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Wie geht es eigentlich den Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise? Was machen 10 bis 18-jährige Offenbacherinnen und Offenbacher, die sich nicht mit Freunden treffen und ihren Hobbys nachgehen können? Das und vieles mehr wollte die Jugendfraktion (Jufra) des Kinder- und Jugendparlaments (KJP) mit einer Online-Umfrage herausfinden, während sich die Kinderfraktion (Kifra), in der Kinder von der 3. bis zur 5. Klasse aktiv sind, mit konkreten Solidaritätsprojekten beschäftigten: Unter dem Motto #stayathome bastelten die Kifras in den Osterferien Insektenhotels und starteten eine Spendenaktion für die Offenbacher Tafel.

Insektenhotel
Insektenhotel von Ebba Steiner aus der Kinderfraktion © Kinder- und Jugendparlament Offenbach

Kinderfraktion aktiv

Eigentlich wollten die Mitglieder der Kinderfraktion in den Osterferien einen kurzen Erklärfilm über das KJP Offenbach drehen, um damit auch jüngeren Mitschülerinnen und -schülern etwas von ihrer Arbeit zu zeigen. Schließlich wird im Herbst das 12. Kinder- und Jugendparlament an den Offenbacher Schulen gewählt. Weil das aber auf Distanz schwierig zu realisieren war, machten die Kinder kurzerhand ein „Stay at home“ Projekt zu einem anderen wichtigen Thema, dem Umweltschutz. Und weil Insekten zwar nicht von Corona betroffen sind, aber auch ein Zuhause brauchen, bastelten die Kinder ihnen Insektenhotels in Konservendosen.

Außerdem organisierte die Kinderfraktion eine kleine Osterspendenaktion im KJK Sandgasse. „Armut in unserer Stadt, vor allem Armut von Kindern und ihren Familien, ist ein wichtiges Thema für uns“, berichtet Aliyah Rahman Khan, Delegierte im 11. Kinder- und Jugendparlament: „Wir haben selbstgemalte Bilder für Seniorinnen und Senioren und mit Unterstützung unserer Eltern und anderen Erwachsenen Grüne Soße, Ostereier und selbstgenähten Mund-Nasen-Schutz für die Offenbacher Tafel gespendet.“  Die Tafel Offenbach versorgt bedürftige Menschen im gesamten Stadtgebiet mit gespendeten Lebensmitteln und ist von der jetzigen Situation besonders betroffen. „Für Kinder gab es außerdem noch eigene Ostertütchen mit Schokolade und Malvorlagen mit einem Regenbogen und dem Motto `Alles wird gut´, der in die Fenster gehängt werden kann, als Zeichen, dass auch hier ein Kind wohnt, das gerade zuhause bleibt.“

Jugendfraktion will's wissen

Während sich die Kifra in E-Mails und Telefongesprächen organisierte, trafen sich die Mitglieder der Jufra, das sind Schülerinnen und Schüler ab der 6. Klasse aufwärts, digital. Dadurch konnten die wöchentlichen Sitzungen auch weiterhin stattfinden und zwischenzeitlich auch neue Wege beschritten werden: So widmete sich die Jufra nach dem Aufräumen der eigenen Website der Darstellung in den Sozialen Medien und ist jetzt nicht nur auf Instagram, sondern auch wieder bei Facebook unter „kjpoffenbach“ zu finden. 

Weil wegen Corona-Kontaktverbot die in den Osterferien geplante Aktion „Jufra kocht“ für Wohnungslose der „Teestube Gerberstraße“ nicht möglich war, planen die Jugendlichen statt einer gekochten Mahlzeit, Einkaufsgutscheine für Besucherinnen und Besucher der Teestube Gerberstraße zu spenden.

Außerdem starteten Mitglieder der Jugendfraktion die Online -Umfrage „Was ist für Dich eigentlich anders seit Corona?“. „Die Fragen sind für Kinder und Jugendliche etwas unterschiedlich“, erklärt Aliyah Rahman Khan. „Es ist für uns wichtig zu fragen, wie Kinder und Jugendliche mit den neuen Situationen in Bezug auf ihr Zuhause, ihre Familie, ihre Freunde und das Thema Schule umgehen und ihre Erfahrungen und Meinungen sichtbar zu machen.“ Die Umfrage findet sich online  http://kjp-of.junetz.de/

Kinder- und Jugendstadträtin Sabine Groß lobt die Kinder und Jugendlichen ihre wichtigen und einfallsreichen Aktionen: „Das Kinder- und Jugendparlament ist gerade in Krisenzeiten wie diesen gefragt, um jungen Menschen in unserer Stadt Gehör zu verschaffen.  Dort haben sie eine Plattform für ihre Aktionen und lernen zugleich das Handwerkszeug, um sich an wichtigen Abstimmungsprozessen in dieser Stadt einzubringen. Die Kinder und Jugendlichen kennen ihre Bedarfe doch um einiges besser als wir Erwachsenen.“

Homeschooling setzt auch Kinder und Jugendliche unter Druck

Homeschooling ist nicht nur für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch für Schülerinnen und Schüler eine anstrengende Angelegenheit. Deshalb setzt sich das KJP für eine bessere Kommunikation und eine größere Transparenz in den Schulen ein. „Unser Anliegen ist es, allen Beteiligten klar zu machen, wie sehr Kinder und Jugendliche in der Coronazeit unter emotionalem Stress und Druck stehen“, sagt Besan Kaeid, Vorsitzende im 11. KJP. Finanzielle Sorgen in der Familie, enge Wohnungen, schulische Überforderung, emotionale Belastung, soziale Einschränkungen gehen an Kindern und Jugendlichen nicht spurlos vorüber. „Deshalb haben wir in den letzten Wochen Fragen unter Offenbacher Schülerinnen und Schülern gesammelt und diese mit der Bitte um sichtbare Antworten an die weiterführenden Schulen geschickt. Es ist etwas anderes, die Informationen auf der eigenen Schulwebseite zu lesen, als sie sich Schritt für Schritt in den Veröffentlichungen von Kultusministerium oder Medien zusammen suchen zu müssen. Informationen auf der eigenen Schulwebseite zu lesen, hat für Kinder und Jugendliche natürlich eine größere Verbindlichkeit.“

Bisher hat Frau Marré-Harrak, Leiterin der Schillerschule geantwortet und die Veröffentlichung der entsprechenden Informationen auf der Webseite zugesagt. „Wir hoffen, dass möglichst alle weiterführenden Schulen in Offenbach unseren Fragenkatalog und die große Verunsicherung der Schülerinnen und Schülern ernst nehmen und auf unseren Bedarf auf Information und Beteiligung reagieren.“

12. Mai 2020