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Stadt Offenbach

#weremember: 81 Jahre Auschwitz-Befreiung/ Erinnerung und Mahnung

26.01.2026

Nach einer Erhebung der Jewish Claims Coference lebten im Januar 2024 weltweit noch rund 245.000 Holocaust-Überlebende. Die Zahl wird jährlich kleiner, so starb etwa im Mai vergangenen Jahres mit Margot Friedländer eine der bekanntesten Holocaust-Überlebenden, die ihr Leben bis zuletzt der Aufklärung über die Verbrechen der Nationalsozialisten gewidmet hatte, im Alter von 103 Jahren. Auch die anderen überlebenden Jüdinnen und Juden sind inzwischen betagt, gleiches gilt auch für Roma und Sinti, Homosexuelle und sogenannte Asoziale, die in den Konzentrationslagern ausgebeutet und systematisch getötet wurden. Majdanek, Buchenwald, Treblinka, Bergen-Belsen, Dachau, Ravensbrück - diese und weitere Namen stehen, ebenso wie der wohl bekannteste Name, Auschwitz, für einen beispiellosen Rassenwahn, dem bis zur Kapitulation Nazi-Deutschlands mindestens 14 Millionen zum Opfer fielen. Durch vergasen, erschießen, medizinische Experimente, Zwangsarbeit, Hunger. 

Auschwitz ist zum Synonym für die industrielle Vernichtung geworden, der rund 191 Hektar große Lagerkomplex umfasste das Konzentrationslager, das Vernichtungslager Birkenau, das Konzentrationslager Monowitz sowie weitere 50 Außenlager und befand sich auf dem vom Deutschen Reich annektierten Teil Polens. Bis zur Befreiung des Lagers durch die sowjetischen Truppen am 27. Januar 1945 starben dort schätzungsweise 1,1, bis 1,5 Millionen Menschen. 7.600 Gefangene, die meisten von ihnen in einem erbärmlichen körperlichen Zustand, konnte die 322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin an diesem Tag dort noch befreien. In den Tagen zuvor hatte die SS das Lager evakuiert und etwa 58.000 Menschen auf Todesmärsche Richtung Westen geschickt. 

Ähnlich verfuhren die Machthaber auch in den anderen Lagern, die sich im gesamten Reichsgebiet befanden. Insgesamt 24 KZ-Stammlager gab es, hinzu kamen mehr als 1.000 Außen- oder Nebenlager sowie Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager. Bekanntermaßen auch in Offenbach. Hier arbeiteten rund 6.000 arbeiteten Menschen aus Polen, Russland, Frankreich, Holland, Italien und anderen Ländern in mindestens 42 Fabriken, darunter Fredenhagen, Hassia, Heyne, IG Farben, Lavis und Rowenta. Untergebracht waren sie fabriknah in 37 eigenen Lagern, die über die ganze Stadt verteilt waren.

Aus der Erinnerung wächst Verantwortung 

„So sieht es aus, wenn man seine Meinung nicht mehr sagen darf. Wenn heute Leute behaupten, man dürfe seine Meinung nicht mehr frei sagen, ist das unfassbar ignorant. Das verletzt im Grunde die Würde der Opfer von damals. Man muss heute eben auch Widerworte aushalten können und darf nicht glauben, man kann jeden Mist ohne Kritik daran rumpöbeln. Und ja, man darf mit seinen Aussagen die Würde anderer Menschen nicht antasten. Aber ansonsten darf man so dumm sein wie man will – es passiert einem nichts. Deshalb müssen wir daran erinnern, wie es wirklich aussieht, wenn man seine Meinung nicht mehr sagen darf“, sagt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. „Für die Erinnerung an die Terrorzeit werden wir über kurz oder lang neue Wege beschreiten müssen, wenn die letzten Überlebenden verstorben sind. Die Vermittlung dessen, was in den Jahren 1933 bis 1945 in Deutschland geschah, muss jedenfalls fester Bestandteil des Lehrplans bleiben und es ist gut, dass es darüber hinaus Filme und Dokumentationen und natürlich auch Jahrestage wie den heutigen gibt. Meine Generation trägt keine Schuld. Aber eine Verantwortung: die Verantwortung, dass nie wieder Menschen aufgrund ihrer Religion, Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, politischen Einstellung oder einer Behinderung Angst um ihr Leben haben müssen, so Schwenke weiter.

„Das war lange Konsens.“ Aber inzwischen fühlten sich Jüdinnen und Juden nicht mehr sicher, weil Synagogen, auch in Offenbach, beschmiert werden und sie seit dem 7. Oktober 2023 auch für die Politik Israels verantwortlich gemacht werden. 
„Wohin Ausgrenzung führen kann, hat die Generation unserer Großeltern erlebt. Plötzlich mussten die jüdischen Klassenkameraden einen gelben Stern tragen und waren dann gar nicht mehr da. Erhielten Eltern eines behinderten Kinds einen Brief, der sie über dessen plötzlichen Tod informierte. Verschwanden politisch andersdenkende, wurde denunziert und verhaftet. Gleichzeitig wurde gleichgeschaltet, wurden junge Menschen in Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädels organisiert, wirkte ein Parteibuch karrierefördernd.“

Geschichte und die Orte wirken unglaublich weit weg, 81 Jahre sind seit der Befreiung vergangen, die Vernichtungslager sind weit entfernt. „Umso dankbarer bin ich, dass wir dank der Geschichtswerkstatt auch in Offenbach noch an vielen Stellen die Schicksale der Offenbacherinnen und Offenbacher in der Terrorzeit nachvollziehen können. Wie etwa das von Thea Berta Sichel, die 1944 nach zwei Jahren in Nazi-Lagern, im Alter von nur 18 Jahren in Auschwitz starb. Oder das von Samuel Augenblick, ein engagiertes Mitglied der Offenbacher SPD, der am 27. Januar 1944 im KZ-Auschwitz starb. Mehr als 240 Stolpersteine hat die Geschichtswerkstatt Offenbach bisher verlegen können. Aber es fehlen noch viele Menschen – nur mit Spenden kann das Gedenken an diese Offenbacherinnen und Offenbacher wachgehalten werden.“ 

„Meine Großeltern haben sehr offen erzählt, dass sie sehr wohl befürchtet haben, dass da schlimme Dinge passieren. Sie hätten aber Angst gehabt und lieber geschwiegen. Heute würde man das ‚Mitläufer‘ nennen. Das klang für mich sehr glaubhaft. Ich wünsche uns, dass niemals mehr eine Situation entsteht, in der es nur noch Freiheit gibt, wenn Einzelne dafür ihr Leben riskieren müssen, während die Mehrheit in Angst schweigt“, so OB Schwenke abschließend.   

Anlässlich des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist am Montag, 27. Januar, an allen Dienstgebäuden der Stadt Offenbach Halbmastbeflaggung angeordnet. Die Beflaggung beginnt um sieben Uhr morgens und endet bei Einbruch der Dunkelheit.

Bildinformation: 

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke erinnert an den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar. Dieser wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt. Foto: Stadt Offenbach / Yannic Bill 

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