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29. September 2008: Die Machbarkeitsstudie für das OFC-Stadion favorisiert einen Neubau am Bieberer Berg. Zu diesem Ergebnis kommt das Architekturbüro Albert Speer & Partner GmbH (AS & P), nachdem es die Kosten und Bedingungen eines Neubaus mit denen eines Umbaus verglichen hat. Die jetzt präsentierte Studie rechnet für die empfohlene Variante mit Gesamtbaukosten von 30,4 Mio. € brutto. Ein Umbau käme aber ebenfalls in Frage – und Oberbürgermeister Horst Schneider gab zu bedenken, dass hier eine abgespeckte Variante mit nur zwei neuen Tribünen und ca. 20 Mio. € Gesamtbaukosten einfacher zu realisieren sein könnte.

"Die Kickers gehören zu unserer Stadt, und wir werden alles unternehmen, damit der Profifußball in Offenbach eine Zukunft hat“, unterstrich der OB. Gleichzeitig wies er auf die prekäre Finanzlage der Stadt hin. Gemeinsam mit der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH), die jüngst die Verantwortung für Investitionen rund um den Bieberer Berg übernommen hat, müsse man nun konkret überlegen, „wie was in welchem Zeitraum finanziert werden kann“. Wesentlich dafür seien ein Projektzuschuss vom Land sowie der Verkauf der Namensrechte des Stadions.

Für die jetzt vorliegende Studie galten folgende Voraussetzungen: Das neu- oder umgebaute, reine Fußballstadion muss die bundesweiten Sicherheitsstandards erfüllen, und das derzeitige Verhältnis von Steh- und Sitzplätzen soll sich umkehren. Der Um- oder Neubau muss bei laufendem Betrieb erfolgen, und die beengte Situation soll entschärft werden.

Umbau: Komplexe Logistik, aber einfacher zu finanzieren
Beiden Varianten legte die Studie von AS & P eine Zuschauerkapazität von 20.850 zugrunde; dazu gehören 13.000 Sitzplätze, 7.600 Stehplätze und 250 Logenplätze. Um mehr Raum zu schaffen, ist in jedem Fall der Rückbau des Zubringers zur B 448 erforderlich – dadurch entsteht im Südosten des Bieberer Bergs mehr nutzbare Fläche. Die Kosten hierfür sind jeweils im Gesamtbetrag enthalten. Die Bauzeit wird insgesamt auf jeweils rund drei Jahre kalkuliert.

Bei einem Neubau könnte das Spielfeld nördlich des heutigen Stadions entstehen. Das derzeitige Stadionareal dient dann als Vorplatz und Funktionsfläche. „Drei Viertel des Neubaus könnte man ohne Beeinträchtigung des Spielbetriebs autark errichten“, erläuterte Planer Frank Hoef. Räumlich gäbe es wesentlich mehr Entwicklungspotenzial als bei einem Umbau: Hier bliebe das Spielfeld in seiner jetzigen Lage, die Tribünen würden so nahe wie möglich herangerückt, um u.a. mehr Parkplätze zu schaffen. Da die Tribünen bei laufendem Betrieb schrittweise ersetzt werden müssten, sei die Baulogistik dieser Variante sehr komplex, sagte Hoef. Dies wertete sein Büro auch als entscheidenden Nachteil.

Ein kompletter Umbau mit vier neuen Tribünen wird mit Gesamtbaukosten von 29,2 Mio. € veranschlagt. Der Vorteil hier liegt in der Bildung einzelner Bau- und damit Finanzierungsabschnitte: „Beim Neubau brauchen Sie viel mehr Geld auf einmal“, gab der Planer zu bedenken. Zudem könnte man zunächst für ca. 20 Mio. € eine „abgespeckte“ Variante mit nur zwei neuen Tribünen verwirklichen. Er favorisiere eigentlich ebenfalls einen Neubau, so der OB: „Aber dafür braucht man 10 Millionen mehr, und wir stehen finanziell schon jetzt mit dem Rücken an der Wand.“

Nach den nun folgenden Konkretisierungen der Studie soll laut Schneider „zum frühestmöglichen Termin 2009“ mit der Umsetzung am Bieberer Berg begonnen werden. OFC-Vizepräsident Thomas Kalt zeigte sich enttäuscht: „Wir wissen immer noch nicht, wann wo was fertiggestellt wird.“ Sein Verein bräuchte vor allem eine sofortige Lösung für den Kunstrasenplatz, der nicht mehr bespielbar sei. „Unsere Nachwuchsmannschaften sind sehr erfolgreich, haben aber kaum Trainingsmöglichkeiten.“ Wegen der bevorstehenden Arbeiten wolle auf dem Bieberer Berg niemand mehr investieren – und für das Tambourgelände als Ausweichmöglichkeit gebe es auch noch keine Lösung. OB Schneider zeigte Verständnis für den „Frust“ und äußerte sich zuversichtlich, dass am Tambourbad bald neue Trainingsplätze entstehen.