Paul-Gerhard Weiß zieht Bilanz bei Schul- und Kitasanierungen seit 2006: „Schon viel geschafft, aber es liegt noch einiges vor uns“
03.06.2026
Der Neubau und die Sanierung von Schulen und Kitas gehören seit fast zwei Jahrzehnten zu den größten Investitionen im Haushalt der Stadt Offenbach. Insgesamt hat die Stadt über 675 Millionen Euro in abgeschlossene und im Bau befindliche Bildungsprojekte investiert. Mit Erfolg: Heute lernen über 60 Prozent der rund 18.800 Schülerinnen und Schüler in komplett neuen oder vollständig sanierten Schulgebäuden. Von insgesamt etwa 2.300 Kitakindern unter sechs Jahren in städtischen Einrichtungen gehen rund 81 Prozent in neue oder vollständig sanierte Kindertagesstätten. Bund und Land haben die Stadt dabei anteilig unterstützt. In einer Pressekonferenz zog Planungs- und Baudezernent Paul-Gerhard Weiß eine positive Bilanz über das bereits geleistete: „Wir haben schon viel geschafft, aber klar, es liegt noch einiges vor uns.“
2006 begann alles mit einem konkreten Auftrag: Die Gymnasien sollten für G8 ganztagsfähig gemacht werden. Dabei wurde schnell deutlich, dass viele Schulen und Kindertagesstätten sanierungsbedürftig waren. Ein grundsätzliches Problem vielerorts in Deutschland. Steigende Schülerzahlen führten zu Platzmangel, viele Kinder mussten in Außenstellen unterrichtet werden. Auch Fachräume für eine gezielte Förderung fehlten. Aus diesem ersten Projekt entwickelte sich dann das umfassende Gesamtsanierungsprogramm für die Offenbacher Schulen und Kindertagesstätten. „Im Vergleich zu anderen Städten haben wir unseren Fokus in Offenbach früh auf diese Arbeiten verlegt. Bei 29 Schulen und 24 Kindertagesstätten für Kinder unter sechs Jahren, die die Stadt betreut, war das eine große und ambitionierte Aufgabe, die nicht in kurzer Zeit zu bewältigen ist", erklärt Paul-Gerhard Weiß.
Als weitere Herausforderung kam das starke Wachstum der Stadt hinzu. Aufgrund einer Prognose über absehbar stark steigende Schülerzahlen entstand etwa 10 Jahre nach dem Grundsatzbeschluss die Notwendigkeit, den schnell wachsenden, zusätzlichen Bedarf zu definieren. Zum Grundsatzbeschluss von 2007 kam deshalb der „Bedarfsbeschluss“ von 2017 hinzu, der ein weiteres, umfangreiches Programm für Schulneubauten und Schulerweiterungen zur Schaffung zusätzlicher Kapazitäten sowohl im Grundschulbereich als auch bei den Integrierten Gesamtschulen und den Gymnasien enthielt und vorrangig abzuarbeiten war.
Auch das Verständnis von Schule und Kindertagestätte hat sich verändert. Seit dem letzten Jahrzehnt geht es nicht mehr nur um Gebäude. Architektur und Pädagogik gehören zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Räume sollen Lernen ermöglichen, Austausch fördern und den Alltag der Kinder verbessern. Diesen Wandel trieb Weiß gemeinsam mit der Bereichsleiterin des städtischen Hochbaumanagements Anna Heep voran. „Die Anforderungen an Bildungsräume verändern sich ständig und gute Gebäude entstehen nicht von heute auf morgen. Jedes Projekt bringt eigene Herausforderungen mit sich – von komplexen baulichen Gegebenheiten bis zum laufenden Betrieb in Schulen und Kindertagestätten. Seit über 20 Jahren begleite ich die Projekte im Bildungsbau und erlebe jeden Tag, wie wichtig es ist, mit Erfahrung, Weitblick und im engen Austausch mit den Einrichtungen gute sowie langfristige Lösungen zu entwickeln. Ich finde, dass uns das gemeinsam bisher sehr gut gelungen ist“, so Heep.
Status Quo bei Kita- und Schulsanierungen
Bei den Kindertagesstätten ist die Stadt mit ihrem Neubau- und Sanierungsprogramm weit fortgeschritten. Fast alle der 24 städtischen Betreuungseinrichtungen für Kinder unter sechs Jahren sind modernisiert. Beispielsweise wurden zuletzt der Neubau der Kita Friedensstraße im Jahr 2025 eingeweiht und das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Lauterborn fertiggestellt. 2024 stellte die Stadt das Bildungszentrum Bieber-Nord, mit Kindertagesstätte und Grundschule mit zwölf Klassen unter einem Dach, fertig. Von 2018 bis 2020 wurde die Kita in der Rödernstraße umfassend modernisiert sowie erweitert. Insgesamt investierte Offenbach rund 58 Millionen Euro in den Neubau und die Sanierung von Kindertagestätten.
Bei den Schulen sind derzeit Bauprojekte im Wert von über 289 Millionen Euro im Bau. Die größte Maßnahme entsteht aktuell auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände mit dem Neubau des vierten Gymnasiums der Stadt, der Emmy-Noether-Schule. Mit 128 Millionen ist es zugleich die zweitgrößte Investition in der Geschichte Offenbachs im Hochbau. „Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler und 100 Lehrkräfte werden hier künftig modern und zukunftsorientiert lernen und arbeiten. Wir bauen hier nicht nur Klassenräume, sondern Zukunft“, so Weiß. Parallel finden derzeit Arbeiten an der Ernst-Reuter-Schule, der Geschwister-Scholl-Schule, der IGS Lindenfeld und der Mathildenschule statt.
Die Ernst-Reuter-Schule hat ihren Neubau für die Grundschülerinnen und Grundschüler im März 2026 erhalten. Derzeit finden noch Sanierungs- sowie Anbaumaßnahmen am Hauptgebäude statt. Bei der Geschwister-Scholl-Schule wird aktuell noch der Fachklassentrakt saniert. Im Herbst 2025 konnte hier der vorletzte Bauabschnitt mit der Sanierung des Atriums abgeschlossen werden. Die Fertigstellung aller baulichen Maßnahmen ist für Mitte 2027 geplant. Die IGS Lindenfeld befindet sich im zweiten und letzten Bauabschnitt mit dem Neubau des östlichen Flügels der Schule. Das historische Hauptgebäude in der Friedensstraße wird dann komplett U-förmig von dem Neubau umschlossen sein. An der Mathildenschule finden weiterhin umfassende Sanierungsarbeiten statt. Der Erweiterungsneubau ist seit September 2022 in Betrieb. Die Sanierung des alten Schulgebäudes läuft in zwei Abschnitten: Bauteil B soll Anfang 2027 fertig werden, Bauteil A folgt bis Ende 2028.
Eine Containeranlage für acht Klassen wird noch in diesem Jahr als Ausweichquartier während der Bauzeit auf dem Schulgelände errichtet.
Weitere Informationen zu den laufenden Projekten unter: www.offenbach.de/kita-und-schulsanierungen
Rückschau Schulen
Mit den drei Gymnasien wurde nach dem Grundsatzbeschluss 2007 zügig mit der Planung begonnen. Denn wegen G8 musste schnellstmöglich die Betreuungsinfrastruktur mit Aufenthaltsräumen, Bibliothek, Küche und Mensa geschaffen werden. Die Planungen dazu starteten gleichzeitig im Jahr 2007 an der Rudolf-Koch-Schule (RKS), der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) und der Leibnizschule Brandsbornstraße (LSN). Die RKS wurde von 2008 bis 2010 gesamtsaniert. Parallel wurden die ASS sowie die LSN Brandsbornstraße teilsaniert und erweitert. In diesem Zuge wurden auch an allen drei Gymnasien die Fachklassenräume neu ausgestattet. Nahezu gleichzeitig lief die Sanierung und Erweiterung der Grundschule Buchhügel von 2009 bis 2011.
Bei den Neubauprojekten machten gleich zwei Projekte in einem ÖPP-Verfahren (Öffentlich-Private Partnerschaft) mit HochTief den Anfang: Von 2010 bis 2013 musste der Altbau der Beethovenschule aus dem Jahr 1955 von Stadtbaurat und Architekt Adolf Bayer einem Ersatzneubau weichen. Die Stadt hätte diesen gerne wegen seiner beeindruckenden Architektur saniert, aber bautechnisch und aus wirtschaftlichen Gründen war das damals nicht machbar und ein Neubau entstand. Parallel dazu wurde die Theodor-Heuss-Schule von 2010 bis 2013 umfassend saniert und es entstand ein gemeinsamer Erweiterungsneubau mit Dreifeldsporthalle für die Käthe-Kollwitz-Schule und die Theodor-Heuss-Schule, der Standort entwickelte sich zum Berufsschulzentrum Buchhügel.
Die Ludwig-Dern-Schule wurde von 2010 bis 2013 und die Waldschule Tempelsee von 2011 bis 2013 saniert und erweitert. Im Nachgang zu dem ÖPP-Projekt wurde zudem von 2017 bis 2019 die Käthe-Kollwitz-Schule von der Stadt gesamtsaniert. Den vorläufigen Abschluss bildete die Edith-Stein-Schule, die von 2019 bis 2022 gesamtsaniert und gleichzeitig um einen Neubau ergänzt wurde.
Auch im Stadtteil Bieber und Hafen bewegte sich einiges. Von 2012 bis 2014 entstand ein Neubau für die Außenstelle Waldhof der Grundschule Bieber, im Anschluss wurde von 2016 bis 2017 noch eine neue Sporthalle errichtet. Wenige Jahre später, von 2013 bis 2017, bekam der Hafen eine neue Schule und Kindertagesstätte. Ein ähnlicher großer Schritt folgte von 2020 bis 2024 im neuen Stadtteil Bieber Nord. „Auch dort entstanden Grundschule und Kindertagesstätte unter einem Dach – ein Gebäude, zwei Generationen, ein Gedanke“, erklärt Weiß. Ebenfalls in diesen Jahren erhielt die Humboldtschule von 2020 bis 2024 eine neue Cafeteria. Parallel erhielt die Albert-Schweitzer-Schule einen neuen zweigeschossigen Holzmodulbau für Klassenräume. Mittendrin entstand mit der GBO von 2017 bis 2022 auch die Fröbelschule an einem neuen Standort.
Rückschau Kitas
Bei den städtischen Kindertagesstätten hat die Stadt fast alle modernisiert. Ab 2010 wurden gleich vier Einrichtungen gesamtsaniert – die Kitas in der Neusalzer Straße, im Johann-Strauß-Weg, in der Goerdelerstraße und in der Erich-Ollenhauer-Straße. Ebenfalls in dieser Zeit wurden die Kita Kleewasem und die Kita Gravenbruchweg in den Jahren 2010 und 2011 umfassend erneuert.
2015 bis 2018 folgten drei Neubauten: die Kita Lachwiesen, die Kita in der Christian-Pleß-Straße und die Kita am Hafen. 2019 und 2020 kamen zwei weitere Projekte zum Abschluss: die Gesamtsanierungen der Kitas in der Goethestraße und der Johannes-Morhart-Straße. Zudem wurde von 2018 bis 2021 die Kita Brandenburger Straße vollständig neugebaut.
Maßnahmen im Gebäudeunterhalt
2019 wurde vom Magistrat beschlossen, jährlich zwei Millionen Euro auf einem neuen Produktkonto „Allgemeine Schulsanierungsmaßnahmen“ für dringende Einzelmaß-nahmen oder wichtige Verbesserungen an den bisher nicht generalsanierten Schulen einzustellen. Mit der Ausführung beauftragt wird die GBM Service GmbH seitdem jährlich über das städtische Hochbaumanagement mit einem sogenannten Übertragungsbeschluss in Anlehnung an die Mittelverwendung des bestehenden Rahmendienstleistungsvertrags (RDLV). „Damit konnten wir schneller und flexibler auf dringende Sanierungsanforderungen an einzelnen Schulen reagieren“, erklärt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.
Die Arbeiten wurden vorzugsweise in den Ferien ausgeführt. So war es meistens möglich, dass Kinder oder Jugendliche nach Rückkehr zum Unterricht neue Toiletten vorfanden, es einen zweiten Rettungsweg gab oder es dank neuer Fenster ruhiger in den Klassenräumen wurde. Die GBM Service GmbH setzte in der Amtszeit von Paul-Gerhard Weiß auch den Austausch von Lärmschutzfenstern unter anderem an der Goetheschule, der Eichendorffschule und der Anne-Frank-Schule mit Unterstützung eines Förderpakets um, das vom Land Hessen als Reaktion auf die Lärmwirkungsstudie NORAH aufgelegt wurde. Damit soll die Prävention und Kompensation möglicher negativer Folgen des Fluglärms am Flughafen Frankfurt auf die Leseleistungen von Grundschülerinnen und Grundschülern umgesetzt werden.
„Es war mir ein besonderes Anliegen, dass gerade die Grundschüler beim Lesen lernen die richtige Aussprache deutlich verstehen und nicht halbe Wörter im Fluglärm untergehen“, sagt Dezernent Weiß. Aus den gleichen Gründen wurde auch der Nachhall unter anderem in der Ernst-Reuter-Schule, der Uhlandschule und der Wilhelmschule mit schallschluckenden Decken oder Wandelementen deutlich verringert. Das sorgte nicht nur für besseres Hörverständnis, sondern auch insgesamt für mehr Ruhe und damit bessere Konzentration im Klassenraum.
Seit es in den vergangenen Jahren in den Frühjahrs- und Sommermonaten immer früher und länger immer heißer wird, rückte der Sonnenschutz auf den Schulhöfen immer mehr in den Fokus des Schuldezernenten. Hier wurden und werden weiterhin Verschattungen installiert, oder wie an der Schule Bieber Nord auch mit Solar-Modulen.
Vorausschau: Startchancenprogramm und Ganztag
Mit dem Startchancenprogramm fördert der Bund gezielt Schulen, deren Schülerinnen und Schüler beim Lesen, Schreiben und Rechnen Unterstützung brauchen. Die Mittel fließen in eine lernförderliche Infrastruktur, eine bessere Ausstattung und bedarfsgerechte Maßnahmen der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Zur Förderung wurden vom Land Hessen 13 Offenbacher Schulen für das Programm ausgewählt. „Das Startchancenprogramm ist eine wichtige Ergänzung zu unseren Baumaßnahmen. Gute Gebäude allein reichen nicht – es kommt auch auf die Ausstattung und die Förderung im Unterricht an", betont Weiß.
Das zweite große Thema ist der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Ab dem Schuljahr 2026/2027 beginnt phasenweise der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen. Die Stadt setzt diesen schrittweise gemeinsam mit dem Hessischen Kultusministerium um.
Weitere Informationen gibt es unter: www.offenbach.de/ganztagsbetreuung
Hintergrund
Das Hochbaumanagement des Amts für Planen und Bauen verantwortet als Eigentümervertretung und Bauherr die Maßnahmen. Es übernimmt die planerische Ausrichtung und Entwicklung der Projekte. Für die Projektsteuerung aller Sanierungs- und Neubauprojekte beauftragte der Magistrat die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Offenbach. Im Auftrag der Stadt setzt die OPG viele Projekte der Stadtentwicklung um. Dazu gehören, neben der Projektsteuerung für den Bau und die Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten, die Entwicklung und Vermarktung des Hafenareals und des Innovationscampus.
Die Stadtwerke Offenbach realisieren durch ihr Tochterunternehmen GBM Service GmbH Offenbach zusammen mit dem Hochbaumanagement das bauliche, infrastrukturelle und kaufmännische Gebäudemanagement von rund 100 Liegenschaften der Stadt Offenbach. Sie kümmern sich um alle Schulen und Kindertagesstätten der Stadt sowie die Jugendzentren, Seniorentreffs und Verwaltungsgebäude. Die GBM kontrolliert und repariert auch die Spielplätze im Stadtgebiet und betreut die Sportanlagen Offenbachs.