Sender beim Umzug vom Alt- in den Neubau. Als die sorgfältig verpackte Ausstattung in die neuen Räume gebracht werden sollte, war alles gestohlen worden. Das Radio musste wieder bei null anfangen. Nach einem Spendenaufruf in der Offenbach Post finanzierte die Löwen-Apotheke das gesamte neue Equipment – und Inhaberin Franziska Höfer war in der nächsten Sendung dabei.

Die Kaffeekasse in Form eines Schweinchens.

Wie viele Zuhörende das Radio hat? Bis 2023 waren es jedes Mal 200 bis 300, schätzen Lapp und Eiermann. Dann kam die Digitalisierung vor zwei Jahren, bei der das Klinikradio, das vorher auf Kanal 1 des Klinik-Programms sendete, schlicht und einfach vergessen wurde. Als das Versäumnis auffiel, quetschte man den Sender nachträglich auf Kanal 50 wieder ins Programm, versteckt zwischen lauter Fernsehkanälen. Seitdem hat sich die Zahl der Zuhörenden stark verringert – „die Patienten, vor allem die älteren, finden uns oft nicht mehr“. Die Radiomacher hoffen, dass sich das bald wieder ändert. Auch wenn sie sich einig sind: „Wenn wir nur einen am Abend glücklich machen können, lohnt sich der Sender!“

Steckbrief

Unser Name:

Radio Brinkmann – Patientenradio im Sana Klinikum Offenbach

Unser Team für OF:

12 ehrenamtliche Moderatorinnen und Moderatoren zwischen 30 und 77 – „ein wilder Haufen Gleichgesinnter“.

Wir sind für alle da, die ...

… als Patientinnen und Patienten, Besuchende, Mitarbeitende im Klinikum sind. Die Studio-Tür ist bei Livesendungen für alle offen.

Hier erreichen Sie uns und erfahren mehr:

https://www.sana.de/offenbach/gut-zu-wissen/fuer-patienten/radio-brinkmann

So können Sie uns unterstützen:

Weitere Moderatorinnen und Moderatoren sind willkommen, aber auch andere ehrenamtliche Unterstützung: etwa für eine  Neugestaltung des Studios, für Werbung oder Organisatorisches bis hin zum Aufschließen für Reinigungskräfte. Und wer persönlich vorbeikommt, kann gern einen Beitrag in der Kaffeekasse hinterlassen.

Text: Dr. Lena Lindhoff, www.textreich.net


Newsletter abonnieren

Bleiben Sie mit dem Newsletter der vhs Offenbach informiert über spannende Themen rund um Wissen teilen, Leute treffen und sich weiterbilden.

Jetzt abonnieren

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise