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17. August 2007: Der harte „Rumpenheimer Acker“ nötigte den ehemaligen Offenbacher Bürgermeister Stephan Wildhirt zu ungeplanter und ungewohnter Übung: in einem zweiminütigen Crashkurs musste Wildhirt, der zu jener Zeit auch als Stadtbaurat amtierte, die Bedienung eines Schaufelladers erlernen. Denn ein symbolischer erster Spatenstich sollte am 20. August 1997, also vor genau zehn Jahren, schon sein: zum Beginn der Erschließungsarbeiten im Baugebiet Rumpenheim West und mit dem gewohnten Offenbacher Tempo, denn kaum zwei Monate zuvor erst war der Umlegungsplan rechtsverbindlich geworden.

Als die zum Festakt versammelten Honoratioren dann aber mit der Schippe an den Unbilden Rumpenheimer Geologie scheiterten, wurde zügig improvisiert. Den Bürgermeister, auch wenn er anfangs hinhaltenden Widerstand leistete, beförderten die Anwesenden „Ehren-Baggerfahrer“.

Inzwischen, kaum zehn Jahre danach, leben hier am Übergang zwischen historischer Ortsmitte und Mainbogen rund 880 Menschen auf 5,3 Hektar Fläche, rund 150 mehr als ursprünglich prognostiziert. Links und rechts vom Birnenweg, der Enkheimer Straße und der Verbindung „In den Obstgärten“ gibt es heute 261 Wohnungen in 33 Mehr- und 46 Einfamilienhäuser.

Bereits 1998, kaum zwei Jahre nachdem die Bagger die ersten Schächte für Kanal und Wasser gegraben hatten, war die Hälfte der Grundstücke bebaut, heute sind 92 Prozent der dafür vorgesehenen Flächen belegt.
Die neuen Bewohner schätzen einerseits die Nähe zu Geschäften, Kindergärten und Kirchen und zum anderen den Blick über Schultheißweiher, Main und Fechenheim auf den Feldberg im fernen Taunus. Direkt vor der Haustür beginnt der Abendspaziergang durch Wiesen und Felder. Trotz der Nähe zur Natur blieben im Inneren des Baugebietes 0,5 Hektar für Grünflächen reserviert. Zwei Hektar waren laut Bebauungsplan, der am 7. Dezember 1996 in Kraft tat, dem Eigenheimbau vorbehalten und auf 1,9 Hektar konnten mehrgeschossige Gebäude errichtet werden, 0,9 Hektar wurden für Straßen und Wege benötigt.

Die Erschließung des Geländes wurde der Entwicklungs- und Erschließungsgesellschaft mbH (EEG), einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) und der Stadt Offenbach, übertragen mit dem Vorteil, dass die Entwicklung des Gebietes unabhängig von der Terminierung der Etatberatungen im Rathaus erfolgen konnte. Das Verfahren wurde so um zwei Jahre verkürzt, weil die EEG als GmbH privatrechtliche Verträge mit den Eigentümern schließen konnte. Rund 2,3 Millionen Euro kostete die Erschließung. Insgesamt wurden 1,3 Kilometer Rohre für die Kanalisation verlegt und 53 Straßenleuchten aufgestellt. Auf 1.000 Quadratmetern, das sind 83 Plätze, darf im öffentlichen Raum geparkt werden. 500 Quadratmeter Fuß- und Radwege und 1.050 Quadratmeter Wirtschaftswege wurden angelegt.

Als Ausgleich für die Versiegelung des Bodens wurden am Rand des Gebietes Streuobstgehölze gesetzt. 3.000 Quadratmeter groß ist die Wiese geworden. Dazu wurden 58 Bäume in dem Gebiet gepflanzt. Und auch an die Kinder wurde bei den Investitionen gedacht. Auf dem Spielplatz stehen Kletternetz, Hängematte und Doppelschaukel. Für Kleinkinder gibt es drei Spielhäuser, zwei Sandkisten und weitere Spielgeräte. Jugendliche können hier Tischtennis und Basketball spielen.
Auch wenn Bürgermeister Wildhirt später nie wieder Bagger fuhr, sein „rechtzeitiger“ Einsatz lohnte. Oberbürgermeister und Stadtbaurat heute, Horst Schneider: „Hier hat sich am Ortsrand von Rumpenheim ein Wohngebiet entwickelt, attraktiv für den Mittelstand, interessant für Offenbacher, die sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen wollten, und anziehend für all jene, die aus ganz Deutschland eine neue Heimat in Offenbach suchen“.