Inhalt anspringen

Stadt Offenbach

„Die Unterstützung der Stadt am Kaiserlei ist einmalig“ / Treffen des Wirtschaftsclubs zeigte Fortschritte vor Ort auf

21.05.2024

Mit dem Wirtschaftsclub Kaiserlei hat die Stadt eine effektive Plattform für das gemeinsame Handeln vor Ort entwickelt. Rund 90 Gäste –Immobilienentwickler, Investoren und Unternehmen aus dem Viertel – folgten der Einladung der städtischen Wirtschaftsförderung zum Spring Meeting des Clubs ins Delta Hotel Offenbach. Mehrere Redner verdeutlichten die Fortschritte ebenso wie ihre Begeisterung für das Potenzial des Viertels trotz sehr schwieriger Marktlage: von den Plänen rund um die KWU-Türme über den konkreter werdenden Sport- und Kulturpark unter der Autobahnbrücke bis hin zum Projekt Rockywood am Hafen, dessen Erfolg auch ins angrenzende Gebiet ausstrahlt.  

„Ziel der Stadt und des Wirtschaftsclubs ist es, das Kaiserlei-Viertel auf ein neues Level zu heben und zu einem Premium-Standort für Unternehmen zu entwickeln“, sagte die Leiterin der Wirtschaftsförderung, Božica Niermann. Das Umfeld auf dem Immobilienmarkt sei aktuell alles andere als leicht: „Wir können uns aber jetzt gut aufstellen, um dann zu besseren Zeiten davon zu profitieren.“

KWU-Areal: Appartements für Studierende in Modulform angedacht  
Einen engagierten Mitstreiter hat die Stadt in Jörn Stobbe, Geschäftsführer bei der Hamburger Becken-Gruppe: Der Immobilienunternehmer kaufte Mitte 2023 – mit Rücktrittsrecht – das KWU-Areal von Adler Immobilien, weil er von der Entwicklung des Kaiserlei-Viertels überzeugt ist. „Der Standort ist europaweit betrachtet hervorragend, und die Unterstützung der gesamten Stadt zu seiner kreativen Weiterentwicklung ist einmalig“, hob Stobbe hervor. Vorgesehen ist die studentische Nutzung der Türme, was ein Motor für das gesamte Quartier sein kann. „Was machen 1.500 Studierende hier am Abend? Das ist kein Problem, sondern die Lösung“, betonte Markus Plöcker, Geschäftsführer bei Schmidt Plöcker Architekten in Frankfurt. „Die jungen Leute nutzen Restaurants, Geschäfte und den Sportpark – und genau das brauchen wir, damit die Angebote funktionieren und der öffentliche Raum lebt.“ Dabei liege das Augenmerk der Quartiersentwickler auf der Schaffung von zukunftsorientierten Wohn- und Lebensräumen in hochwertiger sowie architektonischer Qualität.

Rund um die ehemaligen Bürotürme sehen die Planungen aktuell eine Blockrandbebauung mit Wohnungen, Büros, Hotel, Gastronomie, Einzelhandel und Quartiersgarage vor. „Damit könnte ein lebendiges, vitales Zentrum im Kaiserlei-Viertel entstehen, in dem etwa 3.000 Menschen wohnen“, so Plöcker. Damit die Preise bezahlbar bleiben, sei eine neue Art des Bauens auf Basis industrieller Prozesse erforderlich: In die „Regale“ der Rohbauten sollen vorgefertigte Module eingeschoben werden, die zu den Bedürfnissen der Studierenden passen. Das Grundriss-Layout für die Türme sei mit dem Studentenwerk Frankfurt abgestimmt, Fragen zum Brandschutz und zur Statik geklärt. „Jetzt lässt das Land Hessen das Tragwerk nochmals unabhängig prüfen.“ Dies sei die Voraussetzung für die nötige finanzielle Förderung des Projekts.

 „Um die Kosten insgesamt erschwinglich zu halten, müssen wir das Bauen komplett neu denken“, sagte Jörn König vom Büro Urban Transformation Architecture. Es gelte, von der Industrie zu lernen und „Innovation durch Adaption“ zu erreichen: „Unter anderem versuchen wir, statt einem zentralen Rohrleitungssystem kleine Klimaeinheiten für jedes Appartement zu entwickeln – dazu hat uns die Autoindustrie inspiriert.“ Theoretisch sei es aus baulicher Sicht denkbar, dass Studierende 2027 im Kaiserlei-Viertel einziehen könnten, betonte Jörn Stobbe.

Machbarkeitsstudie für inklusiven Sport- und Kulturpark läuft
Architekt Plöcker zeigte sich, wie Stobbe, als „großer Fan“ der Stadt Offenbach: „Es ist bemerkenswert, wie hier bürgerschaftliches Engagement greift, um einen vermeintlichen Unort umzunutzen.“ Gemeint ist die Fläche unter der Brücke der A 661, für die derzeit die Realisierung eines Sport- und Kulturparks geprüft wird. „Damit könnte eine klimagerechte Magistrale – im Sommer schattig und im Winter überdacht – entstehen, die bis an den Main führt.“ Die Idee für den Park nahm seit der Gründung des Wirtschaftsclubs Kaiserlei vor gut einem Jahr Formen an: Um die derzeit als Stellplatz genutzte Fläche von etwa 10.000 Quadratmeter zu einem gemeinschaftsfördernden öffentlichen Raum zu entwickeln, kooperierte der Verein VAIR e.V. mit dem Lehrgebiet Urban Design an der HfG Offenbach. Unter Prof. Dr. Kai Vöckler und Mazi Rastegar entstanden zehn Konzepte, von denen nun vier weiter untersucht werden.  „Derzeit läuft die Arbeit an der Machbarkeitsstudie“, berichtete Rabi Mujahed aus dem VAIR-Vorstand. Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke steht als Schirmherr zur Verfügung. Der inklusive Begegnungsort ist aktuell nicht spruchreif, auch weil die Verlagerung der Stellplätze noch zu klären ist, aber dazu laufen laut Mujahed konstruktive Gespräche. Wenn weiter alles gut läuft, soll der Sport- und Kulturpark möglicherweise im Laufe des Jahres 2026 das Miteinander fördern und neuen Raum für Entfaltung und Bewegung bieten.

Rockywood zeigt, wie Vermarktung in schwierigen Zeiten gelingt
Bereits fertiggestellt und seit Anfang 2024 bezogen ist das wegweisende Projekt Rockywood am Hafen. Die Nachhaltigkeit des Gebäudes und die Art des modularen Bauens mit Holz habe bei der erfolgreichen Vermarktung enorm geholfen, berichtete Achim Nagel, Geschäftsführer des Hamburger Projektentwicklers Primus developments, der Rockywood in nur elf Monaten Bauzeit realisiert hat. Die Digitalisierung der Planung, vom Vorentwurf bis zur Übergabe an die Nutzer, sei ein weiterer Erfolgsfaktor. „Öffentliche Räume zu schaffen, ist auch bei unseren Projekten ein ganz wichtiges Thema“, betonte Nagel. So eignet sich der Playground zwischen den beiden Gebäudeteilen für Veranstaltungen des Boxclubs Nordend e.V., der auf Vorschlag der städtischen Hafenentwicklungsgesellschaft Mainviertel GmbH & Co. KG ebenfalls im Rockywood einzog. Nagel zeigte sich begeistert von dem sozial engagierten Verein und lobte ebenfalls die Akteurinnen und Akteure der Stadt für ihre „extrem gute und kompetente Begleitung – dieses zweite Lob des Abends aus Hamburg haben Sie sich wirklich verdient.“

Ziel: Entwicklung kontinuierlich und konsequent vorantreiben
Eine kritischere Sicht auf das Entwicklungspotenzial des Büromarktes insgesamt vertrat Dr. Constantin Plenge von Tristan Capital Partners. Die Private Equity-Gesellschaft mit Sitz in London investiert Geld für institutionelle Investoren. Er führte aus, dass seine Anleger gerade in Bezug auf Büronutzungen sehr konservativ seien. Er empfehle daher, für eine erfolgreiche Entwicklung von Bürostandorten immer auch in der Form eines Quartiers zu denken, was auch im Kaiserlei ratsam sei.

Dies griff Oberbürgermeister Dr. Schwenke in seinem Abschluss-Statement auf: „Uns ist völlig klar: Statt herkömmlicher Ansätze brauchen wir Menschen mit Mut und Pioniergeist, die gemeinsam mit uns anpacken wollen.“ Entgegen oftmals verbreiteter langwieriger Genehmigungsverfahren, die Plenge in Bezug auf Deutschland kritisch erwähnt hatte, setze die Stadt Offenbach auf schnelle Prozesse. In Bezug auf den Kaiserlei nannte er exemplarisch: „Wir haben uns beispielsweise mit der Becken-Gruppe für das frühere KWU-Gelände auf neue planungsrechtliche Eckdaten verständigt, Baurecht für das geplante CO2 neutrale Bürohochhaus Namu an der Kaiserleibrücke geschaffen und sind in enger Abstimmung auch mit den Eigentümern des Nordrings 146-148. Nicht zu vergessen: Nach dem abgeschlossenen Umbau des Kreisels wird der Verkehr dort mittlerweile über eine smarte Ampelsteuerung in Echtzeit optimiert. Und, als Beispiel außerhalb des Kaiserleis: Wir haben auch die Bauanträge der Samson AG für den Innovationscampus innerhalb von nur zehn Wochen genehmigt.“ Der Wirtschaftsclub Kaiserlei bringe tatkräftige Menschen in Kontakt und damit die Projekte vor Ort voran. „Lassen Sie uns kontinuierlich und konsequent die Entwicklung weiter vorantreiben“, so OB Schwenke abschließend.

 

Erläuterungen und Hinweise