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29. März 2007: Den Prototyp eines so genannten Funnel-&-Gate-Systems hat Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel zusammen mit Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon in Betrieb genommen.

Das hochmoderne Verfahren soll dazu dienen, die Altlast auf dem Gelände der ehemaligen Teerfabrik Lang zu sichern und den Wasserkreislauf vor Giftstoffen zu schützen. Der Prototyp wird vom Land Hessen finanziert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert.

Da eine Sanierung des Standorts durch Entfernung aller Schadstoffe einen unangemessenen Aufwand erfordern würde, wird der kontaminierte Bereich dauerhaft gesichert. Mit der Entscheidung für die Entwicklung eines Funnel & Gate-Systems mit so genanntem Biosorptionsreaktor soll am Standort eine passive Sicherung zum Einsatz kommen, bei der das kontaminierte Grundwasser durch senkrechte Leitwände (Funnel) auf einen oder mehrere Durchlässe umgelenkt wird. In diesen Gates sollen Reaktoren für einen gesteuerten mikrobiologischen Schadstoffabbau sorgen, so dass nur noch das gereinigte Grundwasser den Standort verlassen kann.

Ein Funnel-&-Gate-System dieses Typs wurde bisher in Deutschland noch nicht realisiert und stellt daher eine absolute Neuerung auf dem Gebiet der passiven Grundwassersicherung dar. Es ist geplant, die Technologie nach einer erfolgreichen Testphase des Prototyps (bis Ende 2008) zu erweitern.

Bürgermeisterin Birgit Simon betonte, dass Offenbach „aufgrund seiner industriegeschichtlichen Vergangenheit als Zentrum des Druck- und Lederwarengewerbes und der daraus resultierenden Altlastenproblematik eine hervorragende Wahl als Standort für eine neuartige und innovative Sanierungsmethode darstellt“ und wünschte dem Pilotprojekt viel Erfolg. Die Bürgermeisterin wies auf die enge Zusammenarbeit in der Altlastbearbeitung zwischen den Fachämtern in Land und Kommune hin, die in den nächsten Jahren dazu führen wird, dass auch auf weiteren belasteten Flächen auf Offenbacher Stadtgebiet mit finanzieller Unterstützung des Landes die erforderliche Sanierung beginnen kann.

Das Land Hessen hat seit 1994 bis einschließlich 2006 rund 1,9 Millionen Euro für die Untersuchung des Standorts, die Sanierungsplanung, die Abschöpfung von Teeröl und die Entwicklung des Biosorptionsreaktors bereitgestellt. Im Jahr 2007 stehen für das Projekt rund 500.000 Euro zur Verfügung. Darin sind die Betriebskosten des Systems enthalten. Die Weiterentwicklung des Prototyps und die Erweiterung des Funnel & Gate-Systems wird nach derzeitiger Schätzung rund 1,7 Millionen Euro kosten.

Umweltminister Wilhelm Dietzel zeigte sich zufrieden darüber, „dass die Altlastensanierung in Hessen auch in diesem Jahr trotz der notwendigen Haushaltskonsolidierungen auf hohem Niveau fortgesetzt werden wird. Der Haushaltsansatz für die Sanierung von Altlasten im laufenden Jahr ist mit rund 27,5 Millionen Euro nach wie vor auf hohem Niveau.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Entwicklung des Biosorptionsreaktors mit einem Förderbetrag von derzeit 406.000 Euro. Das Forschungsvorhaben verfolgt das Ziel der Entwicklung und Erprobung einer innovativen Technologie zur Fassung und Abreinigung von Grundwasser- Kontaminationen.

Hintergrund:
Die ehemalige Teerfabrik Lang ist eine Hinterlassenschaft aus den 1920er Jahren. Die Verarbeitung von Teer aus dem benachbarten Gaswerkstandort führte auf dem Betriebsgelände zu einem massiven Eintrag von Teerölen in den Untergrund. Das im Vergleich zum Grundwasser schwerere Teeröl ist dabei bis auf die Basis des quartären Grundwasserleiters in 6 bis 13 m Tiefe vorgedrungen und hat sich dort, der Oberfläche des unterlagernden Tones folgend, großflächig ausgebreitet. Im Grundwasser entstand eine Schadstoffquelle, aus der Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX-Aromate, im Wesentlichen Benzol) und andere organische Schadstoffe in das Grundwasser emittiert werden. Seit 1994 wird der Standort intensiv untersucht. Seit 2001 wird am Standort in regelmäßigen Abständen Teeröl aus einem Abschöpfbrunnen abgepumpt. Auf diese Weise wurden bis heute ca. 3.600 l Teeröl aus dem Grundwasser entfernt. Der Sanierungsplan zur Sicherung der Altlast wurde 2005 vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt.