Offenbach zum Blühen gebracht / Sophie Siebel hat das Staudenprojekt mit angestoßen und geht jetzt in den Ruhestand
15.12.2025
Offenbach ist in den vergangenen Jahren aufgeblüht: Wo früher eintönige Grasflächen wuchsen oder Brachen lagen, sprießen jetzt an vielen Stellen Frühblüher oder stehen Blumen, am Büsingpark wachsen bunte Beete mit Gräsern und Zierpflanzen. Seit fünf Jahren läuft zudem in der Stadt das Staudenprojekt des Stadtservices der Stadtwerke Offenbach, das am augenfälligsten auf den Mittelstreifen der Haupteinfallstraßen entlang des Rings und der Mühlheimer Straße ist. Hier wachsen jetzt von März bis zum ersten Frost Blühpflanzen und attraktive Gräser. Angelegt wurden alle Beete und Projekte vom Team des Grünwesens der Stadtwerke Offenbach, an der Mühlheimer Straße in Kooperation mit dem Amt für Planen und Bauen. Sophie Siebel, die diese Projekte maßgeblich in Verantwortung vorangebracht und betreut hat, geht in den Ruhestand.
„Vieles habe ich sehr gerne in meinem Berufsleben gemacht – aber in das Staudenprojekt habe ich sehr viel Herzblut investiert“, sagt sie. „Ich wollte immer, dass die Bürgerinnen und Bürger ein gutes Bild vom Grünwesen der Stadtwerke haben und ich denke, dass das spätestens mit den blühenden Grünstreifen und Beeten gelungen ist. Jedenfalls haben wir als Abteilung sehr viel Lob dafür bekommen, besonders auch die Gärtnerinnen und Gärtner, die draußen arbeiten.“
Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sophie Geyer war Sophie Siebel Projektleiterin für die Staudenbeete. Diese wurden angelegt, um mehr attraktive Vielfalt in den städtischen Raum zu bringen, für die Menschen ein Blickfang und für Insekten und Kleinlebewesen ein Nahrungsangebot und Lebensraum.
Pflanzen gehörten schon immer ins Leben von Sophie Siebel, die auf einem Bauernhof in der Gegend des polnischen Oppelns aufgewachsen ist. Mit einem Gesellenbrief als Landwirt (die weibliche Form gab es nicht) und einem Abschluss als Techniker der Fachrichtung Pflanzen- und Tierzucht, aber ohne Sprachkenntnisse, kam sie als 20-jährige Spätaussiedlerin 1979 im deutschen Übergangslager Friedland an. Nach einem achtmonatigen Intensivsprachkurs und einem einjährige Sonderlehrgang zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife machte sie auf Deutsch das Abitur.
Ein Jahr Praktikum in einer Gärtnerei schloss sie an – die Voraussetzung für den Studiengang Landwirtschaft. Als Diplom-Ingenieurin Gartenbau kam sie 1987 nach Offenbach, wo sie nach anderen beruflichen Stationen zur damaligen städtischen GOAB Gemeinnützige Offenbacher Ausbildung- und Beschäftigung GmbH wechselte, und benachteiligte Jugendliche ausbildete.
2002 stieß sie dann zum Grünwesen der Stadtwerke als Sachgebietsleiterin für die Städtischen Friedhöfe. Als das städtische Grünwesen mit dem der Stadtwerke zusammengelegt wurde, bekam Sophie Siebel unter anderem auch die Verantwortung für die Vergabe von Arbeiten an Firmen und das Grün auf städtischen Spielplätzen übertragen. In den folgenden Jahren hat sie überall an einem attraktiven Stadtbild gearbeitet: Sie hat die Beseitigung von Vandalismusschäden im Offenbacher Wetterpark veranlasst, die Umwandlung von Pfützenpisten in gepflegte Kieswege in Auftrag gegeben, Weiher reinigen und im Frühjahr wieder sprudeln lassen oder Blumenzwiebelsteckmaschinen über öde Rasenflächen fahren lassen, damit hier im Frühjahr Blütenteppiche entstehen. Das alles hat sie nicht nur vom Schreibtisch aus beauftragt. Sie war viel vor Ort, schaute selbst nach, ob alles richtig gemacht wurde, brachte Fachwissen ein, ließ nachbessern oder verteilte Lob.
Besonders gerne hat sie mit den Auszubildenden der Stadtwerke gearbeitet. Auch wenn diese aus anderen Ausbildungsgängen kamen und nur mal in das Grünwesen für wenige Wochen hineinschnupperten – bei Sophie Siebel konnten sie vieles lernen, das über die Pflanzenpflege hinausging: Strukturiertes Arbeiten, Zielstrebigkeit, Sorgfalt - vor allem aber auch gutes Miteinander, Kollegialität, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Empathie. „Ich habe unseren Auszubildenden immer viel zugetraut und das hat auch fast immer funktioniert“, sagt sie rückblickend, zu vielen habe sie auch heute noch Kontakt.
Künftig wird sich Sophie Siebel um den eigenen Garten und um ihre Bienenvölker kümmern, lesen, reisen und Gitarre spielen lernen.
Foto: Sophie Siebel inmitten „ihrer“ Stauden. Copyright: Stadtwerke Offenbach.