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05. Dezember 2005: Auf einer Auktion im November 2005 konnte das Haus der Stadtgeschichte erneut zwei silberne Prägungen des Offenbacher Hofrates Carl Wilhelm Becker erwerben. Nach Zukäufen auf Auktionen im Oktober 2003 (2 Exemplare) und im Mai 2004 (4 Exemplare), außerdem aus Privatbesitz im Februar 2005 (6 Exemplare), und wiederum auf einer Auktion im April 2005 (4 Exemplare), erweitert sich die Anzahl der in der städtischen Münzen- und Medaillensammlung vorhandenen Prägungen Beckers nun auf insgesamt 560 Stück. Zu unterscheiden sind bei diesen Prägungen jene Silberabschläge, die zu Beckers Lebzeiten entstanden, sowie spätere, von den Stempeln gefertigte Bleiabschläge. Die erworbenen Stücke zählen wiederum zu den authentischen Silberabschlägen. Das vermehrte Auftauchen solcher Seltenheiten erklärt sich mit deren Herkunft aus demselben Familienbesitz.

Dr. Hans Rill hat 1954 den Beckerschen Teil der städtischen Münzsammlung in einem Katalog erfasst, der – ohne die jüngsten Zukäufe – 542 Exemplare nennt. Der Offenbacher Lederwarenhändler und Münzsammler Carl Nathan Mayer (1855-nach 1938), dessen Wohnhaus an der nord-östlichen Ecke Frankfurter Straße / Luisenstraße erhalten geblieben ist, hatte die wohl größte Sammlung dieser Art zusammengetragen und sie der Stadt Offenbach am Main überlassen, wie dies eine Zeitungsmitteilung von 1922 festhielt.

Carl Wilhelm Becker lebte von 1815 bis 1826 in Offenbach in einem mittlerweile nicht mehr bestehenden Haus in der Kanalstraße (heute "Kaiserstraße"), schräg gegenüber der Kirche St. Paul. Der aus Speyer stammende Becker hatte sich nach seiner Tätigkeit als Weinhändler dem Kunst- und Münzenhandel zugewandt. So erwarb er auch das Vertrauen des Fürsten Carl von Isenburg, der ihm den Titel eines Hofrates verlieh und dessen Kunstberater er wurde.

Becker hatte weit reichende Beziehungen zu vielen Sammlern und Museen in ganz Europa, so gehörte Goethe in Weimar zu seinen Kunden. Neben seinen kaufmännischen, nicht immer erfolgreichen Bemühungen, besaß Becker künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten, die er – verbunden mit hohem Einfühlungsvermögen in die Antike – zur Herstellung von Münzkopien jener Epoche verwandte.

Bereits zu Beckers Lebzeiten waren jene Prägungen als Fälschungen verunglimpft worden, während er selber sie als Beitrag zur allgemeinen Bildung bezeichnete und die Münzkopien in einer Verkaufsliste angeboten hatte. Im Jahr 1826 siedelte Becker nach Homburg vor der Höhe über, wo er – nicht zuletzt wegen finanzieller Auswirkungen der rufschädigenden Anwürfe – hoch verschuldet starb.

In seiner Schriftenreihe „Kunst und Altertum am Rhein, Main und Neckar“ lobte Goethe den Offenbacher Münzkopisten: „Herr Becker, als Medailleur höchst schätzenswert, hat eine bedeutende Folge von Münzen aller Zeiten, zur Aufklärung der Geschichte seines Faches, einsichtig geordnet. Man findet bei demselben Gemälde von Bedeutung, wohlerhaltene Broncen und altertümliche Kunstwerke mancher Art.“

An anderer Stelle, in den „Annalen oder Tag- und Jahresheften“ zum Jahr 1815, hielt Goethe fest: „Hofrat Becker in Offenbach zeigte bedeutende Gemälde, Münzen und Gemmen vor, nicht abgeneigt, dem Liebhaber eins und das andere Wünschenswerte zu überlassen“. Jene Sammlung wurde von Goethe nicht grundlos genannt.

Zu Beckers Gemälden zählten niederländische Werke von Ruysdael, van der Neer, van Everdingen, van der Velde, außerdem zeigte er feingeschnittene Kameen und Gemmen, die sorgsam geordneten Münzen und elfenbeinerne Kunstbecher.

Allerdings bestimmte Beckers Ruf als Münzfälscher, der auch vor betrügerischen Handlungsweisen nicht zurückschreckte, bis in die Gegenwart das Bild der Nachwelt. Als Münzfälscher im herkömmlichen Sinne sollte Carl Wilhelm Becker dennoch nicht bezeichnet werden, denn er fälschte keine im Umlauf befindlichen Stücke.

Folgende Exemplare wurden angekauft:

Drachme, Epeiros (Alexander I., 342-326 v. Chr.)

Drachme (420/400 v. Chr.), Troas, Skepsis.