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Stadt Offenbach

Weitere Fassaden für die Kunst gesucht

06.05.2022

An der Ampel vor dem Übergang zur Hafenschule stockt es manchmal, auch wenn es schon länger grün leuchtet: Dann träumen die vordersten Autofahrer in Betrachtung der Frau, die dort seit wenigen Tagen auf die Fassade des Nordrings 34 gemalt ist. Das Bild ist eine Neuinterpretation des 1896 entstandenen Bildes „Sogni“ (Träume) von Vittorio Matteo Corcos durch den Künstler Case Maclaim und zieht seit Beginn der Arbeit alle Blicke und Handykameras auf sich. Viele Passantinnen und Passanten bleiben stehen und schauen es sich an, die meisten haben einen um viele Nuancen freundlicheren Gesichtsausdruck beim Weitergehen.

Das Mural, so der Name dieser großflächigen Fassadenkunst, ist Teil der Projektreihe „Walls of Vision“, die von der Dr. Hans Riegel-Stiftung 2019 ins Leben gerufen wurde, und ist in Kooperation zwischen der Stiftung sowie der Stadtwerke-Tochter GBO Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach mbH entstanden. Das fertige Werk haben sich nun Stadtrat Martin Wilhelm, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der GBO ist, der Initiator und Offenbacher Kulturmanager Kai Schmidt, Alexander Kukla, Walls of Vision-Projektleiter von der Dr. Hans Riegel-Stiftung, die das Gemälde bezahlt hat, und Fee Kison, Teamleiterin des Hauses mit der Fassadenkunst im Mieterservice der GBO, gemeinsam mit dem Künstler angeschaut und waren begeistert. „Es ist schön zu sehen, dass gerade auch viele junge Menschen sich hier für Museums-Kunst in einem neuen Kontext interessieren“, sagte Martin Wilhelm.

Das Interesse der Offenbacherinnen und Offenbacher hatte Case Maclaim, der im bürgerlichen Leben Andreas von Chrzanowski heißt, während der rund einwöchigen Arbeit an dem Porträt aus nächster Nähe erlebt. „Viele Leute sind jeden Tag vorbeigekommen und haben mir beim Malen zugeschaut“, berichtet er. Im gegenüberliegenden Haus hätten sich Nachbarn auf den Balkon gesetzt und beobachtet, wie er von einem Hubsteiger aus die träumende Frau über Eck auf zwei Seiten des Gebäudes gemalt hat. „Von der schräg gegenüberliegenden Seit vor der Hausnummer 11 des Nordrings wirkt das Porträt wie auf einer Ebene“, sagt der Künstler. Bei genauem Betrachten sieht man auch die aktuellen Interpretationen im Vergleich zum Original, etwa die Graffitis auf der Offenbacher Bank.   

Kai Schmidt hofft nun, das Projekt verstetigen zu können. „Das Interesse an einer langfristigen Kooperation der Dr. Hans Riegel-Stiftung und der GBO ist da. Auch interessierte private Hausbesitzer*innen können sich gerne bei mir melden. Spätestens 2023 wird in Offenbach eine zweite Hauswand mit einem Kunstwerk verziert“, sagt Schmidt. Die Kosten für Farbe und Gage des Künstlers wird die Dr. Hans Riegel-Stiftung übernehmen. Diese will mit diesem urbanen Kunstprojekt vor allem jungen Menschen einen innovativen Zugang zur bildenden Kunst eröffnen. Hausbesitzer*innen, die ihre vom öffentlichen Raum aus gut einsehbare Fassade für ein Mural zur Verfügung stellen möchten, können sich an Schmidt unter kai.schmidtgruene-ofde wenden. 

Das Projekt soll nun mit Workshops an Offenbacher Schulen begleitet werden. „Dazu nimmt die Dr. Hans Riegel-Stiftung gerade Kontakt zu Schulen auf“, sagt Schmidt.

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