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05. September 2007: Für die Senefelder Sammlung im Haus der Stadtgeschichte konnte aus Essener Privatbesitz ein wichtiges, lithographiegeschichtlich bedeutendes Exponat erworben werden: Ein Christuskopf nach einer Vorlage des spätgotischen Malers Hans Memling aus Seligenstadt. Es handelt sich um ein nazarenisches Blatt aus der Versuchsphase der Farblithographie (37 x 28,7 cm), das oben rechts die gedruckte Bezeichnung trägt: "Farbendruck v.[on] H.[einrich] u.[nd] F.[ranz] Weishaupt. / 1836."

Franz Weishaupt war der Drucker Senefelders und einer der wichtigsten Schüler. Dessen Sohn Heinrich Weishaupt wurde Zeichenlehrer an der 1805 durch Hermann Joseph Mitterer gegründeten "Feiertagsschule" in München. Diese Schule besitzt für die Geschichte der Lithographie und die dortigen Weiterentwicklungen die größte Bedeutung: "Senefelder würdigt in seinem Lehrbuch [des Steindrucks] neidlos Mitterers Verdienste und bezeichnete ihn als den besten Kenner und Förderer seiner Erfindung", schrieb der Senefelder-Biograph Carl Wagner im Jahr 1914.

Zu den dortigen Bestrebungen zählte auch die Entwicklung des lithographischen Farbendrucks. Heinrich Weishaupt "suchte das Bild in die Grundfarben Rot, Gelb und Blau zu zerlegen und durch Übereinanderdrucken die gewünschten Farbtöne zu erzielen. Das erste, was er herausgab, war 1835 ein Christuskopf nach Memling […]", hielt Senefelder-Biograph Wagner fest.
Das angekaufte Blatt, das entgegen jener Angabe die Jahreszahl 1836 zeigt, nennt beide – Vater und Sohn Weishaupt – als ausführende Künstler. Das genannte Farbdruckprinzip, das vor der 1837 durch den Elsässer Gottfried Engelmann erfolgten Patentanmeldung der Chromolithographie entwickelt wurde, ist kaum mehr durch Exponate belegbar.

Arbeiten der Weishaupt-Familie waren trotz Jahrzehnte währender Sammlungstätigkeit bislang nicht in der Senefelder-Sammlung der Stadt Offenbach am Main vorhanden.

Hinweis für die Presse: Die erworbene Farblithographie kann nach Terminanmeldung jederzeit im Haus der Stadtgeschichte photographiert werden.