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Stadt Offenbach

Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof soll saniert werden: Betriebskommission stimmt Ertüchtigung zu / 3,5 Millionen Euro Einsparung gegenüber Neubau

09.09.2022

Die Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof soll barrierefrei instandgesetzt werden und nicht einem Neubau weichen. Gestern stimmte die Betriebskommission als Aufsichtsgremium des ESO Eigenbetriebs für die Ertüchtigung des aus den 1960er Jahren stammenden und stark sanierungsbedürftigen Gebäudes inklusive des Krematoriums und der Sozialbereiche. Nun muss die Stadtverordnetenversammlung noch zustimmen und ihren Beschluss für einen Neubau aus dem Jahr 2021 aufheben.

Neben der Barrierefreiheit, auch des Außengeländes, soll dabei höchste Priorität auf die Sanierung des undichten Dachs, der Sozialräume für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krematoriums sowie die Stabilisierung des Unterschosses gelegt werden. Geplant ist auch ein neuer Kühlraum auf der Freifläche vor dem Krematorium. Zudem muss der defekte Kanal saniert werden, der unter der Bodenplatte der Trauerhalle verläuft.

Schon länger wurde um eine Lösung für den sanierungsbedürftigen Bau gerungen. Der gestrigen Abstimmung liegt eine erneute Prüfung über die Kosten für eine Ertüchtigung der Trauerhalle zugrunde. Diese war Anfang des Jahres an die Fachplanungs- und Architektenbüros in Auftrag gegeben worden, nachdem die Kostensteigerungen im Baugewerbe auch beim geplanten Neubau auf dem Neuen Friedhof durchschlugen: Statt der ursprünglich berechneten sechs Millionen Euro, die noch im Stadtverordnetenbeschluss für den Neubau eines Trauerzentrums aus dem Jahr 2021 standen, wurde nun mit zwölf Millionen Euro gerechnet. Für diese Summe hätte der ESO Eigenbetrieb der Stadt Offenbach als Bauherr einen Investitionszuschuss aus dem städtischen Haushalt gebraucht.

Stadtkämmerer Martin Wilhelm, der auch der zuständige Dezernent für den Stadtservice der Stadtwerke ist, wollte deshalb eine ergebnisoffene Prüfung, zu welchen Kosten die Halle ertüchtigt werden könnte. „Die Kosten liegen nun vor. Inzwischen müssten für einen Neubau sogar 12 Millionen Euro veranschlagt werden, für die Ertüchtigung dagegen 8,5 Millionen Euro, zuzüglich des Abschreibungsbedarfs aus der nicht realisierten Teilabrissvariante“, sagt Martin Wilhelm.

„Es besteht zudem ein sehr hohes Risiko weiterer Baukostensteigerungen bei beiden Varianten. Der ESO Eigenbetrieb kann auf Basis der aktuellen Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens einen maximalen Betrag von 12 Millionen Euro aus eigenen Mitteln finanzieren. Deswegen ist das Risiko, bei der Neubau-Variante Mittel aus dem Haushalt zu gebrauchen, wesentlich höher als bei der Sanierungsvariante. Hier wäre bereits bei der kleinsten Preiserhöhung der Haushalt betroffen. Bei der Sanierungsvariante stehen etwa drei Millionen Euro Puffer zur Verfügung.“

Die Mehrkosten für den Neubau eines modernen Trauerzentrums durch Mehreinnahmen bei der Nutzungsgebühr der Trauerhalle zu generieren, hält Christian Loose, stellvertretender Leiter des ESO Eigenbetriebs, nicht für möglich. Eine Erhöhung von derzeit 209 Euro bei 780 Nutzungen pro Jahr sei – Stand jetzt - auf maximal 250 Euro möglich und mit Fertigstellung der Instandsetzung geplant. „Eine weitere Erhöhung würde nicht akzeptiert und dazu führen, dass die Trauerhalle weniger genutzt würde“, sagt Christian Loose. Auch die 250 Euro würden nicht ausreichen, um die jetzt geplante Instandsetzung zu finanzieren. Deshalb werden Mittel aus dem Eigenbetrieb ergänzt.

„Wir haben intensiv um Lösungsmöglichkeiten für eine gut nutzbare Trauerhalle gerungen“, sagt Christian Loose. „Die Halle soll auch den Anforderungen an einen Arbeitsplatz für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krematorium genügen und unseren Pietäten gute Arbeitsbedingungen bieten. Es ist wichtig, dass es nun zügig an die Umsetzung der geplanten Arbeiten geht. Damit wird nicht nur die Barrierefreiheit hergestellt, die Offenbacher Bevölkerung hat dann auch wieder eine ansprechende Halle ohne Feuchteschäden und mit verbesserter Heizung.“

Die Bauzeit der in 19 Einzelpakete aufgeteilten Arbeiten wird auf 15 Monate veranschlagt. Machen die Arbeiten eine Sperrung der Halle selbst notwendig, kann die 2021 renovierte Trauerhalle auf dem Alten Friedhof genutzt werden.

Zur geplanten Instandsetzung der Trauerhalle plant der Eigenbetrieb mit Stadtkämmerer Wilhelm eine Bürgerinfo am Dienstag, 18. Oktober, um 18 Uhr in der Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof.  

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