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Stadt Offenbach

#saytheirnames: Stadt Offenbach erinnert an den rassistischen Anschlag in der Nachbarkommune Hanau

18.02.2026

Am 19. Februar 2020 wurden neun Menschen im benachbarten Hanau Opfer eines fremdenfeindlichen Anschlags. Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov starben, weil sie anderer Herkunft waren. Zufällig ausgewählt, innerhalb von sechs Minuten erschossen von einem deutschen Einzeltäter mit rassistischem Weltbild. Sechs Jahre sind seitdem vergangen, mit dem Hashtag #saytheirnames wird diese Tat und werden die Opfer seitdem in Erinnerung gehalten. 

„Diese Tat erschüttert mich heute noch. Die Angehörigen der Opfer werden diesen Tag nie vergessen – und auch wir als Gesellschaft müssen die Erinnerung daran wachhalten. Zumal solche Taten in Deutschland kein Einzelfall sind“, sagt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke mit Blick auf die Polizeistatistik. So reiht sich Hanau ein in die Anschlagsserie des NSU zwischen 2000 und 2007, den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke 2019 oder den Anschlag auf die Jüdische Gemeinde in Halle 2019. Allein im vergangenen Jahr zählte die Polizei zwischen Januar bis September 2025 fast 28.000 politisch rechts motivierte Straftaten, darunter 991 Gewaltdelikte (Quelle: Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage von Abgeordneten vom 11. November 2025). “Diese Zahlen zeigen: Rassismus und Antisemitismus sind keine Randphänomene, sondern werden mit Diskussionen über ,Remigration‘ und ,Überfremdung’ von einigen sogar gezielt befeuert. Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gerät zunehmend unter Druck und wir müssen gegenhalten und unser friedliches Zusammenleben verteidigen”, so Schwenke. 

Offenbach gilt seit langem schon als “Integrationsmaschine”, als weltoffene Stadt, die Menschen jedweder Herkunft beim Ankommen unterstützt und ihnen eine neue Heimat gibt. Manchen schon in zweiter oder dritter Generation. Ihre Eltern kamen ins Rhein-Main-Gebiet, weil die deutsche Wirtschaft Arbeitskräfte brauchte. Andere kamen, weil sie aus politischen Gründen verfolgt wurden oder weil Krieg, Hunger oder Vertreibung sie zwangen, ihre Heimat zu verlassen. „Wer Schutz bei uns sucht, muss sich hier sicher fühlen können. Gleichzeitig erwarten wir selbstverständlich, dass sich alle Menschen bei uns integrieren, sich zu unserer gesellschaftlichen Ordnung bekennen, Deutsch lernen, hier arbeiten und unsere Werte und unsere Art zu leben respektieren “, so Schwenke weiter. Denn, wenn unterschiedliche Menschen zusammenleben, sei das sehr oft eine Bereicherung, gleichzeitig aber auch immer eine Herausforderung im Alltag. „Menschen haben nun mal unterschiedliche Meinungen, sie bewerten Dinge vielleicht anders und legen andere Schwerpunkte in ihrem Leben – dabei spielen Prägung und soziale Herkunft häufig eine große Rolle und das ist erst einmal etwas völlig Normales.“ Das Miteinander funktioniere gut, wenn alle Teile der Gesellschaft bereit seien, andere Meinungen – so unerträglich sie auch seien – auszuhalten. Niemals aber dürfe der Respekt gegenüber einem anderen Menschen verloren gehen – gleichgültig, wer die Person sei, wie sie aussehe oder woher sie komme. Denn damit begännen die Probleme: „Wo es keinen Respekt mehr gibt, ist auch Gewalt nicht mehr weit weg – und dann werden die absolut roten Linien unseres demokratischen und friedlichen Zusammenlebens überschritten.“  

Dem Überschreiten roter Linien, den Drohungen und der Gewaltverherrlichung im realen Leben werde oft im anonymen Internet der Boden bereitet. „Das Internet ist kein Hort der Glückseligkeit, sondern auch ein Ort für Populisten, Demagogen und nicht zuletzt Fake News. Gezielt wird auf TikTok und Co. gehetzt und zu Straftaten angestachelt“, gibt OB Schwenke zu bedenken. Die Stadt Offenbach setzt dieser Entwicklung unterschiedliche Bildungs-, Begegnungs- und Beratungsangebote entgegen, um insbesondere Jugendliche zu erreichen. Beispielhaft zu nennen sind die Projekte zur Gewaltprävention in den Offenbacher Schulen und der „Partnerschaft für Demokratie“. 

Eine besondere Gelegenheit bietet in diesem Jahr außerdem die „World Design Capital“ in der Region Frankfurt RheinMain. Unter dem Titel „Design for Democracy. Atmospheres for a better life" können seit Januar neue und nachhaltige Antworten auf die Gestaltung des Zusammenlebens gesucht und ausprobiert werden. In Offenbach und natürlich auch in Hanau laden zahlreiche Veranstaltungen beispielsweise in den Museen, aber auch an anderen Orten zu Begegnungen ein. „Der Hashtag #saytheirnames erinnert seit 2020 an die Toten aus Hanau. Er ist eine Mahnung an alle, hinzuhören und Ausgrenzungen entschlossen zu begegnen - wo auch immer sie ausgesprochen oder gezeigt werden.“ 

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