Keime, Viren, Bakterien & Co: Tag der offenen Tür im Gesundheitsamt
26.03.2026
Wer am vergangenen Donnerstag, 19. März, im Haus der Wirtschaft mit dem Aufzug in eine der Etagen zwischen dem 9. und 13. Stock fuhr, war gleich mittendrin im Tag des Gesundheitsamtes. Zum ersten Mal beteiligte sich das Offenbacher Amt an dem bundesweit stattfindenden Tag und präsentierte sich und seine vielfältigen Aufgabenfelder mit einem Tag der offenen Tür und einem abwechslungsreichen Programm für alle Altersklassen auf vier Etagen.
Schon beim Aussteigen tummelten sich im 13. Stock kleine, bunte Virenmonster auf dem Boden und an den Türen und wiesen Kindern den Weg zu den unterschiedlichen Stationen, an denen Koordination, Gleichgewicht, Sehvermögen und Rot-Grün-Schwächen spielerisch untersucht wurden. So musste beispielsweise ein kleiner Parcours fehlerfrei abgelaufen und anschließend ein Ball in einen Korb geworfen werden oder beherzt in einen von fünf bunt beklebten Karton gegriffen und ein Gegenstand erfühlt werden. Wer das Auto, den Löffel, das Puzzleteil, den Legostein oder die Zahnbürste richtig ertastete, erhielt ein kleines Präsent. Das schnurstracks in den kleinen Beutel, den die Kinder am Empfang bekommen hatte, wanderte. Dazu gesellten sich nach jeder Station noch weitere kleine Dinge, Radiergummis, kleine Geduldsspiele, nur Süßigkeiten gab es an keiner Station. Aber Zucker und zwar die Anzahl Zuckerwürfel, die in Gummibärchen oder auch die beliebten Quetschies enthalten ist, galt es an einer anderen Station zu schätzen. Vier bis sechs sind es in Obst-Quetschbeuteln, rund 93 sind es in einer Tüte Gummibärchen und zwischen 56 und 76 in einer mittelgroßen Flasche Tomaten Ketchup. „Das ist eben ziemlich viel und den meisten nicht bewusst, wie viel Zucker sie unbemerkt zu sich nehmen“, erklärte Dr. Christiane Faust, Leiterin des Offenbacher Gesundheitsamts beim Rundgang. Fast neun Monate lang hat sie mit ihren Mitarbeitenden den Tag geplant, Stationen ersonnen, die kleinen Geschenke besorgt, dekoriert, Schulen und Kindergärten eingeladen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Den Kindern und Erzieherinnen und Erziehern gefiel es und auch die Stationen rund um die Zahngesundheit kamen gut an. Es ging um das richtige Zähneputzen und die eigentlich unbegründete Angst vor dem Zahnarzt – die ist spätestens beim Probesitzen auf dem Behandlungsstuhl verflogen war. Den kannten zwar fast alle Kinder schon, aber begleitet mit den munteren Handpuppen-Monstern und dem insgesamt spielerischen Umgang machte das sogar richtig Spaß.
Was man über Hygiene wissen sollte
Auch dass es bei der richtigen Handhygiene keine Nachlässigkeit geben sollte, lernten die Kinder: Mindestens 20 Sekunden sollten die Hände nach jedem Toilettengang gründlich gereinigt werden. Dass bei einigen Kindern noch Nachholbedarf besteht, bewies der anschließende Blaulicht-Test: Eingecremt mit einer fluoreszendierenden Creme wurden Flecken unter den Nägeln und auf den Handoberflächen sichtbar, „da, wo sich dann Bakterien ansammeln und über Griffe und Türklinken weiterverteilt werden können, wenn man dort nicht richtig wäscht“, erklärte eine der Mitarbeitenden den erstaunten Kindern.
Wie kommen Erreger in den Körper und wieder heraus? Unter anderem darum ging es eine Etage tiefer, wo ein paar Neuntklässler der Schillerschule sichtlich Spaß dabei hatten, in die Schutzanzüge des Gesundheitsamts zu steigen, drei verschiedene Modelle standen zur Wahl: Ein „einfacher“, der typischerweise getragen wird, wenn man sich vor einer Infektion schützt, die ein Patient hat, ein flüssigkeitsresistenter beim Verdacht auf leicht übertragbare Krankheiten wie blutenden Fiebererkrankungen und ein weißer mit integrierten Schutzschuhen für Einsätze beispielsweise in Messiewohnungen oder bei Leichenfunden. Die Heranwachsenden waren begeistert bei der Sache, auch als es ein paar Meter weiter über Kopflausbefall, Zecken, die FSME-Impfung ging. Zwischendurch wurden Impfausweise gecheckt und der Blutdruck gemessen. „Virenalarm in Offenbach“ hieß es in einem anderem Raum, in dem es darum ging, in einem Videospiel, Viren zu fangen und zu impfen. Programmiert hatte das an PacMan angelehnte Spiel ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in seiner Freizeit.
An der nächsten Station drehte sich alles um Hygiene, im Haushalt, aber auch in gastronomischen Betrieben. „Der Tag soll über unsere Arbeit informieren, aber gleichzeitig auch zur Aufklärung beitragen“, erklärt Ärztin Dr. Faust. So sei beispielsweise vielen Menschen nicht bewusst, dass Haushaltsschwämme und Putztücher wie Zahnbürsten regelmäßig ausgetauscht gehören. Und zwar nicht erst, wenn diese Abnutzungserscheinungen aufweisen oder riechen, sondern in einem festen Turnus von maximal einer Woche bei intensiver Nutzung. Wenn damit rohe Lebensmittelreste entfernt wurden, ist ein häufigerer Wechsel ratsam. Über Hygiene informierte die Schülerinnen und Schüler der Schillerschule auch ein kurzer Film, der normalerweise zu Schulungszwecken für Mitarbeitende in gastronomischen Betrieben eingesetzt wird. Denn wer mit Lebensmitteln hantiert, muss besonders auf Hygiene achten, das Gesundheitsamt bietet die für Mitarbeitende verpflichtende Schulung ganzjährig an verschiedenen Terminen in Präsenz oder aber auch online an.
Themen, über die man ungern spricht
Näher an den Lebensrealitäten von Heranwachsenden ist der Hilfe-Guide, den das städtische Gesundheitsamt vor einiger Zeit gemeinsam mit dem Netzwerk mentale Gesundheit und dem Kinder- und Jugendparlament entwickelt hat. Egal, um welches Problem es geht, Schule, Gefühlschaos, Ausgrenzung, Krisen oder auch Fragen zu Liebe, Identität oder Sexualität finden junge Menschen im Hilfe-Guide passende Ansprechpartner und Adressen: www.offenbach.de/hilfe-guide. Aber natürlich kennt man sich auch beim Gesundheitsamt mit einigen dieser Probleme aus, sichtlich ruhiger war es daher im neunten Obergeschoss. Hinter den geschlossenen Türen fanden Beratungsgespräche zu sensiblen Themen wie Süchten (durch das Suchthilfezentrum Wildhof), psychischen Erkrankungen und sexuell übertragbare Erkrankungen statt. Hier erfuhren die Jugendlichen, aber auch andere Besuchende, dass Krankheiten wie die Syphilis wieder auf dem Vormarsch sind, die Ansteckungsraten bei HIV beziehungsweise AIDS wieder ansteigen und wie man sich schützen kann. Neben kleinen grünen Schleifchen, die für psychische Gesundheit stehen, zum Anstecken konnten die Schülerinnen und Schüler hier Kondome zu Zahnseide, Trinkflasche und Zeckenzange in ihren kleinen Beutel legen, der auch sie auf ihrem Parcours durch das Gesundheitsamt begleitete. „Wir wollten den Kindern und Jugendlichen nicht nur Informationen mitgeben, sondern auch kleine nützliche Dinge. Natürlich altersgerecht“, sagt Faust. Bis 15 Uhr waren rund 200 Kindergartenkinder und 100 Schülerinnen und Schüler aus den weiterführenden Schulen zu Gast, hinzu kamen etliche andere interessierte Besucherinnen und Besucher, die jetzt nicht nur mehr über die Arbeit des Gesundheitsamts wissen, sondern auch darüber, wie sie sich besser vor Krankheiten oder krankmachenden Einflüssen schützen. Für Frau Dr. Faust ein gelungener Aufschlag, der viel Arbeit, aber allen Beteiligten auch viel Spaß gemacht hat. Wer sich den Termin jetzt schon vormerken möchte, der Tag des Gesundheitsamtes findet im kommenden Jahr am Freitag, 19. März statt.
Bildinformation:
v.l.n.r.: Dr. Christiane Faust, Leiterin des Gesundheitsamtes mit den Mitarbeitenden Herr Höflich und Frau Faust.
Frau Lenz und Frau Grün vom Gesundheitsamt mit Poldi, dem Zahnputzdrachen.
Frau Dr Oliapura und Frau Sauer, Mitarbeiterinnen im Gesundheitsamt, informierten Kinder über Zucker in Lebensmitteln.
Anmerkung der Redaktion:
Wir hatten fälschlicherweise von AIDS-Schleifchen gesprochen, die die Schülerinnen und Schüler mitnehmen konnten. Tatsächlich waren es jedoch die grünen Schleifen, die für psychische Gesundheit stehen. Wir haben dies korrigiert. 26. März 2026, 16 Uhr