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17. Januar 2007: Offenbachs Bürgermeisterin Birgit Simon möchte Fachleute in und außerhalb der Stadtverwaltung in ein wirksames Hilfesystem gegen Kindesmisshandlung einbinden. Zum Aufbau eines Netzwerks fanden in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche unter anderem mit Vertretern aus Fachämtern, Schul- und Gesundheitswesen sowie Kirchen.

Die Vernachlässigung von Kleinkindern durch ihre Eltern war in den vergangenen Wochen ein wichtiges Thema in der Berichterstattung der Medien. Seitdem wird in den Kommunen, den Ländern und im Bund intensiv die Frage diskutiert, wie eine Gesellschaft Verwahrlosung und Vernachlässigung ihrer jüngsten und schutzlosesten Mitglieder wirkungsvoll verhindern kann.

„"In Offenbach haben wir“", so die zuständige Jugenddezernentin, Bürgermeisterin Birgit Simon, „"dieses Problem bereits vor mehreren Monaten aufgegriffen, im Zusammenhang mit Überlegungen zu einer besseren Vernetzung städtischer Institutionen mit Schulen sowie Ansprechpartnern aus dem Gesundheitsbereich“."

Um der Bedeutung des Themas gerecht zu werden und auch, um „"abseits der auch durch viel Aktionismus gekennzeichneten Diskussion an Lösungskonzepten zu arbeiten“", hat Birgit Simon in den letzten Wochen zunächst zahlreiche persönliche Einzelgespräche geführt. "„Mir war vor allem der direkte Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Berufsgruppen wichtig, die spezifische Zugänge zu dem Thema haben und dadurch über wichtige und sehr spezielle Erfahrungshintergründe verfügen"“, so die Bürgermeisterin.

Gesprächspartner waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes, des Kinder- und Jugendmedizinischen Dienstes des Gesundheitsamtes, Kinderärzte, Offenbacher Hebammen als Vertreterinnen beider Hebammenverbände in Deutschland, Kirchenvertreter und Schulleiter. Sie alle haben der Bürgermeisterin zufolge "„sehr deutlich gemacht, an welchen Schnittstellen im System eine engere Verzahnung möglich und sinnvoll ist –und welche institutionellen Veränderungen in diesem Zusammenhang erforderlich sein könnten.“"

„"Falls wir uns als Stadt etwa entscheiden, den Weg des verstärkten Einsatzes von Familienhebammen zu gehen, muss nicht nur die genaue Einbindung in das städtische Hilfesystem klar geregelt sein. Wir müssten darüber hinaus auch Möglichkeiten einer institutionellen Anbindung an ein Amt prüfen, weil wir dann Leistungen einkaufen, die in der Gebührenordnung für Kassenleistungen von Hebammen nicht vorhanden sind“", skizziert die Bürgermeisterin mögliche Schritte einer wirkungsvolleren lokalen Kinderschutzpolitik.

Simon betont, dass auf die geführten Einzelgespräche in Kürze weitere Treffen folgen werden. Ziel sei, die Überlegungen der Fachämter und der externen Fachleute zusammenzuführen. "„In meinen Gesprächen zu dem Thema Kindesvernachlässigungen und –misshandlungen ist sehr deutlich geworden, dass alle Offenbacher Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen und nach wirkungsvollen und vernetzten Schutzmechanismen suchen"“, so Simon. Die Jugenddezernentin wird die Beteiligten im Februar zu einem runden Tisch einladen.

Die Forderung von Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger nach verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen bewertet Simon als nicht weit reichend genug, weil die Abstände zwischen den Vorsorgeuntersuchungen zu groß seien und der Vernetzungsgedanke außen vor bleibe. Außerdem werden, so Simon, bereits über 95 Prozent der Kleinkinder im Rahmen der vorgesehenen Vorsorgen in den ersten Lebenswochen und -monaten ärztlich untersucht. "„Doch gewinnen die Ärzte hierbei selten ähnlich intensive Einblicke in die konkreten Lebensumstände wie beispielsweise Hebammen, die die Familien zu Hause aufsuchen und häufig für junge Mütter erste und einzige Ansprechpartnerin für sämtliche Schwierigkeiten rund um die neue Lebenssituation junger Familien sind“." Hinweise auf Unterstützungsbedarf könnten dann, so Simon, in ein geregeltes, angemessenes Hilfesystem fließen.

Die Bürgermeisterin: „"Wir müssen zukünftig auch auf eine unkonkrete Befürchtung hin angemessen und zügig reagieren. Das heißt weder, dass wir gleich das Jugendamt schicken noch dass erst der nächste ärztliche Vorsorgetermin abgewartet wird. Stattdessen müssen wir einen Kontakt in die Familie durch eine Vertrauensperson herstellen, die gegebenenfalls eine erforderliche Hilfestellung ermittelt und weitere Maßnahmen veranlassen kann. Wenn wir hier direkt und unbürokratisch Unterstützung anbieten oder vermitteln können, kann in vielen Fällen sicherlich schlimmeres verhindert werden.“"