Zwölf Jahre im Dienst für Barrierefreiheit und Teilhabe / Gründungsvorstand des Inklusionsbeirates verabschiedet
10.07.2026
Nach zwölf Jahren engagierter und erfolgreicher Arbeit ist der Gründungsvorstand des Offenbacher Inklusionsbeirats aus seinem Amt geschieden. Der Vorstandsvorsitzende Rainer Marx sowie die Beisitzer Gertrud Frese und Oliver Bode legten nach Ablauf ihrer regulären Amtszeit die Führung des städtischen Gremiums nieder. Der Beirat wurde im Oktober 2014 als „Behindertenbeirat“ ins Leben gerufen und später in „Inklusionsbeirat“ umbenannt. Die Inklusion, die bis dahin in Offenbach nur im schulischen Bereich vertreten war, wurde inzwischen im gesamten Stadtleben verankert.
Vom Schulhof in die gesamte Stadt
Als das Gremium vor über einem Jahrzehnt seine Arbeit aufnahm, wurde die Inklusion in Offenbach lediglich im Bildungsbereich durch die Initiative gemeinsam lernen („IGEL Offenbach“) praktiziert. Inspiriert durch den Einsatz der damaligen IGEL-Vorsitzenden machte es sich der frisch gewählte Vorstand zur Aufgabe, Barrieren in allen anderen Lebensbereichen abzubauen. Ein Schreiben von Rainer Marx an die Stadtverwaltung stieß auf positive Resonanz und führte zu sofortiger Unterstützung.
Stadtkämmerer und Sozialdezernent Martin Wilhelm würdigt die Leistung der drei Vorstandsmitglieder anlässlich ihrer Verabschiedung ausdrücklich: „Rainer Marx, Gertrud Frese und Oliver Bode haben über ein Jahrzehnt lang das Fundament für ein barrierefreies Offenbach gegossen. Sie kamen als Pioniere und gehen als Architekten einer inklusiveren Stadtgesellschaft. Ihr beharrlicher, aber stets konstruktiver Druck auf Politik und Verwaltung hat spürbare Veränderungen bewirkt.“
Umsetzung verschiedener Projekte
Die Bilanz der zwölfjährigen Amtszeit ist von konkreten, pragmatischen Erfolgen gekennzeichnet, die sogar über die Stadtgrenzen hinauswirken:
- „Assistenzhunde Willkommen“: Um blinden Menschen den rechtmäßigen Zugang zu Arztpraxen, Restaurants und Geschäften zu sichern, stieß der Beirat die Teilnahme an der bundesweiten Kampagne an. Gemeinsam mit dem Verein „Pfoten Piloten e.V.“ wurde unter anderem die Hausordnung des Rathauses angepasst („Assistenzhunde erlaubt“) und entsprechende Aufkleber an den Rathaustüren angebracht.
- „Offenbacher Lösung“ für Schulbusse: Als das Stadtschulamt die Kosten für die Beförderung behinderter Schülerinnen und Schüler nicht übernehmen wollte, erwirkte der Beirat über das Sozialamt eine Klärung der neuen Gesetzeslage. Dieses Erfolgsmodell wurde sogar von der Nachbarstadt Frankfurt am Main übernommen, wo es bis heute als „Offenbacher Lösung“ bekannt ist.
- Umsetzung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG): Der Beirat bereitete Offenbacher Unternehmen auf die gesetzlichen Vorgaben vor. Durch Fachvorträge, gezielte Workshops bei der IHK Offenbach und eine umfassende Barrierefreiheits-Beratung der Sparkasse Offenbach wurde die lokale Wirtschaft frühzeitig sensibilisiert.
- Pionierarbeit bei der „Stillen Stunde“: Um Menschen aus dem Autismus-Spektrum oder mit chronischen Erkrankungen vor Reizüberflutung zu schützen, initiierte der Vorstand das Konzept der „Stillen Stunde“ (gedimmtes Licht, keine Musik oder Durchsagen). Wie berichtet, hat Sozialdezernent Martin Wilhelm im Mai gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Telekom die erste „Stille Stunde“ in einem Offenbacher Telekom-Shop eröffnet.
Ausblick
Sozialdezernent Martin Wilhelm betonte, dass die Arbeit des scheidenden Vorstands auch als Richtschnur für die Zukunft dient: „Der Vorstand hat uns immer wieder vor Augen geführt, dass Inklusion kein theoretisches Konzept ist, sondern am Ende des Tages beim barrierefreien Zugang zum Rathaus, beim Einkaufen im Supermarkt oder beim Schulweg entscheidet. Wir werden den eingeschlagenen Weg entschlossen weitergehen. Die von Rainer Marx und seinem Team angestoßenen Projekte sind ein Erbe, das uns für die kommenden Jahre verpflichtet.“
Der neue Vorstand des Inklusionsbeirates wird auf der konstituierenden Sitzung, am Mittwoch, 12. August 2026, neu gewählt.
„Wir werden den Inklusionsbeirat auch unter neuer Führung weiterhin eng in alle kommunalen Entscheidungsprozesse einbinden und das gemeinsame Ziel einer inklusiven Stadtgesellschaft nachhaltig fördern“, betont Wilhelm abschließend.
Bildinformation:
Von links nach rechts: Tanja Tandler (Schriftführerin), Rainer Marx (Vorsitzender), Oliver Bode (Stellvertreter), Gertrud Frese (Stellvertreterin), Rudolf Frese (Kassenwart), Dominik Schuster (Kommunaler Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen). Foto: Stadt Offenbach