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14. August 2001: Verärgert zeigte sich der Offenbacher Oberbürgermeister, Gerhard Grandke, über das jüngste Interview von Fraport-Chef Wilhelm Bender zum anstehenden Flughafenausbau. Grandke, der sich nicht als Gegner des Flughafens, sondern als Motor und Moderator der Region versteht, fordert Belastungsgerechtigkeit für die Flughafenanrainer.

"Es ist mir absolut unverständlich, warum Herr Bender das Mediationsergebnis immer wieder quasi als rechtliche Grundlage für einen Flughafenausbau, respektive den Bau der Nordbahn heranzieht. Im Regionalen Dialogforum haben wir wiederholt den Mediationsbericht erörtert. Fakt ist, dass die Mediation einen wichtigen Beitrag geleistet und die Bevölkerung der gesamten Region für dieses Großprojekt sensibilisiert hat. Die Ergebnisse der Mediation haben jedoch ein entscheidendes Manko, sie berücksichtigen lediglich den durch den Bau einer weiteren Bahn hinzukommenden Lärm. Dies wird von uns nicht akzeptiert. Offenbach ist bereits jetzt die Großstadt in Deutschland, die die größten Beeinträchtigungen durch Fluglärm zu tragen hat", so Grandke.

Insofern halte er das Mediationsergebnis für unvollständig und unbrauchbar. Makulatur ist in den Augen Grandkes das von Bender und der Landesregierung propagierte Zehn-Punkte-Programm: "Nachweislich werden seit Jahren im Offenbacher Lauterborngebiet, in Bieber-West und Tempelsee die größten Fluglärmmengen gemessen. In den Genuss von Zuschüssen für den Einbau von Lärmschutzfenstern kommen wir jedoch nicht, da die Grenze für die Gewährung von Mitteln vor Offenbach gezogen wurde. Im Übrigen halte ich wenig von Investitionen, die dem Flughafenbetreiber eine Lizenz geben, der betroffenen Bevölkerung ein Leben in einer verbesserten Käfighaltung zumuten. Was wir brauchen ist eine Entlastung."

Mit den vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel anhängigen Klagen der Stadt Offenbach auf Einführung eines weitgehenden Nachtflugverbotes, eine Oberbegrenzung der Nachtflüge und die planungsrechtliche Feststellung des Flughafens will Grandke eine Versachlichung der Diskussion und die Herstellung von "Belastungsgerechtigkeit" erreichen:

"Der Wunsch von Herrn Bender, demzufolge die airlines sich einer freiwilligen Selbstbeschränkung unterziehen mögen grenzt im Rahmen von Marktwirtschaft, Globalisierung und Wettbewerb an Naivität. Wenn es Herrn Bender wirklich ernst wäre, würde Fraport einen Antrag beim Wirtschaftsministerium auf Erteilung eines Nachtflugverbotes stellen. Fraport muss endlich seiner Verantwortung für das Rhein-Main-Gebiet nachkommen und nicht ständig davon ablenken."

Mit ihrer jetzigen Informations- und Ausbaupolitik, so Grandke, gewinne weder die Hessische Landesregierung noch die Fraport AG Sympathien. Im Gegenteil, auf breiter Front formierten sich Kommunen und Initiativen gegen jeglichen Ausbau. Die von Wirtschaftsminister Posch verordnete Obergrenze der nächtlichen Flugbewegungen käme einem Taschenspielertrick gleich, so Grandke:

"Es ist mir absolut schleierhaft, wie der Minister und auch der Fraport-Vorsitzende Bender in diesem Zusammenhang von Einschränkungen sprechen können. Die Steigerung der nächtlichen Flugbewegungen von 10 000 im Jahr 1985 auf nunmehr über 50 000 pro Jahr, sollen auf höchstem Niveau eingefroren werden und bereits jetzt ist im Vergleich zum Vorjahr wiederum eine Steigerung festzustellen, die dann als Grundlage für 2002 dienen soll. Die sofortige Reduzierung der Nachtflüge ist absolut notwendig, um die permanente Erhöhung der Flugbewegungen zu kompensieren."

Der Offenbacher Oberbürgermeister fordert die Genehmigungsbehörde als auch die Fraport AG auf, Verlagerungspotentiale zu konkretisieren und Lärmkonten einzurichten, über die eine gerechte Verteilung der Fluglärmbelastungen geregelt werden kann, anstatt auf Planungen zu beharren, die nach seiner Auffassung weder bei der Bevölkerung noch vor Gericht Akzeptanz finden.