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16. April 2008: Die Stadt Offenbach nimmt Abschied von Horst Bingel. Der ehemalige Schriftsteller im Bücherturm ist am vergangenen Montag im Alter von 74 Jahren verstorben. Bingel wurde im Jahr 1983 mit der Würde des Schriftstellers im Bücherturm ausgezeichnet und amtierte bis 1985. Der Kulturpreis wird seit dem Jahr 1979 verliehen.

Oberbürgermeister Horst Schneider: „"Wir trauern um Horst Bingel. Der Autor hat das zu jener Zeit noch junge Amt nachhaltig über die Stadtgrenzen hinaus profiliert. Seine skurrilen, knappen, ironischen und bisweilen überraschenden Geschichten und Gedichte bleiben. Und es bleibt auch die Erinnerung an seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in lyrischer Form, die bald als sensationell eingeschätzt und mit einem Artikel in ‚'Kindlers Literaturgeschichte nach 1945'’, gezeichnet von Karl Krolow, gewürdigt wurde“."

Nach Offenbach wurde er in der Zeit berufen als die Stadtbibliothek umgebaut wurde. Der engagierte Autor, der auch Bundesvorsitzender im Schriftstellerverband war, residierte deshalb mit seinen Veranstaltungen im Foyer des Büsingpalais. Schneider: "„Viele haben die lebhaften und fruchtbaren Debatten nicht vergessen“." Zusammen mit Joachim Fest, Sebastian Haffner, Werner Holzer und Robert Leicht diskutierte er beispielsweise in Offenbach über das Thema „"Die deutsche Nation –eine Utopie?“" Ein anderes Thema war: „"Gastarbeiterliteratur - Literatur der Betroffenheit"“ mit Yüksel Pazarkaya, Jean Apatride und Rafik Schami.

Horst Bingel wurde 1933 im nordhessischen Korbach geboren. Nach einer Buchhändlerlehre studierte er an der staatlichen Zeichenakademie in Hanau. 1954 begann Horst Bingel mit dem Schreiben. Es entstanden \"Kleiner Napoleon\" in der Eremitenpresse (1956), \"Wir suchen Hitler\" (1965).

Seine Frau Barbara Böddicker, die er in Offenbach 1985 heiratete, hatte Horst Bingel "„inmitten von Büchern, nämlich im Bücherturm"“ kennen gelernt. Noch in der Offenbacher Zeit wurden ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Wilhelm-Leuschner-Medaille verliehen.

Bingel ist innerhalb weniger Jahre der dritte Schriftsteller im Bücherturm nach Reinhardt Jung und Hans -Christian Kirsch, der gestorben ist. "„Was bleibt"“, so Schneider, "„ist sein literarisches Schaffen, so wie er es selbst formuliert hat: "Unerbittlich, wie Kunst/ und Steine sind, stoßen/ die Dichter die Worte in/ die Welt: Papier/ gewordenes Gedächtnis der Menschheit…“."

Weitere Informationen zum Schriftsteller im Bücherturm: http://www.offenbach.de/bildung/stadtbibliothek/schriftsteller-im-buecherturm/schriftsteller-im-buecherturm.php