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07. Oktober 2004: Seit Jahrhunderten steht an der Landstraße nach Dietzenbach an der Lerchenallee (in unmittelbarer Nachbarschaft ist heute die Müllverbrennungsanlage) das „Weiße Kreuz“. Den Mitgliedern des Gesangvereins Eintracht 1907 Mühlheim am Main e.V. präsentierte sich das steinerne Gotteszeichen auf ihrer Frühjahrswanderung am 24. April zur Rosenhöhe in einem renovierungsbedürftigen Zustand. Die markante Farbe war abgeblättert, der Stein bröckelte an den Fugen des Sockels, die Inschrift war verwittert. Spontan beschlossen die Sangesfreunde Hand anzulegen und das Kreuz zu sanieren.

Am 20. und 21. September wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Der Vereinsvorsitzende Heinrich Rühl, ein Offenbacher, machte sich mit den Chorbrüdern Walter Kemmerer, Theo Fachinger, Alfred Preißler, Hans Ziegler und Horst Reiner an die Arbeit. Mit Generator, Schleifmaschine und der Wurzelbürste wurde das Mauerwerk gereinigt, Schadstellen ausgebessert, Farbe aufgetragen und der Sockel liebevoll restauriert. Auch die Inschrift ist dank des Chores wieder lesbar. Natürlich haben Heinrich Rühl und seine Mitstreiter auch die Bodenplatten um das Kreuz gesäubert. In den nächsten Tagen soll auch die daneben stehende Bank ausgebessert werden. Das Holz ist bereits bestellt. Die Kosten hierfür tragen die Akteure ebenso wie die Ausgaben für die Farbe aus eigener Tasche. Insgesamt kostete das Engagement über 100 Euro.

Offenbachs Oberbürgermeister Gerhard Grandke hat sich bei allen, die an dem Projekt mitgewirkt haben, mit einem kleinen Präsent bedankt. Grandke: „Die Männer des Gesangvereins haben sich vorbildlich verhalten. Sie haben einen Misstand gesehen, nicht sofort nach der Stadt gerufen, sondern selbst angepackt. Das Weiße Kreuz ist ein Ort der Besinnung. Viele Besucherinnen und Besucher erleben künftig diesen Ort in einem würdigen Rahmen. Ich freue mich sehr über das spontane Engagement“.

Der Grund für die Errichtung des Weißen Kreuzes konnte selbst von Frau Maria von der Offenbach Post, Jahrzehnte letzte Instanz für alle Fragen in und um Offenbach, nicht eindeutig geklärt werden. Man nimmt an das die Statue im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Eine Theorie besagt, dass Wallfahrer, die auf ihrem Weg nach Walldürn in Heusenstamm Station machten, das Kreuz aufgestellt haben. In einem Leserbrief an die Offenbach Post wurde auch die Meinung vertreten, hier sei ein Mensch von einem Blitz erschlagen oder ermordet worden. In der Offenbacher Zeitung vom 1. Mai 1925 wird auf einen Ursprung aus der Zeit der Schwedenkriege verwiesen.

In den Jahren 1925 und 1926 wurde das Kreuz zweimal durch „Bubenhände“, wie es in den Gazetten beschrieben wurde, zerstört, einmal blau angestrichen. Die Vereinigung Offenbacher Wandervereine hat das Denkmal damals jeweils wieder auf seinen Sockel gestellt.