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Stadt Offenbach

Besser qualifiziert und zielbewusst: Frauen holen auf/ Statistik-Flyer des Frauenbüros und der Abteilung Statistik und Wahlen informiert über Frauen in Offenbac

15.09.2022

69.167 Frauen lebten im Dezember 2021 in Offenbach, das entspricht 49,1 Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt. Eine vergleichsweise paritätische Verteilung der Geschlechter, aber wie sieht es mit deren Partizipation und Teilhabe in Politik und am Arbeitsmarkt aus, welche Bildungschancen haben Mädchen und Frauen und sind Kinder noch immer ein Karrierehemmnis? Das Frauenbüro hat genauer hingeschaut und, pandemiebedingt, mit fünfjähriger Pause den Statistikflyer „Frauen in Offenbach“ in Kooperation mit der Abteilung Statistik und Wahlen neu aufgelegt. Der Sprung von 2017 bis Dezember 2021 erlaubt spannende Rückschlüsse, gibt Anlass für vorsichtigen Optimismus, zeigt aber auch klare Handlungsfelder auf. “Frauen holen immer mehr auf“, so Dr. Inga Halwachs, Leiterin des Frauenbüros, “und insbesondere die Jüngeren wollen ganz selbstverständlich ihren Platz in der Gesellschaft sichtbar einnehmen, das erleben wir in unseren Projekten und es zeigt sich beispielsweise auch an dem gestiegenen Frauenanteil in der Stadtverordnetenversammlung. Aber noch immer liegen viele Steine im Weg zu echter Gleichstellung. Noch immer sind Frauen stärker von struktureller Diskriminierung und patriarchaler Gewalt betroffen, verdienen schlechter, übernehmen den erheblich größeren Teil der Care-Arbeit, stecken persönlich zurück.“

Die aktuellen Zahlen liefern damit interessante Einsichten in die Stadtgesellschaft, geben Aufschluss über Herkunftsländer und Altersverteilung von Frauen in Offenbach, über Bildungsabschlüsse und die Teilhabe am Arbeitsmarkt. Während im Juni 2017 der Anteil der in Offenbach wohnenden Frauen, die erwerbstätig waren, noch 43,4 Prozent betrug, waren im Juni 2021 bereits 24.215 Frauen und damit 45,5 Prozent der hier wohnenden Frauen erwerbstätig. „Offenbach gilt als Stadt der kurzen Wege“, erklärt Halwachs „und da, wo Frauen Wegzeiten sparen, Kinder gut versorgt wissen und Familie und Beruf gut unter einen Hut bringen, profitieren alle.“ Auch die Sozialsicherungssysteme, so lag der Anteil der Frauen im SGB II-Bezug mit 36,8 Prozent deutlich unter dem Anteil der Männer. Allerdings leben rund 51 Prozent Frauen in Bedarfsgemeinschaften oder gelten als nicht erwerbsfähige Hilfsbedürftige, betroffen dürften hier vor allem schlecht abgesicherte, ältere Frauen sein. Der Anteil der unter 25-jährigen im SGB II-Bezug ist mit 14,1 Prozent eher gering.
Interessant wird dies beim Blick auf Bildungswege, denn hier holen Mädchen auf: So waren im Schuljahr 2021/2022 63 Prozent der Abiturientinnen weiblich, den Realschulabschluss erreichten insgesamt 246 junge Frauen, was einem Frauenanteil von 50,3 Prozent entspricht. Nur 18 von insgesamt 642 Schülerinnen verließen die Schule im vergangenen Jahr ohne einen Abschluss.
„Mädchen setzen schon seit vielen Jahren auf Bildung und qualifizieren gerade in jungen Jahren oftmals deutlich höherwertiger als ihre männlichen Altersgenossen. Sie nutzen ihre Chancen und gehen ihren Weg,“ so Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. „Aber nur bis zum ersten Kind“, ergänzt Halwachs. „Denn trotz des vielzitierten Männeraufbruchs zeigt sich zumindest beim Blick auf den Elterngeldbezug eine tradierte Rollenverteilung: Nur 17,9 Prozent aller Väter in Offenbach blieben im vergangenen Jahr dem Nachwuchs zuliebe zuhause.“ Im Vergleich zu 2017 nur 2,2 Prozentpunkte mehr. Bundesweit waren es immerhin 25 Prozent, wenngleich Männer durchschnittlich nur 3,7 Monate Elterngeld beziehen, Frauen hingegen 14,5 Monate. „Mir ist völlig bewusst, dass die Frage wer zu Hause bleibt ganz oft mit unterschiedlich hohen Einkommen zu tun hat. Wie viele Monate auch immer das am Ende im Konkreten bedeutet: ich kann wirklich nur dafür werben, den eigenen Kindern einmal für einen möglichst langen Abschnitt so viel uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Zeit wie nur irgendwie möglich zu widmen. Die Beziehung zu den eigenen Kindern wird dadurch erheblich gestärkt“, so OB Schwenke, der selbst dreimal Elternzeit genommen hat. Wirklich erfreulich findet Schwenke die Entwicklung im Bereich der politischen Beteiligung: „Nicht nur, dass die Stadtverordnetenversammlung weiblicher geworden ist, auch im Ausländerbeirat verschaffen sich mehr Frauen Gehör“: So betrug der Anteil der Frauen in der vorangegangenen Legislaturperiode 2016-21 nur 38 Prozent, 45 Prozent sind es aktuellen und in der 25-köpfigen Vertretung der nicht-deutschen Bürgerinnen und Bürger Offenbachs arbeiten 13 Frauen mit 12 Männern zusammen.

„Die Richtung stimmt“, meint auch Halwachs, „und mit Aktionen und Veranstaltungen versuchen wir für Frauen* und Mädchen*weiter zu unterstützen. So oder so: Die Arbeit geht uns nicht aus.“

Der aktuelle Flyer „Frauen in Offenbach“ ist als pdf online auf www.offenbach.de/frauenbuero sowie in gedruckter Form direkt im Frauenbüro im Rathaus erhältlich.

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