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Nicht nur das Wetter spielte mit, als sich die Stadtoberhäupter der beiden Nachbarstädte Offenbach und Frankfurt am Samstag zur Fahrradtour an der Gerbermühle trafen. Auch die Chemie zwischen Horst Schneider und Peter Feldmann scheint zu stimmen: „Wir sind uns persönlich, politisch und auch bei den Projekten sehr nah“, so Feldmann, zudem gelte es die Kleinstaaterei zu beenden und Probleme gemeinsam anzugehen.
OB´s auf dem Wochenmarkt
© Stadt Offenbach
Ein wichtiger Punkt auf der politischen Agenda des Frankfurter Oberbürgermeisters: bezahlbaren Wohnraum schaffen. „Es gibt keinen preiswerten Wohnraum mehr in Frankfurt und die Bevölkerung wächst: vor kurzem erblickte der 701.000 Frankfurter das Licht der Welt“. Bereits jetzt werde einiges getan und fänden Umnutzungen von Gewerbe- und Büroflächen in Wohnräume statt, so Feldmann, aber letztlich gebe es zu wenig Flächen. Daher sind Projekte wie der Wohnungsbau im Offenbacher Hafen für den Oberbürgermeister wichtige Signale, denn „nur zusammen sind wir stark“. Gleiches gilt auch für den nunmehr gemeinsam geführten Kampf gegen Fluglärm, mit einem SPD-Oberbürgermeister in Frankfurt gebe es jetzt einen starken Bündnispartner, freute sich Schneider: „Hätten wir diese Partnerschaft vor zehn Jahren schon gehabt, bin ich mir sicher, es hätte eine andere Lösung gegeben.“ Für ihn gelte der „Offenbacher Standard“ ergänzte Feldmann, der im Nordwesten Frankfurts wohnt und während seines Wahlkampfes einige Nächte bei Bürgern in Sachsenhausen verbracht hatte. Einig sind sich beide auch über das Potential, das die wachsende Nähe zwischen den beiden Kommunen birgt: beispielsweise der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) im Osten Frankfurts, der nicht nur optisch eine neue Landmarke setzt. Auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle arbeiten 600 Bauarbeiter an der Fertigstellung des 185 Meter hohen Gebäudes, in das 2014 1500 Beschäftigte einziehen sollen. Parallel dazu wird seitens der Stadt Frankfurt das umliegende Honselldreieck entwickelt, zudem verbindet seit Ende August eine neue Mainbrücke den Frankfurter Osten mit dem Deutschherrenufer im Süden. „Die neue Verbindung hilft, den Verkehr zu entzerren“, meint der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider, „und setzt sicher auch Impulse für den Standort Offenbach.“
Am Kaiserlei
© Stadt Offenbach

1. Station: Kaiserlei

Der Kaiserlei war daher auch die erste Station auf der gemeinsamen Strecke: aktuell rund 65.000 Fahrzeuge passieren täglich den Kreisel auf dem Weg zur Autobahn 661, Planer gehen davon aus, dass mit der Fertigstellung der EZB 5.000 bis 6.000 hinzukommen. Bei laufendem Betrieb wird dieser nun umgebaut, bis 2016 sollen zwei Kreuzungen den bisherigen Kreisel ersetzen. Die neue Lösung bringt einen Kapazitätszuwachs von rund 20 Prozent gegenüber der heutigen Verkehrsführung. „Damit wird der ohnehin gute Standort Kaiserlei noch attraktiver. Im Kaiserlei gibt es Flächen für Dienstleister, die die Nähe zur EZB suchen, im Offenbacher Westend oder im Hafen hochwertige Wohnungen“, so Schneider. Außerdem expandiert Hyundai und Mercedes Benz plant hier die zentrale Niederlassung Frankfurt/Offenbach. Zudem werden mit dem Umbau rund 17.000 Quadratmeter Fläche innerhalb des Kreisels frei, die nach 2015 vermarktet werden können. Platz genug auch für eine Veranstaltungs- und Sportarena, meinte Schneider und verwies auf eine Brache an der Strahlenberger Straße: „Wir haben 5,5 Millionen Einwohner im Einzugsbereich und die verkehrstechnischen Möglichkeiten.“ Vom Kaiserlei ging es weiter Richtung Hafen Offenbach, vorbei an den letzten Nachtschwärmern aus einem der besten Clubs Deutschlands, dem Robert Johnson, dem Neubau des Kulturzentrums hafen 2 und dem Kohlekran der Energieversorgung Offenbach AG (EVO), der noch heute jährlich rund 120.000 Tonnen Kohle transportiert. Vorbei auch an der Heyne-Fabrik, wo Schnäppchenjäger aus der Region beim Kollektionsverkauf der ansässigen Modelabels am Samstag wieder auf ihre Kosten kamen.
Im Hafen
© Stadt Offenbach

2. Station: Hafen

256.000 Quadratmeter groß ist eines der größten Entwicklungsgebiete des Rhein-Main-Gebietes im Offenbacher Hafen. Früher industriell genutzt, bietet das Gelände perspektivisch viel Raum zum Leben, Wohnen und Arbeiten. 2002 wurde unter dem Namen „Mainviertel Offenbach“ mit der Entwicklung eines neuen Stadtteils entlang des 770 Meter langen und 65 Meter breiten Hafenbeckens begonnen, das den 1902 eingeweihten Hafen zu einem neuen urbanen Zentrum ausgestalten soll. Eine der Pioniere ist die Frankfurter AGB Holding, die auf der Hafeninsel 178 Wohnungen im Passivhausstandard baut. „Das hatte Signalwirkung“, erklärte Schneider, „denn kurz darauf folgte die DIH Deutsche Wohnwerte GmbH & Co. KG, die 140 exklusive Eigentumswohnungen unmittelbar am Hafenbecken errichten wird. Die DIH investiert nur dort, wo sie ihre zentralen Kriterien zentrale Lage, Blickqualität und Wasserbezug realisiert sieht.“ Zudem entstehen auf dem jetzigen Gelände des hafen 2 bald ein Kindergarten und eine Grundschule, mit dem Neubau der Hochschule für Gestaltung soll 2016 begonnen werden. Der Abstecher in die Senefelder Straße fiel aus. Die Stadt Offenbach möchte das ehemalige MAN-Gelände, das unlängst mit der Ausstellung „Neue Welten“ von sich reden machte, zu einem Gebiet für Wohnen, Arbeiten und Naherholung mitten in der Stadt entwickeln. Dafür endete die Radtour auf einem der schönsten Wochenmärkte der Region, auf dem Wilhelmsplatz. Es hätte noch einiges zu sehen gegeben, aber der Chauffeur aus Frankfurt wartete bereits. Die gemeinsame Tour hat beiden sichtlich Spaß gemacht, demnächst wollen sie sich wieder aufs Velo schwingen. Dann um den Frankfurter Nordwesten zusammen zu erkunden.
Offenbach, 2.10.2012