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16. November 2007: Auf der internationalen Münzenmesse "Numismata" hat das Haus der Stadtgeschichte einen bislang nicht nachweisbaren, in der Fachliteratur unerwähnt gebliebenen, wahrscheinlich nur in diesem einen Exemplar erhaltenen Offenbacher Geldschein erworben. Es handelt sich um einen Notgeldschein über 5 Millionen Mark der Metallschraubenfabrik Gebrüder Heyne GmbH, mit dem Einlösedatum 15. September 1923 versehen und vom damaligen Firmeninhaber Julius Heyne persönlich unterschrieben.

Zusätzlich wurde ein Offenbacher Notgeldschein über 500.000 Mark der Firma Mayer & Schmidt (Schleifmaschinen- und Schmirgelwerke AG) erworben, ausgestellt am 15. August 1923, der ebenfalls selten ist, jedoch in der Fachliteratur Erwähnung findet. Beide Geldscheine illustrieren als Dokumente der Offenbacher Wirtschafts- und Industriegeschichte die Hochinflation des Krisenjahres 1923. Erst mit Einführung der Rentenmark konnte ab 1924 die Währung stabilisiert werden.

Der Erwerb der Notgeldscheine wird durch Zukäufe von Prägungen des isenburgischen Hofrates Carl Wilhelm Becker (1772-1830) flankiert, die auf einer kürzlich stattgefundenen Münzauktion erfolgten: Erworben wurden eine Tetradrachme des Königreichs Bithynien unter Prusias I. (228-188 v. Chr.) und ein Antoninian des römischen Soldatenkaisers Aemilianus (253/54 n. Chr.), beides Silberabschläge statt der häufigeren Bleiabschläge. Mit Nachprägungen antiker Münzen erlangte Becker in seiner Epoche Berühmtheit, wurde später jedoch als Münzfälscher gescholten.
Das Haus der Stadtgeschichte verwahrt die weltgrößte Sammlung Beckerscher Prägungen, die mit diesem Erwerb 562 Exemplare umfasst.

Offenbacher Münzprägungen gibt es seit dem frühen 15. Jahrhundert. Letzte Münzen der Stadt gelangten als Notgeld nach Verordnungen des Kriegsjahres 1917 in Umlauf. Auch Notgeldscheine wurden ab November 1918 durch die Stadt Offenbach, durch Offenbacher Institutionen oder durch Firmen ausgegeben. Zuerst als provisorisches Notgeld eingeführt, folgten auch in Offenbach weitere Ausgabephasen, denn die Zahlungsmittelknappheit spitzte sich bei zunehmender Inflation immer mehr zu. Die Ausgabe von Notgeldmünzen und Notgeldscheinen fand reichsweit ihren Höhepunkt im November 1923. Damals entsprachen 4,2 Billionen Papiermark einem US-amerikanischen Dollar.

Die Ankäufe werden in die städtische Sammlung aufgenommen, die damit wichtige Zugänge erfährt.