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11. November 2008: Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt die Stadt Offenbach niedrigschwellige Sprach- und Integrationsprojekte. Gemeint sind Angebote mit Selbsthilfe-Charakter, die vor allem Frauen mit Migrationserfahrung den Zugang zur deutschen Sprache erleichtern sollen, damit sie sich hierzulande besser zurecht finden und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. "Denn Mütter spielen eine zentrale Rolle für die Bildung und Integration auch der nachfolgenden Generation", betonte Bürgermeisterin und Integrationsdezernentin Birgit Simon bei der öffentlichen Vorstellung der Förderrichtlinien.

Ein Beispiel ist das Projekt „Mama lernt Deutsch“ an der Offenbacher Waldschule. Die Fördermittel tragen nun zur finanziellen Absicherung bei. Das Projekt entstand nach Auskunft von Gertrud Marx vom Betreuungsverein Waldschule nach einer Schulveranstaltung, als klar wurde, dass eine ganze Reihe Mütter über keinerlei Deutschkenntnisse verfügten. „Sie müssen Deutsch lernen, wenn Sie ihre Kinder durch die Grundschulzeit begleiten wollen“, appellierte Gertrud Marx. Inzwischen treffen sich 25 Frauen wöchentlich drei Stunden, um vor allem die deutsche Sprache, aber auch, um das deutsche Schulsystem kennen zu lernen, und nicht zuletzt, um soziale Kontakte zu knüpfen. Die Dozentinnen sind türkischer Abstammung und haben Erfahrung in der Erwachsenenbildung. Sie sind jedoch keine ausgebildeten Deutschlehrerinnen. Denn die Kurse sollen einen Deutschkurs nicht ersetzen. Vielmehr sollen sie als Einstieg dienen und den Zugang zu Bildungsinstitutionen wie der Volkshochschule ebnen.

Nicht selten gehe es unter dem Oberbegriff "Sprachförderung" auch darum, dass jungen Migrantinnen, die oft erst kurz in Deutschland sind oder hier isoliert leben, auch eine Möglichkeit zum Kennen lernen und zum Austausch über Wünsche und Bedürfnisse in der neuen Heimat eröffnet werde, weiß Bürgermeisterin Simon.

Als niedrigschwelliges Angebot nimmt das Projekt „Mama lernt Deutsch“ besonders große Rücksicht auf die Lebenssituation der Frauen. Wichtig sei beispielsweise, das die Treffen im Stadtteil stattfinden, so Gertrud Marx, denn viele Frauen hätten nicht die Möglichkeit, mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Weil sie Säuglinge oder Kleinkinder zu betreuen haben, können sie kaum von Zuhause weg. Oft kommen zu pflegende Angehörige dazu. Etliche Frauen kommen aus Kulturen mit traditionellem Rollenverständnis. Sie haben meist keinerlei Übung darin, autonom am öffentlichen Leben teilzunehmen. Sprachbarrieren erschweren die Orientierung zusätzlich. Und diese Sprachbarrieren blieben oft über Jahrzehnte hinweg bestehen, weiß Giovanna Silvestro, die 2007 im Rahmen von LOS (Lokales Kapital für soziale Zwecke) ein ähnliches Angebot an der Mathildenschule initiiert hat. An ihren Kursen nehmen mitunter auch 50- bis 60-Jährige teil. Integration und Emanzipation gelte es zu unterstützen, sagt Giovanna Silvestro. Denn sonst entstünden Parallelgesellschaften.

An der Waldschule erleichtert eine qualifizierte Kinderbetreuung interessierten Frauen die Teilnahme. Die Kosten beschränken sich auf zehn Euro im Monat. Und wer ab und zu fehlt, wird deshalb nicht gleich ausgeschlossen.

Dass solche Kurse den Übergang zu institutionalisierten Bildungsangeboten erleichtern, hat Giovanna Silvestro erlebt. Zehn von insgesamt 70 Teilnehmerinnen ihrer Integrationskurse besuchten anschließend Kurse der Volkshochschule. An der Mathildenschule konnten sie zuvor trainieren, wie man Formulare ausfüllt. Sie erfuhren, wo das Rathaus steht, welches Amt wofür zuständig ist und besuchten einmal auch Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon.

Sie hofft, dass das neue Förderprogramm dazu beiträgt, dass das Angebot an niedrigschwelligen Sprach- und Integrationskursen weiter wächst. Denn der Bedarf ist groß. An der Waldschule müsse das Angebot eigentlich verdoppelt werden, sagt Gertrud Marx.

Mit den Förderrichtlinien spreche die Stadt gezielt Migrantenvereine an, so Bürgermeisterin Simon. Gefördert werden können Initiativen zur Verbesserung der Integration, insbesondere Sprachkurse und andere Maßnahmen zur Förderung der kulturellen Bildung und der sozialen Kompetenzen. Kleine selbstständige Initiativen oder Gemeinden sollten von den Mitteln profitieren. Eine institutionelle Förderung sei mit diesen Mitteln nicht vorgesehen.

15.000 Euro stehen für 2009 aus dem städtischen Haushalt zur Verfügung. Hinzu kommen nach Auskunft von Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration noch 26.000 bis 30.000 Euro Landesmittel, die jedoch nicht für Sprachkurse eingesetzt werden dürfen. Das Förderprogramm sei zwar nicht riesig. Schulze-Böing schätzt aber, dass zumindest eine Anschubfinanzierung für bis zu 15 Projekte möglich ist.

Anerkannte Projekte können bis zu 3000 Euro erhalten. Voraussetzung ist, dass Antragsteller 20 Prozent der Projektkosten selbst tragen, beispielsweise in Form von ehrenamtlichem Engagement oder durch die Bereitstellung von Räumen.

Zusammen mit dem Förderantrag muss ein Konzept eingereicht werden, in dem das Projekt beschrieben wird. Unterstützung bei der Ausarbeitung des Konzepts und bei der Antragstellung leistet der Integrationsbeauftragte der Stadt Offenbach, Luigi Masala,
Telefon: 069 / 80 65 – 35 87
luigi.masalaoffenbachde
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