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Oberbürgermeister Dr. felix Schwenke und Gästeführerin Monika Krämer
© Stadt Offenbach
Inzwischen ist es gute Tradition, dass sich der Oberbürgermeister mit Neubürgern und interessierten Alteingesessenen auf eine Rundfahrt durch die Stadt und ihre Teile begibt. Dr. Felix Schwenke ist seit Januar im Amt und war im Juni mit einer größeren Gruppe unterwegs.

Fast 50 Neu- und Altoffenbacher waren der Einladung zur kostenlosen Tour gefolgt und erwarteten das Stadtoberhaupt an einem sonnigen Samstagvormittag am Rathaus. Junge Menschen waren dabei, aber auch viele Seniorinnen, eine Teilnehmerin zählte gar 93 Jahre. „Sie will ihre Stadt nochmal sehen“, erklärt Gerlinde Schick, die sich bei der Seniorenhilfe engagiert und jetzt mit der älteren Dame dabei ist. Sie selber ist gespannt, was der Oberbürgermeister zu berichten hat und ob er, meint sie augenzwinkernd, „auch aus dem Nähkästchen plaudert.“ 

OB und Gästeführerin sind schnell eingespielt

Die Tour startet mit einem kleinen Rundgang durchs Kulturkarree, beim ersten Stopp an der Französisch-Reformierten Kirche erfahren die Teilnehmer von der langen Zuwanderertradition der Stadt. „1698/99 nahm Graf Johann Philipp hugenottische Glaubensflüchtlinge auf, die Kirche in der Herrnstraße wurde 1718 fertig gestellt“, ergänzt Gästeführerin Monika Krämer. Sie war bereits mit Amtsvorgänger Horst Schneider unterwegs und wird auch an den nächsten Stationen die Ausführungen Schwenkes hier und da ergänzen.

Dass dies die erste gemeinsame Tour miteinander ist, lässt sich nur erahnen. Informationen und Anekdoten fliegen durch die Luft, so erfahren die Teilnehmer, dass das Marktrecht des mittelalterlichen Merkantilismus bis ins heutige Recht hineinwirkt und der heutige Marktplatz außerhalb der ehemaligen Stadtmauern lag. Oder dass das Büsingpalais in einer Kriegsnacht zerstört wurde, auch mal Rathaus war und erst seit Ende der Achtziger Jahre wieder in vollem Umfang steht.

Innenstadtentwicklung und Wirtschaftsförderung liegen dem OB besonders am Herzen

Mit dem Bus geht es jetzt weiter, und weil Innenstadtentwicklung und Wirtschaftsförderung OB Schwenke besonders am Herzen liegen, auch ein Blick auf den leerstehenden Citytower, der, so Schwenke, „einem Iren gehört, der auf den Brexit hofft“ Schwenke hat ihn getroffen und erfahren, dass er ihn deshalb aktuell mit Absicht leer hält. Aber auch ein paar Meter weiter wird sich demnächst etwas tun, wenn City Center und Toys`R´Us um- beziehungsweise neu gebaut werden. Anstelle des in die Jahre gekommenen Ensembles zwischen Berliner Straße und Ziegelgasse ist dort ein attraktives Wohn- und Geschäftshaus mit Arkaden geplant.

Vorbei am Wilhelmsplatz mit seinen hochwertigen Gastronomen und dem Wochenmarkt, beim Abbiegen zurück in die Berliner Straße der Hinweis auf die Käserei L´Abbate, „die eigentlich kein Geheimtipp mehr ist.“ Vorbei an der „deutschen Kunsteliteuniversität, die sogar Studenten aus Asien und Amerika lockt“, und dem Isenburger Schloss, „dem wohl schönsten Renaissanceschloss jenseits der Alpen“, geht es Richtung Hafen Offenbach. Das Stadtentwicklungsprojekt ist bereits vielfach ausgezeichnet, unlängst wurden Stadt und die Architekten Waechter +Waechter für die Hafenschule mit der Martin Elsaesser-Plakette geehrt. „Den Preis für ausgezeichnete Architektur in Hessen vergibt der Bund Deutscher Architekten BDA Frankfurt im fünfjährigen Zyklus.

Vom Hafen zum Kaiserlei

Mobilität und Infrastruktur sind die bestimmenden Themen der Zukunft. „Gut, dass die EVO im Goethering ein Serverhotel gebaut hat, das nah am schnellsten Internetknotenpunkte der Welt liegt. Außerdem betreibt der VDE dort ein Testlab“, berichtet Schwenke. Er hofft auf weitere Impulse durch den Kaiserleiumbau, so könnte an der Kaiserleistraße ein Hochhaus entstehen, außerdem ist ein Park geplant. Das gesamte Areal besitzt eine ungeheure Dynamik, so Schwenke weiter und ist froh, dass mit dem Kauf des Areva-Gebäudes durch die Hessische Landesbank weitere Arbeitsplätze entstehen. Nur noch das Gerüst ist übrig geblieben von den ehemaligen Gebäuden der Siemens Kraftwerk-Union. Nach langen Jahren des Leerstands werden diese gerade entkernt und zu 650 2-Zimmerwohnungen umgebaut, allerdings mit dem Wermutstropfen, dass die Stadt hier keinen Einfluss auf bezahlbares Wohnen hat.

Dynamik auch entlang der Berliner Straße, hier verschwinden Brachen und zeugen Bauschilder von den Neubauprojekten. Im Entstehen sind vor allem Wohnungen. „Jahrelang wollte keiner, der eine Arbeit hat, nach Offenbach ziehen“, berichtet Schwenke, „in den letzten vier Jahren sind jetzt aber 5000 Menschen mit sozialversicherpflichtiger Beschäftigung hierhergekommen.“ Und die Stadt wächst weiter. „Deshalb gilt es jetzt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, so Schwenke. Das Goethequartier ist nur eine von zahlreichen Baustellen in der Stadt, hier entstehen gerade 350 Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten und eine Kindertagesstätte und in Kooperation mit der Nassauischen Heimstätte auch bezahlbare Wohnungen“, wird Schwenke konkret.

„Die Stadt ist an vielen Stellen kaum wiederzuerkennen“, meint Gisela Roßbach. Sie ist in den siebziger Jahren von Frankfurt nach Offenbach gekommen, lebt schon lange in Bürgel und hat schon jetzt „sehr viel Informationen mitgenommen.“ Ähnlich auch die Zwischenbilanz von Valèrie Fuchs-Allaire. Die Französin lebt seit 32 Jahren in Offenbach, ist im Februar erst Deutsche geworden und lobt die informativ-unterhaltsame Art Schwenkes: „Die Tour macht einfach Spaß.“

Stadt im Häutungsprozess

Vorbei an Wetterdienst, durch die Körnerstraße, am Restaurant „Schaumahl“ („ein Spitzenrestaurant. Da lohnt es sich auch zu sparen, um einmal hinzugehen“), geht die Fahrt vorbei am Hauptbahnhof, „dessen Zustand ist ein großes Ärgernis“ und am Klinikum. Das ehemalige Stadtkrankenhaus sei vor einigen Jahren für den symbolischen 1 Euro zwangsverkauft worden, berichtet Schwenke, um weiterhin die Maximalversorgung für die Bürger zu gewährleisten. „Sana hat seine Versprechen bisher eingehalten“, ist Schwenke froh. Schimpfen müsse er allerdings über diejenigen, die mit kleinen Wehwehchen in die Notaufnahme kommen, „dafür gibt es den Ärztlichen Notdienst direkt vor dem Klinikum“, erklärt Schwenke vor allem an die mitfahrenden Neubürger gerichtet.

Der Bus quert die Waldstraße, linker Hand das Albert-Schweitzer-Gymnasium, wo Schwenke 1998 das Abitur machte. Rechter Hand kommt der Schlachthof ins Blickfeld, 1904 immerhin einer der modernsten Europas. Weiter geht die Fahrt, den Buchhügel hinauf, vorbei an der Theodor-Heuss-Schule und der Käthe-Kollwitz-Schule, rechts ab durch Kleingärtneranlagen, „die Wartelisten sind lang“, weiß Schwenke, an Tierheim, und Kinder- und Jugendfarm sowie dem deutschlandweit einzigartigen Wetterpark vorbei die Obere Grenzstraße hinunter. 

„Das ehemalige Clariant-Gelände soll zum Innovationscampus entwickelt werden, viele Arbeitsplätze sollen auf der 35 Hektar großen Brache entstehen“. Das Gelände zeugt wie kaum ein anderes vom industriellen Wandel, der die Stadt ab den 70er Jahren erfasste und zunächst 5.000 Arbeitsplätze kostete. Die größte Welle kam aber später: Von den ehemals 50.000 Arbeitsplätzen, davon alleine 25.000 in der Industrie, gingen Anfang der 90er Jahre 15.000 verloren. Der unlängst bestätigte Verkauf des Kugellagerfertigers GKN auf der Mühlheimer Straße bereitet dabei aktuell nicht nur Dr. Schwenke Sorge, 2.000 Menschen stehen bei dem britischen Unternehmen in Lohn und Brot und produzieren wichtige Teile als Automobilzulieferer. „In jedem Ferrari steckt ein Stück Offenbach“, sagt Schwenke dazu.

Nach einem kurzen Stopp am Rumpenheimer Schloss und im Schlosspark geht die Fahrt via Waldheim weiter in das Baugebiet An den Eichen, in dem auch der Oberbürgermeister und der Stadtkämmerer leben. Vorbei am Domizil des zweitgrößten Sportvereins der Stadt, dem Sparda-Bank-Hessen-Stadion, vulgo Kickers-Stadion. „Größer ist der Erste Offenbacher Schwimmclub, EOSC, auf Platz drei ist die TSG Bürgel.“

Kleine Heimat Bieber

Daraus, dass er ein Eisliebhaber ist, macht Schwenke keinen Hehl. Ganz im Gegenteil hatte er im Wahlkampf sogar eine kleine Borschüre mit seinen Lieblingseisdielen herausgegeben. Selbstgemacht muss es schon sein, wie im Eiscafe Cortina auf der Aschaffenburger Straße, „Lieblingseisdiele seit über 30 Jahren“. Schräg gegenüber das „Hallelulja-Viertel rund ums katholische Pfarrhaus, in dem die Bieberer Faschingstradition gepflegt wird.“

Die Frankfurterin Waltraud Göhler ist mit ihrem Lebensgefährten nach etlichen Jahren auf der Nordseeinsel Usedum jetzt im Stadtteil Bieber glücklich: „Wir schätzen die Zentralität und Infrastruktur.“ Angesprochen auf die Luft bestätigen beide, dass die in Bieber sogar besser als im Taunus sei, weshalb sie das Inselleben denn auch nicht vermissen.

Außerdem erfahren die Reisenden, dass der Aussichtsturm Bieber auf Bürgerler Gemarkung steht, Offenbacher Bürger beim ESO-Wertstoffhof kostenlos ihren Müll entsorgen können und der REWE im Ringcenter im Odenwaldring zu den umsatzstärksten Deutschlands zählt.

Ausreichend Einkaufsmöglichkeiten sind das einzige was Ingeburg Saß inzwischen vermisst. Sie kennt Offenbach noch aus den Neunziger Jahren, „da war ich immer auf der Frankfurter Straße shoppen“, war dann lange in Berlin und hofft, dass „die Attraktivität wieder wird. Ich gucke immer erst in Offenbach und dann erst in Frankfurt.“ Sie fühlt sich wohl in ihrer barrierefreien Wohnung im Hafen und „mag Offenbach“.

„Der Hafen, gut, der kam ein bisschen kurz“, bilanziert Schick. Erstaunt habe sie die enge Bebauung, aber insgesamt sei doch alles sehr gelungen. Und auch wenn er nicht aus dem Nähkästchen geplaudert habe, hat die Neubürgerfahrt ihre Erwartungen mehr als erfüllt: „Das hat er toll gemacht und auch das Zusammenspiel mit der Gästeführerin fand ich gut.“

Offenbach, 13.07.2018

Der Termin für die nächste Neubürgerfahrt wird noch bekannt gegeben.