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Die Delegierten des 11. KJP vor dem Rathaus © Stadt Offenbach
Wie sollten Spielplätze gestaltet sein, wie der Vermüllung von öffentlichen Plätzen und Parks begegnen und wie könnte soziales Engagement für die eigene Stadt aussehen? Damit die Themen der Kinder und Jugendlichen auch bei den `Großen´ in der Stadt Offenbach Gehör finden, gibt es seit 1998 das Kinder- und Jugendparlament. Im November 2018 starteten die Delegierten des 11. Kinder- und Jugendparlaments, voller Tatendrang widmeten sie sich einer Menge Themen. Zeit, Halbzeitbilanz zu ziehen:

Kinderfraktion: Spielplätze und Aufenthaltsqualität

Begonnen hat das Jahr in der Kinderfraktion mit dem Thema Spielplätze. In Kooperation mit der Medienetage der KJK Sandgasse hat die Kinderfraktion Spielplätze nach festgelegten Kriterien wie Erreichbarkeit, Sauberkeit und Ausstattung bewertet. Begleitet von der Kamera wurde in Interviews mit den zuständigen Mitarbeiterinnen des Referats Stadtgestaltung und Stadtgrün im Amt für Stadtplanung, Verkehr und Baumanagement die Gestaltung von Spielplätzen und allem, was dazu gehört, näher beleuchtet. Also, wie Frau oder Mann zum „Spielplatzbauer“ wird, aber auch, wie die Interessen und Wünsche von Kindern und Jugendlichen schon von Beginn der Planung an berücksichtigt werden können. Schließlich muss das KJP bei der (Um-)gestaltung von Spielplätzen und der Auswahl neuer Spielgeräte in der Stadt Offenbach beteiligt werden.

Ein weiteres leidiges Thema: Das Rauchen und Fallenlassen von Zigarettenstummeln dort, wo sich Kinder aufhalten und spielen. Daher hat die Kinderfraktion im Sommer die aufmerksamkeitswirksame „Fill the bottle“ Aktion beim Kinderfest im Leonhard-Eißnert Park organisiert. Ausgestattet mit schwarzem Mundschutz und schwarzen Handschuhen sammelten die Kinder Zigarettenstummel auf und klärten mit einem Infostand über die Folgen von weggeworfenen Kippen auf, wie beispielsweise die Verschmutzung des Grundwassers.

Das Thema Kinderarmut hat die Kinderfraktion über das ganze Jahr beschäftigt. Deshalb haben die Kinder beim Osterfest der Offenbacher Tafel im Stadtteilbüro Mathildenviertel beim Servieren von Getränken und Grüner Soße geholfen und einen Stand mit zuvor gesammelten Spielzeugspenden und Büchern bei der Essensausgabe der Offenbacher Tafel organisiert. Aktuell bittet die Kinderfraktion mit selbstgebackenen Plätzchen auf dem Weihnachtsmarkt um Spenden. Damit möchten sie Projekte unterstützen, die sich für geflüchtete Familien einsetzen.

Jugendfraktion: Gesellschaftliches Miteinander und Erinnerungskultur

„Jufra kocht“: Armut beschäftigt auch die Jugendlichen im KJP. Nachdem sich die Jugendfraktion im letzten Winter bei der Diakonie Offenbach über die Angebote für wohnungslose Menschen informiert hatte, bekochen sie in den Weihnachtsferien Besucherinnen und Besucher der Teestube in der Gerberstraße mit einem Mittagessen. Bereits seit etlichen Jahren organisiert das KJP Treffen zwischen Oberbürgermeister und Jugendlichen an Offenbacher Schulen. Im Frühjahr 2019 war Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke „on Tour“ in der Edith Stein Schule sowie in der Marienschule und stellte sich dort den Fragen der jungen Generation zu Themen wie Klimaschutz, Mieten, Busverbindungen und einer auch für Jugendliche attraktiven Innenstadt. Einen Erfolg konnte das KJP im Mai verbuchen, denn der interfraktionelle Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, für Kinder und Jugendliche relevante Themen in den Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung in Einfacher Sprache zu behandeln sowie die Fortbildung aller Beteiligten, ging auf einen Antrag des 10. KJP zurück. Inwiefern der Beschluss in der Praxis tatsächlich dazu beiträgt, die Mitsprache von Kindern und Jugendlichen in kommunalpolitischen Prozessen barrierefreier zu gestalten, bleibt abzuwarten. Die Kinder- und Jugenddezernentin Sabine Groß lobt die Kinder und Jugendlichen, die mit Vorstößen wie diesem ihre Möglichkeiten wahrnehmen und sich parlamentarisch einbringen. „Es ist wichtig, bereits frühzeitig das Handwerk für unsere Demokratie zu erlernen. Damit können wir gemeinsam Zukunft gestalten in unserer Stadt.“ Ein besonderes Highlight war in diesem Jahr auch der Workshoptag „Nehmt uns ernst“ im September, bei dem 100 Jugendliche der Geschwister Scholl Schule über die Themen „No Hate speech“, „Klimaschutz“ und „Artikel 13, die Debatte um die EU Urheberrechtsreform und Uploadfilter“ diskutierten. Diese Veranstaltung wurde unterstützt von der Partnerschaft für Demokratie, der im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport geförderten Initiative, die mit verschiedenen Formaten Extremismus vorbeugen und demokratische Haltungen stärken will. Im Oktober 2019 hat das KJP die Patenschaft für zwei Stolpersteine übernommen und im Zuge dessen das Schicksal zweier Offenbacher jüdischer Jugendlicher kennengelernt, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden und ohne ihre Familie ins Ausland fliehen mussten. Erfreulicherweise haben sie, wie ihre Eltern auch, überlebt.

Kinder- und Jugendfreundliches Offenbach

Alle zwei Jahre vergibt das KJP den mit 500 Euro dotierten Preis für kinder- und jugendfreundliches Engagement in der Stadt Offenbach. Aus den Bewerbungen hat die Jury aus zwei Kindern und zwei Jugendlichen aus dem KJP, Bürgermeister Peter Freier und Sozialdezernentin Sabine Groß einen Preisträger ermittelt, der jetzt noch nicht verraten wird. Soviel sei gesagt: Die Preisverleihung wird Anfang des neuen Jahres stattfinden. Aktuell beschäftigt sich die Jugendfraktion in dem Projekt „Offenes Offenbach“ mit den Themen Vielfalt, Stereotype und Rassismus bei Jugendlichen. Dabei geht es um das schlechte Image der Stadt aber auch um die Frage, was sich von Offenbach in Bezug auf das Zusammenleben lernen lässt? Das Projekt endet im Sommer 2020, dann sollen sich Jugendliche aus Offenbach mit Gleichaltrigen aus einer kaum von Einwanderung geprägten Region Deutschlands austauschen. Im neuen Jahr bietet das KJK ein Ferienangebot zum Thema Öffentlichkeitsarbeit. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie Kinder und Jugendliche in der Stadt Offenbach stärker erreicht und interessierte Erwachsene besser informiert werden können. Schließlich wird im Herbst 2020 ein neues Kinder- und Jugendparlament gewählt. „Dafür braucht es weitere kritische Geister, die ihre Stadt mitgestalten wollen“, ermuntert Sozialdezernentin Sabine Groß zum Engagement im KJP: „Damit erhalten die Jungen in der Stadt eine eigene Stimme.“ 
17. Dezember 2019