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Streichholzkarlchen gegen Fluglärm
© georg-foto.de, offenbach
Der 23. Tag gegen Lärm am 29. April 2020 will die Aufmerksamkeit auf die Ursachen von Lärm und seine Wirkungen lenken, mit dem Ziel, die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Seit 1998 machen zahlreiche Umweltorganisationen und staatliche Institutionen am letzten Mittwoch im April auf diese Thematik aufmerksam. Träger des Aktionstages ist die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA). Mit einer gemeinsamen Presserklärung informieren Stadtrat Paul-Gerhard-Weiß und die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) dazu.

„Mindestens jeder Fünfte leidet unter Lärm“, meldete die Tagesschau am 05.03.20 mit Bezug auf eine neue Studie der EU-Umweltagentur. Und weiter sagt die Studie: Millionen Menschen leiden gesundheitlich unter Lärm von Autos, Flugzeugen und Industrieanlagen. Und auch künftig werde es nicht leiser in Europa. Größter Lärmverursacher ist dabei sowohl am Tage als auch in der Nacht der Straßenverkehr. „Vier Millionen Menschen leiden unter Fluglärm. Gerade auch in unserer Region“, betonen die Vertreter der BIL.

Es geht beim Lärm nicht nur um die gesundheitlichen Folgen, sondern auch um die Lebensqualität, um Beeinträchtigungen der Lernsituation von Schülerinnen und Schülern, wie die NORAH-Studie 2015 im Umfeld des Frankfurter Flughafens gezeigt hat, oder den Aufenthalt im Freien, der vielen Menschen verleidet ist.

Die von der EU-Umweltagentur aufgezeigte Hauptbelastungsquelle ist von Region zu Region, von Stadt zu Stadt verschieden. In Offenbach ist der Straßenverkehr und der Flugverkehr von ganz besonderer Bedeutung. In der Mitte Offenbachs kommt der Bahnlärm hinzu.

Die Situation der Lärmbelastung zu verbessern – dafür setzen sich die Stadt Offenbach wie andere Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet, Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen ein. Stichworte sind hier: Verkehrswende und Geschwindigkeitsreduzierungen, Lärmschutzmaßnahmen, Verbesserungen im ÖPNV, Ausbau der Radwegenetze und deren Verbesserung.

Der Flugverkehr ist aufgrund der Corona-Pandemie seit Wochen um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen. „Solche Anlässe zur Lärmminderung wünscht sich niemand, zumal tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zugehörigen Branchen um ihre Arbeitsplätze bangen oder ihren Job schon verloren haben“, so Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.

Die aktuelle Lage könne aber genutzt werden, um Maßnahmen des aktiven Lärmschutzes durch schonende Flugverfahren zu erproben oder umzusetzen, die wegen des hohen Verkehrsaufkommens bisher angeblich nicht realisierbar waren, schlägt Weiß vor. So könnte es auch in der Zeit nach der Corona-Krise über Offenbach dauerhaft leiser werden. Wie es in der Zeit nach Corona weitergeht, weiß derzeit niemand. Sollte der Zuwachs beim Luftverkehr an die Entwicklung davor anknüpfen können, wäre eine Beschränkung der Flugbewegungen notwendig, bis eine Reduzierung der Lärmbelastung tatsächlich eintritt. Vertröstungen auf leisere Generationen von Flugzeugen sind nicht zumutbar, denn der Austausch der Maschinenflotten braucht Jahrzehnte. Die sogenannte Lärmobergrenze von Land Hessen und Luftverkehrswirtschaft steht in diesem Fall noch vor einer Bewährungsprobe. Auch gehört eine Ausweitung der Nachtflugbeschränkungen dann wieder zum Katalog des geforderten aktiven Schallschutzes.

Die BIL erinnert daran, dass auch vor dem Einbruch des Luftverkehrs im März das Aufkommen noch immer ohne die im Oktober 2011 eröffnete Nordwest-Bahn hätte abgewickelt werden können. Eine zusätzliche Bahn, die Offenbach mit einem flächendeckenden Lärmteppich überzogen hat.

Um Lärm in Offenbach zu reduzieren, ist Engagement von Stadt Offenbach, politischen Parteien, Umweltgruppen, Bürgerinitiativen und der Bürgerinnen und Bürger im Sinne von Gesundheit und Lebensqualität weiter gefragt.

27. April 2020